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„Ich habe Glück gehabt“

Schauspieler Helmut Zierl las für die Lit.Eifel aus „Follow the sun“ und gab tiefe Einblicke in die drei Monate nach seinem Rausschmiss aus Schule und Elternhaus, die bestimmt waren von Drogen, erster Liebe und Musik

Bad Münstereifel – „Klack“ macht es, wenn Schauspieler Helmut Zierl auf die „Play“-Taste des guten alten Kassettenrekorders drückt. Der Sound von Led Zeppelin, Jimi Hendrix und Co. katapultiert die Menschen auf ihren Stühlen zurück ins Jahr 1971. Dem Sommer, in dem der Rosamunde-Pilcher-Hauptdarsteller mit Lieblings-Schwiegersohn-Format, Drogen konsumierte und auf der Reise nach sich selbst tief unter die Haut gehende Verluste verarbeiten musste. Die „Songs“ – wie er sie nennt – erinnern ihn an diese Zeit: „Es sind Songs, die uns damals beschäftigten und in Stimmung brachten.“

Helmut Zierl bereicherte die Lit.Eifel-Lesung mit Songs vom Kassettenrekorder aus seiner Hippie-Zeit. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Helmut Zierl, behütet aufgewachsen in einer norddeutschen Provinz, Sohn eines Polizisten der Polizeistation Lütjensee, ist 16 als sich sein Leben „an der hässlichsten Schule der Welt“ schlagartig ändert. Wegen seines Drogenkonsums fliegt er von der Schule und auch seine Eltern schmeißen ihn raus.

Für die Lit.Eifel liest er aus seinem Buch „Follow the sun“ spotlichtartig und lässt damit intensiv teilhaben an den Ereignissen und seinen Erlebnissen in diesen drei Monaten, in der seine Hippie-Haare lang, die Sehnsucht groß und die Sofas braun-orange waren. Jedem wird klar: Ab dem Bürgersteig mitten in Brüssel, begann die Zeitrechnung für ihn neu.

Zwischen Heimweh und Fernweh

Man sieht, man fühlt, man schmeckt und spürt förmlich, seine Gefühle, die Wirkung von Begegnungen, die erste Liebe, den ersten Kuss („für die Ewigkeit“), seine Sehnsucht, seine Verzweiflung, die Verluste, seine kleinen und großen Revolutionen auf der Suche zwischen Fernweh und Heimweh in der Fremde, auf dem Weg zum Freisein und auf dem Weg nach Nirgendwo. Man schmunzelt, wenn Helmut Zierl davon berichtet, wie seine Clochard-Kumpanen seine Zahnbürste wie einen Rohdiamanten bewundern und ihn der Reihe nach benutzen.

Autor Helmut Zierl signierte in Ruhe und sogar zweimal – in der Pause und zum Abschluss – der Lit.Eifel-Lesung sein Werk für die Gäste. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Er bringt die Zuhörer so dicht, dass man meint, Marie, die das kräftige Pulsieren der Drogen in ihren Adern fühlt, einem förmlich im Saal der Rechtspflegeschule gegenübersitzt, auf ihrer Matratze, auf der sie in der Nacht noch an einer Überdosis sterben sollte. „So geil“, genoss sie zuerst noch das Gefühl. „Klack“, macht es wieder und Helmut Zierl spielt „Stairway to heaven“ ein. Sie bewegen ihn, berühren ihn bis heute, diese Bilder, die sich fest verankert haben in seinem Kopf.

Für die Lit.Eifel las Helmut Zierl aus seinem Buch „Follow the sun“ spotlichtartig und ließ damit intensiv teilhaben an den Ereignissen und seinen Erlebnissen in diesen drei Monaten. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Ich habe die Geschichten 40 Jahre mit mir herumgetragen“, offenbart er. Und: „Als es fertig war, war es wie eine Befreiung für mich.“ Das Buch hatte letztlich therapeutische Wirkung für ihn, brachte mit der Veröffentlichung aber genauso einen Riesenwirbel. „Warum tust Du Dir und Deinen Fans das an?“, war der als Sunnyboy geliebte Schauspieler oft gefragt worden. Dein Image…, warnte man ihn. „Mein Image war mir mein Leben lang egal“, bekennt der sympathische und uneitle Schauspieler in Bad Münstereifel.

Zehn Jahre Pause

Tatsächlich hatte er beim Schreiben zwischendurch sogar zehn Jahre Pause eingelegt und damit das bis dahin erarbeitete Manuskript beiseitelegen müssen. „Das zu Papier zu bringen, zu lesen, zu verarbeiten, das fiel mir sehr schwer.“ Von seinen einstigen Weggefährten habe er nur von Monique, der Frau eines Bandleaders, nochmal was gehört. Er habe gehofft, nach der Veröffentlichung des Buches melde sich vielleicht jemand, sagt er.

Rund 80 Zuhörer waren nach Bad Münstereifel gekommen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Das nächste Werk steht jedenfalls schon in den Startlöchern, wie der 67-Jährige verrät: „Ich habe Blut geleckt und schreibe weiter.“ Stoff soll seine Zeit an der Schauspielschule und sein Leben als Schauspieler liefern.

Ihm ist mit der wilden Reise als 16-Jähriger deutlich geworden: „Manchmal entscheidet sich der Verlauf des Lebens in einem winzigen Moment.“ Sein Fazit: „Ich habe Glück gehabt“. Die Lit.Eifel-Zuhörer angesichts des gelungenen Abends auch. Gleich zweimal, in der Pause und zum Abschluss der Lesung, signierte Helmut Zierl sein Werk für die Gäste. Gelungen moderiert wurde die Veranstaltung von Claudia Hoffmann vom Programmbeirat der Lit.Eifel. Auch Waltraud Stening meinte: „Was für ein wunderbarer Abend.“

pp/Agentur ProfiPress

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