Hilfe will organisiert sein

Fortbildungsveranstaltung der Tafeln aus dem Kreis Euskirchen und Swisttal im Mechernicher Rathaus

Mechernich – 17 Angehörige von sieben örtlichen Tafeln aus dem Kreis Euskirchen und der Gemeinde Swisttal kamen im Mechernicher Rathaus zu einer Fortbildungsveranstaltung des Tafel-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen zusammen, dessen Landesvorsitzender Wolfgang Weilerswist am Bleiberg wohnt und wirkt.

Wolfgang Weilerswist, der in Mechernich unter anderem auch als stellvertretender Bürgermeister und VdK-Funktionär aktiv ist, engagiert sich seit 15 Jahren für die Tafel, um Lebensmittel an bedürftige Menschen zu verteilen. Er ist Vorsitzender der Mechernicher Tafel und gehört seit vielen Jahren auch zum Vorstand im Landesverband der Tafeln in NRW, die letzten Jahre als Vorsitzender.

Wolfgang Weilerswist, Vorsitzender der Mechernicher Tafel (ganz links), hatte 17 Kollegen von „Tafeln“ im Kreis Euskirchen und aus der Gemeinde Swisttal zu einer Fortbildungsveranstaltung ins Mechernicher Rathaus eingeladen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Landes- und Bundesverband bieten regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen für unsere engagierten Ehrenamtler. Da dachte ich mir nach meiner Wiederwahl, tun wir doch zuerst mal was für den Heimatkreisverband.“ Also lud Weilerswist, der die Fortbildung mit dem Göttinger Bundesvorstand Sebastian Priell hielt, die sechs Tafeln im Kreis Euskirchen plus der Tafel Swisttal ins Mechernicher Rathaus ein.

Landesvorsitzender Weilerswist

Die 17 Vertreter aus sieben Tafel seien „Multiplikatoren“, so Weilerswist zum Mechernicher „Bürgerbrief“, die nunmehr die übrigen Tafelangehörigen in den einzelnen Gemeinde- und Stadtverbänden fortbilden sollen.

Unterrichtsthemen zwischen 10 und 16 Uhr waren Mitarbeitergewinnung, Lebensmittel- und Spenden-Aquise. „Die Begeisterung neuer ehrenamtlicher Helfer ist zurzeit ein großes Thema“, so Wolfgang Weilerswist, der unlängst während der 72-Stunden-Lebensmittelsammelaktion Mechernicher Firmlinge in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist gesprochen hatte.

Der Tafel-Vorsitzende: „Daraufhin haben sich gleich drei neue Mitarbeiter bei mir gemeldet, die die Mechernicher Tafel seither unterstützen.“ Der Kontakt zu den Kirchen sei gut – auch was die Benennung so genannter verschämter Armut angehe, meist bedürftige ältere Menschen, die sich zunächst schämen, Hilfe anzunehmen.

Zur Ausgabe zweimal pro Woche kommen in Mechernich etwa 150 Personen, stellvertretend für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt. Insgesamt zählt die Mechernicher Tafel rund 1000 Bedürftige.

„Zulauf haben wir vor allem von alleinstehenden Frauen mit Kindern und von älteren Damen, die mit ihrer Mini-Rente nicht über die Runden kommen“, weiß der Tafel-Vorsitzende. Einen Boom erlebte die Tafel in Mechernich zuletzt mit dem Zustrom von Flüchtlingen. Weilerswist: „Da hatten wir zeitweise bis zu 300 Menschen bei der Ausgabe.“

Fahrer werden immer gebraucht

In einer bundesweiten Pressemitteilung hatten die Tafeln am Dienstag auf einen dramatischer Anstieg der Tafel-Nutzer hingewiesen – besonders Rentnerinnen und Rentner suchten Unterstützung. Zurzeit sei bereits ein Anstieg gegenüber 2018 um 20 Prozent abzusehen. Aktuell kommen 1,65 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig zu den Tafeln.

Völlig inakzeptabel sei der Anstieg der Kinder und Jugendlichen bei den Tafeln – fast 50.000 mehr junge Menschen seien auf die Unterstützung mit Lebensmitteln angewiesen. Insgesamt liegt ihr Anteil bei 30 Prozent der Tafel-Nutzer. „Wir leisten es uns in Deutschland, Kinder systematisch zu vernachlässigen. Wir haben eines der undurchlässigsten Bildungssysteme der OECD-Staaten. Wer als Kind arm ist, hat kaum Chancen, sich aus dem Armutskreislauf zu befreien, so der Tafel-Bundesvorsitzende Jochen Brühl. 

Mehr als 40 Mitarbeiter engagieren sich rund um die Lebensmittelausgabe in der Stadt am Bleiberg. Dazu gehören natürlich die Ausgabe, aber auch schon vorher das Sortieren der Nahrungsmittel. Und natürlich müssen die Waren, die zu viel produziert, mit falschen Etiketten versehen oder einfach nicht verkauft wurden, erst einmal in den Geschäften oder Lagern abgeholt und zur Alten Schule in Mechernich gebracht werden. „Weitere Fahrer können wir immer gebrauchen, die sind bei uns täglich in zwei Teams unterwegs“, so Wolfgang Weilerswist.

pp/Agentur ProfiPress