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Herz und Ohren für die Leiden geöffnet

Mechernicher gedenken im Pogrom-Rundgang den Opfern des Nationalsozialismus – Stationen für die rund 100 Teilnehmer waren Gymnasium Am Turmhof, Gesamtschule und Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Von Cedric Arndt

Mechernich – Es waren Stunden, die 33.000 Menschen das Leben kosten sollten. Nach der Eroberung der Ukraine folgten Einsatzgruppen der SS hinter der kämpfenden Front, um systematisch all jene Menschen zu ermorden, die nicht den Idealen des Naziregimes entsprachen. “Dabei waren nicht nur Juden von den Erschießungen betroffen, sondern auch Sinti und Roma, kommunistische Funktionäre und Kriegsgefangene”, berichtete Franz-Josef Kremer während eines Pogromrundganges durch Mechernich am Mittwochabend.

Rund 100 Personen lauschten am Mittwoch den Erzählungen von Franz-Josef Kremer beim Mechernicher Pogromgedenken. Foto: Cedric Arndt /pp/Agentur ProfiPress

Dieses Ereignis sei kein Einzelfall gewesen. “Von Anfang an hat das nationalsozialistische Regime den Krieg gegen die Sowjetunion als rassenidiologischen Vernichtungskrieg geführt. Bis zum Jahresende 1941 fielen diesen Mordaktionen bereits über 500.000 Menschen zum Opfer. Und es blieb nicht bei der physischen Gewalt.” Der sogenannte Hungerplan habe den Tod von geschätzt 30 Millionen Menschen vorgesehen, um Platz für die Neubesiedlung der eroberten Gebiete zu schaffen.

Menschliche Abgründe

80 Jahre liegen diese Ereignisse nun zurück, doch aus Sicht des Organisators der jährlichen Pogromgedenkstunden in Mechernich war es nie wichtiger, immer wieder an diese Gräueltaten zu erinnern. “Ich habe schon häufig gehört, dass es doch langsam an der Zeit sei, einen Schlussstrich zu ziehen.” Franz-Josef Kremer kann das nicht nachvollziehen: “Die Monstrosität dieser menschlichen Abgründe darf niemals vergessen werden. Besonders nicht in einer Zeit, in der sogar eine Partei im Bundestag immer deutlicher macht, diese alten Zeiten zurückhaben zu wollen.”

Die erste Station des von den Mechernicher Kirchen und den weiterführenden Schulen organisierten Rundganges bildete am Mittwoch die Gesamtschule. Dort präsentierten die Schülerinnen und Schüler ihren “Engel der Kulturen”, der sich zu gleichen Teilen aus den Symbolen des christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubens zusammensetzt. Dieser sollte als Zeichen dafür stehen, dass alle Menschen miteinander verbunden sind und der Weg in eine friedliche Zukunft nur gemeinsam gegangen werden kann.

Nur wenige Meter von der Gesamtschule entfernt wartete im Gymnasium am Turmhof die zweite Station auf die rund 100 Rundgangsteilnehmer. “Wie ist es möglich, das Unfassliche zu fassen und Herz und Ohren für die Leiden, die das nationalsozialistische Regime zu verantworten hat, zu öffnen?” – mit dieser Frage hatte sich Religionslehrer Michael Schmitz mit seiner Klasse auseinandergesetzt.

Preisgekröntes Kriegsdrama

Gemeinsam kamen sie auf die Idee, dies mit einer Mischung aus Musik und Filmausschnitten zu erreichen und wählten dafür das preisgekrönte Kriegsdrama “Der Pianist”. Dieser erzählt die Geschichte eines Wehrmachtoffiziers, der laut Überlieferung durch seine Taten rund 30 polnischen Bürgern das Leben rettete. “Er hat es in dieser schrecklichen Zeit geschafft, sich seine Menschlichkeit zu bewahren”, so Schmitz. Einer dieser Menschen war der für den Film namensgebende Pianist Władysław Szpilman, der den Offizier durch seinen Vortrag von Frédéric Chopins Nocturne Nr. 20 inspirierte. Die Wirkung dieses Liedes, gepaart mit den Bildern des Filmtrailers ließ auch die Rundgangsteilnehmer tief beeindruckt zurück und so setzten sie in Gedanken versunken ihren Weg zur abschließenden Station am Dietrich-Bonhoeffer-Haus fort.

Dort angelangt erwartete die Teilnehmer die nächste Geschichte über eine Person, die durch ihr Handeln für ihre Mitmenschen als leuchtendes Symbol in einer dunklen Zeit gegolten hat. Die Jungen und Mädchen der evangelischen Jugend präsentierten ihrem Publikum ein Schauspiel über das Leben des namensgebenden Pfarrers, der während seiner Zeit beim Widerstand gegen das NS-Regime sogar an der Planung eines Attentates gegen Hitler beteiligt war. Das Stück erzählte von Bonhoeffers Zwiespalt sich als Christ an einer Mordaktion zu beteiligen und wie er selbst nach der Gefangennahme in seiner Todeszelle seinen Mitgefangenen Kraft und Zuversicht spendete.

“Dieses Handeln zeigt, wie wichtig es ist, sich gegen derartige Gräueltaten aufzulehnen”, betonte Franz-Josef Kremer nach dem Schauspiel. “Dies galt damals genauso wie es heute gilt. Ein Christ, der in der heutigen Zeit die AfD wählt, sollte meiner Meinung nach seinen Glauben in Frage stellen.”

pp/Agentur ProfiPress

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