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Zwei Ortsbürgermeister im Interview

Uwe Höger (Strempt/Denrath/Heufahrtshütte/Weißenbrunnen) und Jan-Christof Jansen (Wachendorf) stehen stellvertretend für insgesamt 34 Ortsbürgermeister in Mechernich – Sie wollen positive Impulse setzen, weg vom Kirchturmdenken und zu mehr Miteinander – Eine der großen Aufgaben für beide: die Integration von Neubürgern und Zugezogenen

Mechernich/Strempt/Wachendorf – Laut Landkarte liegen 14 Kilometer zwischen ihnen. Der eine wohnt und wirkt in Strempt, der andere in Wachendorf. 30 Jahre lebt Uwe Höger (54 Jahre) in seiner Wahlheimat, Jan-Christof Jansen (47) darf nach fünf Jahren wohl noch als Zugezogener im Dorf bezeichnet werden. Beide sind seit Oktober 2020 als Mechernicher Ortsbürgermeister neu im Amt – in Corona-Zeiten spürbar unter erschwerten Bedingungen: Keine Feste, kein Vereinsleben, keine Bürgerhausbesuche.

Die beiden neuen Ortsbürgermeister Uwe Höger (l.) und Jan-Christof Jansen in Strempt. Sie stehen stellvertretend für insgesamt 34 Ortsbürgermeister. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Am Rochusplatz in Strempt sowie am Bürgerhaus Wachendorf stellen sie stellvertretend für 34 Mechernicher Ortsbürgermeister ihre Ideen, Impulse, Arbeit und Ansätze vor und skizzieren ein modernes Verständnis des Vermittlers zwischen Bürgern und Stadtverwaltung. Bürgerhäuser sind die Seelen des Dorfes, sagen sie. Im gemeinsamen Interview regen sie vor allem ein stärkeres Vernetzen der Ortsbürgermeister untereinander und den gegenseitigen Austausch an – zum Vorteil aller. In ihren Plänen sind sie sich nah.

Interview:

Beide arbeiten Sie als Berufssoldaten im Bonner Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen, der ehemaligen Wehrverwaltung. Sie begegnen sich in Pausen und tauschen sich privat aus. Hat das für Ihr Amt Vorteile?

Höger: Definitiv. Wir tauschen uns regelmäßig aus. Jan-Christof Jansen hat super Ideen. Seinen Flyer für Neubürger in Wachendorf zum Beispiel werden wir angepasst an unser Dorf bald für Strempt nutzen. Er wiederum profitiert von meiner langjährigen Erfahrung in der Vereinsarbeit. Kirchturmdenken, davon bin ich überzeugt, bringt uns im Alltag nicht weiter.

Jansen: Vernetzen unter den Ortsbürgermeistern bringt allen Beteiligten Vorteile. Wir Ortsbürgermeister können uns mit unseren Ideen und Erfahrungen gegenseitig bereichern – obwohl natürlich jedes Dorf seine eigenen Besonderheiten hat. Fehler, die passieren, weil man es nicht besser weiß, werden vermieden. Sachen, die in Strempt gut sind, können auch in Wachendorf gut sein und in jedem anderen Ort im Stadtgebiet.

In beiden Orten ist die Integration von Neubürgern ein großes Thema…

Jansen: Das Thema wird der Schwerpunkt meiner Amtszeit. Ganz sicher. Bei uns werden es rund 100 Neuzugezogene. Das Einbinden bringt sehr viel Positives für den Ort, für die Vereine, für die Feuerwehr, für die Aktivkirche. Die ins Dorf hineinkommen, sind eingeladen, sich einzubringen. Ich bitte meinen altgestandenen Ortskern aber auch, bereit zu sein, die Neuen aufzunehmen. Das funktioniert sehr gut über die Vereine. Das beste Beispiel bin ich selbst dafür. Ich bin inzwischen aktives Mitglied bei der Feuerwehr und im Bürgerverein. Und nun auch Ortsbürgermeister.  

Höger: Bei uns sind es 27 Grundstücke, die vor allem junge Familien zu uns gebracht haben. Ein weiteres Baugebiet ist in Planung. Damit sollen nochmal rund 60 Grundstücke dazu kommen. Rund 150 Menschen wollen und werden wir integrieren. Die ersten Kontakte zeigten: Die Bereitschaft bei den Zugezogenen ist da. Aber das braucht natürlich auch Zeit.

Jansen: Klar ist auch, so positiv es ist, Neubürger zu gewinnen, so sehr muss man auch akzeptieren, dass sich so ein Dorf auch an ein Neubaugebiet gewöhnen muss. Da ist es umso wichtiger, dass wir als Ortsbürgermeister pro-aktiv unterwegs sind und alles dafür tun, dass es gelingt. Letztlich sogar als gutes Beispiel vorangehen.

Jan-Christof Jansen (r.) und Uwe Höger in Wachendorf. Beide wollen positive Impulse setzen, weg vom Kirchturmdenken und zu mehr Miteinander in der Bürgerschaft aber auch im Ortsbürgermeister-Kollegenkreis. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Früher wurden Ortsvorsteher häufig und gerne als „Sheriffs“ bezeichnet? Verstehen Sie sich noch als Aufpasser?

Jansen: Mit dem alten Begriff kann ich persönlich nichts anfangen. A bin ich nicht ausgebildet zum Sheriff und B will ich auch nicht Chef oder gar Hilfspolizist spielen. Ich glaube, dass uns der Begriff im Dorf nicht weiterbringt. Sondern hier muss man einfach an den gesunden Menschenverstand appellieren und miteinander reden. Das Dorf ist der „Star“, wir sehen uns als Mittler und Koordinatoren. An uns ist es, Impulse zu setzen, Menschen zu motivieren, sich in die Gemeinschaft einzubringen und wo notwendig, einzugreifen und die kommunale Stadtverwaltung einzubinden, wenn man sie benötigt.

Höger: Ich will mich ebenfalls absolut nicht als Aufpasser sehen. Nur gemeinsam sind wir stark. Jung und Alt mit ins Boot zu nehmen ist unser Antrieb. Mitmachen ist überall gefragt und sogar erbeten. Dann identifizieren sich die Bürger auch viel eher mit dem Ort und dem Erreichten. Wichtig finde ich auch, die Arbeit der „Alten“ und bisherigen Helfer wertzuschätzen, die sie zum Wohl des Dorfes Stunde um Stunde investiert haben. Dafür kann man gar nicht oft genug danke sagen. Deren und unser aller Engagement prägt den Ort und die Heimat noch auf lange Zeit.

Sie sind 24 Stunden vor Ort Ansprechpartner für alles – für Löcher in der Straße, bei defekten Laternen und sonstigen Missständen. Sie sind Schnittstelle und manchmal auch Prellbock zwischen Stadtverwaltung und Bürger. Auch spätabends läutet schon mal das Telefon.

Höger: Das gehört zum Amt. Uns tut gut, dass die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung in den ersten Monaten unserer Amtszeit hervorragend funktioniert. Das ist ein super Verhältnis mit der Stadt, egal bei welchem Ansprechpartner.

Jansen: Dieser Umstand, den Uwe anspricht, ist ein großer Rückhalt für uns als Ortsbürgermeister. Ich habe in meiner Zeit schon den ein oder anderen Schriftverkehr mit der Stadtverwaltung geführt. Mein Anliegen wurde so schnell abgearbeitet. Das ist unglaublich toll zu erleben, wie gut das funktioniert in der Kommunalverwaltung. Von meiner Seite ein großes Lob und bitte weiter so. Für die Bürger ist es ein wichtiges Signal, dass Dinge, die sie an uns herantragen auch zu einem Ergebnis führen.

Wofür stehen Sie? Welche Akzente wollen Sie setzen?

Höger: Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Ort und seine Menschen wieder zusammenwachsen und wieder mehr zusammenrücken. Das Miteinander muss wieder an erster Stelle stehen. Die Jugend möchte ich verstärkt mit ins Boot nehmen und den Bolzplatz und eventuell auch ein Basketballfeld wieder aufhübschen. Auch die Grillhütte müsste dringend wieder zurecht gemacht werden. Außerdem möchte ich nach dem Lockdown gerne einen Spaziergang mit interessierten Bürgern durch unser Dorf machen, wo sie sozusagen „frei Schnauze“ sagen können: Wo drückt der Schuh?

Jansen: Ich möchte ein Beispiel anbringen, was unsere Arbeit ausmacht: Bald werden Nistkästen in der Kastanienallee angebracht, die von Kindern aus dem Dorf gebaut wurden Thomas Helmling hat einen Nistkasten mit einer Kamera bestückt. Auf unserer Bürgervereins-Webseite können Bürger live in den Nistkasten blicken. Jeder sieht dort auch Termine, die im Dorf anstehen und nehmen vielleicht teil. Einen solchen Mehrwert bzw. Synergieeffekte verspreche ich mir von vielen Aktivitäten. Auf dem Neubürger-Flyer sind beispielsweise auch einige unsere Gewerbetreibenden genannt. Aber natürlich sind es auch manchmal ganz pragmatische Ansätze, wie die Frage nach einer der Besucherzahlen angepassten Sanitäranlage am Parkplatz der Bruder-Klaus-Kapelle, mit denen man Dinge voranbringt.

Feste, geselliges Beisammensein, Kirmes- und Karnevalsfeiern Corona-bedingt nicht möglich. Doch es gibt auch positive Seiten?

Jansen: „Aufeinander aufpassen“ und „Füreinander da sein“ hat eine ganz andere Qualität während dem Lockdown bekommen. Ich hoffe, das bleibt auch nach der Pandemie erhalten. In dem Fall hat diese Zeit eine positive Seite, bei allem negativen, wo sie uns einschränkt.

Höger: Das Besinnen auf das, was wir an unserer Heimat haben, wird uns stärken. Wir wissen in der Krise, was wir daran haben, was bereits seit Jahrzehnten auch von unseren Vorgängern aufgebaut wurde. Der Bürger muss stolz sein auf sein Dorf und sagen: Das ist mein Strempt. Das ist mein Wachendorf.

Warum sind Sie überhaupt Ortsbürgermeister geworden?

Höger: Der Entschluss ist gereift. Seit dem Wulf Dietrich Simon viel zu früh verstorben war, der für den Ort Strempt in all den Jahren viel getan hat, habe ich mir überlegt, für den Stadtrat zu kandidieren und gerne auch das Amt als Ortsbürgermeister zu bekleiden.

Jansen: Wenn man sich auf ein solches Amt einlässt, muss einem klar sein, dass man auch viel von seiner Freizeit investiert. Aber das tue ich gerne, ich fühle mich mit meiner Familie hier unglaublich wohl und wir sind seinerzeit toll aufgenommen worden. So kann ich also auch ein bisschen zurückgeben.

pp/Agentur ProfiPress

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