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Zwei „Dorfsheriffs“ im Zeitungsinterview

Mechernicher Ortsvorsteher Robert Ohlerth (Kallmuth) und Marco Kaudel (Lessenich) werden von der Journalistin Julia Reuss in „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnischer Rundschau“ portraitiert

Mechernich-Kallmuth/Lessenich – „Das Bindeglied zwischen Ort und Rat“ hat Julia Reuss ihre Titelgeschichte in den in Mechernicher erscheinenden Kölner Tageszeitungen überschrieben. In ihrem Bericht stellt die Autorin Robert Ohlerth und Marco Kaudel exemplarisch für die insgesamt 34 Mechernicher Ortsvorsteher als wichtiges Ehrenamt vor, das es nicht in allen Kommunen gibt. Bad Münstereifel, Euskirchen, Hellenthal und Schleiden verzichten auf die Ehrenbeamten vor Ort.

Ortsvorsteher Robert Ohlerth (l.) mit Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick am Kallmuther Bürgerhaus. Auch dank ihres guten Verhältnisses erhält Kallmuth viel städtische Unterstützung. Archivfoto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Das Amt des Ortsvorstehers ist nur so gut, wie der Ortsvorsteher selbst“, hat es mal ein Mechernicher Ratspolitiker auf den Punkt gebracht. Es gibt Dörfer mit aktiven Sheriffs und solche, in denen der „Ortsbürgermeister“, wie die Ortsvorsteher mitunter auch genannt werden, alles schleifen lässt. Wie es auch aktive und weniger aktive Dorfgemeinschaften gibt.

Julia Reuss hat sich mit Robert Ohlerth und Marco Kaudel in Sachen Engagement und Ortsidentifikation vorbildliche Vertreter ihre Zunft ausgesucht. Ohlerth ist seit mehr als 35 Jahren im Amt und war lange auch gewerkschaftlich engagiert und Vize-Bürgermeister der Stadt Mechernich. Und Marco Kaudel ist zwar noch ein junger, aber seit Schülertagen in Feuerwehr, Vereinen und Kommunalangelegenheiten eifrig tätiger Mitbürger und Lokalpolitiker.

23 CDU, fünf SPD, sechs UWV

1984 wurde Robert Ohlerth zum ersten Mal zum Ortsvorsteher gewählt und ist es seitdem geblieben. Bereits 1974 hatte er mit Gleichgesinnten das Ortskartell gegründet, dessen Vorsitzender er bis heute ist. „Im Dorf kennt ihn jeder“, schreibt Julia Reuss und zitiert Ohlerth, der von sich behauptet: „Ich habe ja ganze Generationen begleitet.“

Der 35-jährige Marco Kaudel ist erst seit dem vergangenen Mai Ortsvorsteher in Lessenich. Manchmal ist das Amt für ihn wie ein zweiter Beruf. Das habe er unterschätzt, so der im Nachbarort Wachendorf lebende Ortsvorsteher von Lessenich. Er sei zwar in dem Dorf aufgewachsen, aber ein Ortsvorsteher sollte eigentlich auch da leben und wohnen, wo er zuständig ist, sagt der politische Newcomer von der CDU.

Marco Kaudel wird von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick zum Ortsvorsteher von Lessenich ernannt, links seine Ehefrau Sabrina, rechts Teamleiterin „Bürger und Politik“ Manuela Holtmeier und Erster Beigeordneter Thomas Hambach. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Robert Ohlerth hat ein SPD-Parteibuch. Beide betonen, dass die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei mit Ratsfraktion wichtig sei: Sonst habe man als „Sheriff“ keine Lobby, um im Stadtrat Interessen des vertretenden Dorfes in konkrete Beschlüsse umzumünzen. 23 „Sheriffs“ in der Stadt Mechernich gehören der Union an, beziehungsweise sind parteilos und wurden von den Christdemokraten nominiert, fünf von den Sozialdemokraten und sechs von der UWV.

34 Mechernicher Ortsvorsteher sind für 44 Stadtteile zuständig. Kleindörfer wie Urfey, Unterurholz, Wielspütz und Bescheid sind größeren Orten zugeordnet. Auch Rolf Jaeck, der Ortsvorsteher von Kommern, betreut zusätzlich Gehn. Julia Reuss: „Ihre Aufgabe ist es, das Bindeglied zwischen ihrem Ort und dem Stadtrat zu sein. Sonst würden die kleinen Außenorte in der Politik schnell übersehen…“

„Wer den beiden zuhört, lernt allerdings schnell, dass ein Ortsvorsteher noch viel mehr ist als ein politisches Bindeglied“, heißt es in der „Kölnischen Rundschau“: „Er organisiert Dorffeste, ist in den Vereinen aktiv, versucht, Nachbarschaftsstreitigkeiten zu klären und ist für alle im Dorf der erste Ansprechpartner.“

„Nicht allen recht machen“

Egal, ob es um nicht brennende Straßenlaternen gehe, neue Stühle für das Dorfgemeinschaftshaus oder zu laute Musik beim Nachbarn. Sie seien schon ein wenig der Mülleimer für den Ärger der Leute, formulierte es Marco Kaudel im Zeitungsinterview. „Müssen Ortsvorsteher deshalb besonders diplomatisch sein?“, fragte Julia Reuss. „Man kann es nicht allen recht machen. Deshalb braucht man eine klare Idee, die man verfolgt“, sagte Robert Ohlerth dazu.

Als er 1974 anfing, war seine Idee, etwas für Kinder im Ort zu tun. „Es war im Dorf nichts mehr los“, erinnert sich der frühere langjährige Lahmeyer- und Mechatronics-Betriebsrat und stellvertretende Bürgermeister von Dr. Hans-Peter Schick. Ein Dorfleben nach heutigem Verständnis habe nicht existiert. Das gemeinsam mit Gleichgesinnten aus der Taufe gehobene Ortskartell organisierte fortan Martinszüge, Nikolausfeste und Karnevalssitzungen.

Es ist Aufgabe der Ortsvorsteher, zwischen Stadtverwaltung, Rat und Bürgern zu vermitteln, aber auch das Dorf zusammen und das dörfliche Equipment in Schuss zu halten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

In all den Jahren seiner Tätigkeit habe er für seine Ziele auch schon mal zu unkonventionellen Mitteln gegriffen, erzählte Ohlerth dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Um den alten Dorfbrunnen wieder in Betrieb nehmen zu können, hätten er und seine Mitstreiter diesen kurzerhand an die Leitung eines nahen Telefonhäuschens angeklemmt. Das sei dann allerdings aufgefallen, als das Telefonhäuschen abgerissen wurde…

„Wenn wir nicht einfach machen würden, würden wir vieles gar nicht bekommen“, betont auch der Lessenicher Marco Kaudel. Die Verwaltung unterstütze aber die Sheriffs, wo es gehe – besonders natürlich die aktiven, die im Dorf was tun.

„Noch keine Kirmes verpasst“

Der Job ist zeitaufwendig. Man muss zuhören können, unnötige Wege zurücklegen und fruchtlose Gespräche führen, alle Mitbürger und ihre Anliegen ernstnehmen und ständig präsent sein. „Ich habe noch keine Kirmes verpasst“, berichtet Robert Ohlerth den Kölner Tageszeitungen. Außerdem sei er in vielen Vereinen im Ort Mitglied und aktiv tätig.

Nicht immer geht die Ortsvorstehertätigkeit reibungslos ab, so Julia Reuss. Sie zitiert den Kallmuther Sheriff mit den Worten: „Man eckt auch an. Ich habe ein paar Leute, die nicht mehr mit mir reden!“ Aber das Positive überwiege. „Wenn ich morgens am Kindergarten vorbei spaziere, dann rufen alle Pänz »Robert« zu mir.“

Dorfsheriff Marco Kaudel packt beim Müllsammeln in Feld und Flur natürlich auch selbst mit an. Archivfoto: Max Jenniches/pp/Agentur ProfiPress

Ortsvorsteher erhalten in der Stadt Mechernich eine Aufwandsentschädigung, die nach Einwohnerzahl gestaffelt ist. Bei 34 Ortsvorstehern sind das etwas mehr als 59.000 Euro pro Jahr. In den Gemeinden Weilerswist und Dahlem nennen sich die Sheriffs auch offiziell „Ortsbürgermeister“, schreibt Julia Reuss: „Die Ortsvorsteher werden vom Stadt- oder Gemeinderat gewählt. Dabei benennt in der Regel die Partei den zu wählenden Kandidaten, die im Ort bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen hatte. Die Mehrheit der Ortsvorsteher in Mechernich ist männlich. Lediglich vier Frauen sind darunter. In anderen Kommunen ist das ähnlich.“

pp/Agentur ProfiPress

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