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„Zeit haben wir keine mehr“

Schnellere Genehmigungsverfahren bei Hochwasserschutz-Maßnahmen gefordert – Auswertung zum Juli-Hochwasser unter www.erftverband.de abrufbar – Mühlensee rückt verstärkt in den Fokus des Erftverbands

Mechernich – „Ich hoffe, dass die Katastrophe dazu führt, dass die politischen Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene kapieren, dass wir hier zu wesentlich schnelleren Genehmigungsverfahren kommen müssen“, sagte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick im Rat der Stadt. Es könne nicht sein, dass die Genehmigung für Hochwasserschutzmaßnahmen 10, 15, 20 Jahren dauern können. Das Hochwasser 2021 lehre: „Zeit haben wir keine mehr“, so Dr. Hans-Peter Schick.

Weil mit dem Ablassbauwerk am Kommerner Mühlensee nicht kontrolliert Wasser abgeführt kann, ist das Wirkprinzip für den Hochwasserschutz eher ungeeignet und soll auf den Prüfstand gestellt werden. Auf dem Foto: Thomas Hambach, Erster Beigeordneter der Stadt Mechernich. Archivfoto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Erftverband hat indes seine Auswertung zum Juli-Hochwasser online gestellt. Diese sei auf der Homepage www.erftverband.de abrufbar, berichtete Dr. Christian Gattke, Erftverband-Experte für Hochwassermanagement. In der Bevölkerung habe es einen „Mordsinformationsbedarf“ gegeben, führte er als Grund an.

Mit dem Vortrag von Christian Gattke wurde auch deutlich: „Besser rüsten“, laute die Maxime für die Zukunft. Es soll für das südliche Einzugsgebiet des Erftverbands geprüft werden, wo mehr Schutz gebraucht wird, wo zusätzliche Retensionsräume oder Hochwasserrückhaltehaltebecken Sinn machen. Vielleicht am Veybach, Bleibach, Eschweiler Bach oder auch anderen Gewässern. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass auf Mechernicher Stadtgebiet weitere Regenrückhaltebecken errichtet werden, um Puffer zu schaffen. Strategisch besser seien mehrere kleine, als wenige große, so Christian Gattke.

Keine Fristen

Er könne jedoch wenig Hoffnung auf eine schnelle Umsetzung machen. Erfahrungsgemäß vergehe häufig viel zu viel Zeit, bis ein Vorhaben genehmigt werde. Für den Veybach-Ausbau zum Beispiel, der aktuell gestartet sei, seien die Planungen bereits 1992 begonnen worden. Einsprüche, Anträge, Auflagen seien meist und auch hier die Gründe gewesen. Außerdem gebe es im Landeswasserrecht keine Fristen für die Genehmigung. Allein dadurch könne das Verfahren „unendlich“ dauern.

Dr. Christian Gattke, Hochwasserschutz-Experte beim Erftverband, informierte über den Stand der Aufarbeitungen nach dem Hochwasserereignisses und ging gleichzeitig auf die Frage ein: „Wie kann es jetzt weitergehen?“. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Chef des Erftverbands, Dr. Bernd Bucher, dazu: „Das kann sogar schonmal vorkommen, dass das allein ein oder zwei Jahre dauert, bis geprüft worden ist, ob die Unterlagen, die wir eingereicht haben, vollständig sind.“ Auch, weil diese sehr komplex seien. Doch gebe es auch Hoffnung: „Es wird überlegt, für eine Zeitlang ein Sonderplanungsrecht für die Wasserwirtschaft einzurichten.“ Damit es schneller gehe.

Natürliche Aue

Für Kommern will man jetzt in einem ersten Schritt den Bleibach oberhalb des Mühlensees umgestalten, so dass das Wasser in eine natürliche Aue einströmen kann. 15.600 Kubikmeter „Platz“ hofft man dadurch zu generieren.  „Nicht unendlich viel, aber schonmal eine Hausnummer“, sagte Christian Gattke. Zum Mühlensee war vom Erftverband schon vor einem halben Jahr vorgeschlagen worden, diesen als Trockenbecken für das Stauen von großen Niederschlagsmengen zu nutzen. Danach habe in der Zeitung gestanden: „Der Streit um den Mühlensee‘“, berichtete der Hochwasser-Experte, der der Schlagzeile vehement widerspricht: „Wir streiten uns nicht, sondern suchen nach optimalen Lösungen und wollen als Erftverband nur helfen und den Hochwasserschutz verbessern.“

Der Vorstand des Erftverbands, Dr. Bernd Bucher (l.), hofft auf ein „Sonderplanungsrecht“ für den Hochwasserschutz, um Genehmigungen schneller als bisher zu erhalten. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Ein Problem am Mühlensee stelle das in die Jahre gekommene Ablassbauwerk dar. Damit könne man im Falle eines Hochwassers die Abflussmenge in keinster Weise steuern. Der Damm müsse dafür eigentlich „geschlitzt“ und zuvor auf Standsicherheit untersucht werden. Christian Gattke: „Unser Vorschlag wäre, das Projekt jetzt anzustoßen und dann in Ruhe zu entscheiden bzw. auszuarbeiten, wie wir das ausgestalten.“

Sandfang funktioniert

Eingehende Untersuchungen des Mühlensees nach dem Ablassen jüngst hätten jedenfalls gezeigt, dass das vorhandene Vorbecken als Sandfang ausreichend dimensioniert sei. „Der Mühlensee ist als Sedimentbecken unserer Meinung nach nicht mehr erforderlich“, so Christian Gattke.

Bislang betreibt der Erftverband 23 Hochwasser-Rückhaltebecken im Verbandsgebiet. An drei Erftverbands-Becken (Horchheim, Steinbachtalsperre und Eicherscheid) seien in der Nacht vom 14. Juli das sogenannte höchste Stauziel überschritten worden, „was eigentlich gar nicht überschritten werden darf“, betonte Christian Gattke. In Eicherscheid wurde mit 130 Kubikmeter pro Sekunde sogar mehr als das doppelte des „Zehntausendjährlichen Hochwassers“ erreicht. 130 bis 180 Millimeter Regen seien mit Schwerpunkt im südlichen Verbandsgebiet gemessen worden. Damit lägen sie weit jenseits aller bislang dagewesenen Niederschlagsmengen, die dort seit 1930 aufgezeichnet werden. Das „Extremereignis“ sei zwar eine „ungünstige Kombination seltener Hochwasserereignisse“, ausschließen oder gar vorhersagen könne man sie aber nicht. Es gelte jetzt Strategien zu entwickeln, um Gefahren und Schäden durch Hochwasser zu minimieren.

pp/Agentur ProfiPress

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