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Vom rohen Ei zum kleinen Küken

In der Gemeinde Kall herrscht Bedarf an Kindertagespflegeplätzen – Nur zwei Tagesmütter – Kinderschutzbund und Kreis suchen weitere Betreuer

Kall – Viele Jahre lang war Petra Gemünd aus Kall im Einzelhandel tätig und eröffnete für ein Unternehmen Modegeschäft um Modegeschäft. „Diese Arbeit hat mich irgendwann nicht mehr erfüllt“, berichtet sie. Ganz im Gegensatz zu ihrer jetzigen Tätigkeit. Im Jahr 2012 eröffnete sie das „Spatzennest“, eine Kindertagespflege-Einrichtung. In dieser Arbeit geht sie auf, diese Arbeit macht sie glücklich. „Das ist ein Stück Frieden für mich“, erzählt sie.

In der Souterrainwohnung des Hauses haben sie und ihr Mann Hans ein Reich nur für die Kinder erschaffen. Es gibt eine Küche mit Essbereich, ein reines Spielzimmer, einen Ruhe- und Kuschelbereich und ein Badezimmer; im Erdgeschoss befindet sich außerdem noch ein Zimmer mit Kinderbetten.

Dass sich das Spatzennest in einer ganzen Wohnung befindet ist natürlich eine Luxus-Situation. Dessen ist sich Petra Gemünd bewusst. Sie leistet sich sogar eine Aushilfe, die die Kinder mitbetreut. Der Regelfall sieht anders aus, wie Stephanie Birrenkoven vom Kinderschutzbund im Kreis Euskirchen berichtet: „Die meisten Tagesmütter haben nur einen Raum in ihrer Wohnung oder ihrem Haus für die Tagespflege eingerichtet.“

Auch mit dem dänischen Spielzeugklassiker spielen die Kinder sehr konzentriert im Kaller Spatzennest. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Auch mit dem dänischen Spielzeugklassiker spielen die Kinder sehr konzentriert im Kaller Spatzennest. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

In Kall gibt es nur zwei Tagesmütter. Das ist definitiv zu wenig. Denn die Plätze sind rar. Im Spatzennest werden insgesamt acht Kinder betreut, fünf dürfen nur gleichzeitig betreut werden. Die zweite Tagesmutter darf maximal drei Kinder gleichzeitig betreuen, insgesamt sind fünf Kinder in ihrer Obhut.

„Wir bedauern es, dass es nur diese beiden Tagesmütter gibt“, sagt Roswitha Klinkhammer von der Gemeinde Kall. Doch im Rathaus ist man nicht für die Tagespflege zuständig. „Es gibt immer wieder Anfragen in den Kindergärten. Dann verweisen wir an den Kinderschutzbund“, erzählt Klinkhammer.

Grundsätzlich darf jeder, der einen Hauptschulabschluss hat, Tagesmutter oder -vater werden. Natürlich müssen Kandidaten gesund sein, außerdem sollten sie bislang nicht negativ mit dem Jugendamt in Konflikt geraten sein. Bei einem kombinierten Grund- und Aufbaukurs, der insgesamt 160 Stunden dauert lernen die künftigen Tagespfleger das Handwerk. Angeboten wird er vom Haus der Familie in Euskirchen sowie vom Deutschen Roten Kreuz. Üblicherweise findet dieser DRK-Kursus in Zülpich statt. Sollte es aus dem Südkreis aber eine große Nachfrage geben, könnte sich das DRK einen Kursus in Kall vorstellen.

Der Tagesablauf ist unterschiedlich. Um 6.30 Uhr kommt das erste Kind. Das letzte wird um 19 Uhr abgeholt. Ein halbes Jahr bis drei Jahre sind ihre Schützlinge. Es gibt natürlich auch andere Modelle, Randzeitenbetreuung etwa. Die wird dann nötig, wenn die Arbeitszeit der Eltern über die Betreuungszeiten in Kindergärten und Schulen hinausgehen. Dann muss die Tagespflege die Kinder auch in die Bildungseinrichtungen bringen oder abholen. Betreut man ausschließlich Randzeitenkinder, besteht sogar die Möglichkeit, zwischendurch in Teilzeit zu arbeiten.

Petra Gemünd (hinten) und ihre Aushilfe singen mit den Kindern das „Hallo-Lied“. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Petra Gemünd (hinten) und ihre Aushilfe singen mit den Kindern das „Hallo-Lied“. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

5,16 Euro erhält eine Tagesmutter für die Betreuung eines Kindes pro Stunde vom Kreis Euskirchen. Von dem Geld müssen aber auch Versicherungen bezahlt werden. Denn eine Tagesmutter ist selbstständig. „Man ist auch Geschäftsfrau“, sagt Birrenkoven. Lediglich für Essen und Pflegeartikel müssen die Eltern selbst aufkommen. „Man ist beschäftigt, das aber zu Hause“, zählt Roswitha Klinkhammer einen der Vorteile der Kindertagespflege auf. Die Richtlinien sind derzeit übrigens in der Überarbeitung und liegen dem Jugendhilfeausschuss des Kreises zur Abstimmung vor.

Petra Gemünd wünscht sich sehr, dass sich weitere Tagesmütter und -väter in Kall finden. Denn für sie gibt es nichts Schöneres im Leben. „Ich erlebe so viele glückliche Momente mit den Kindern.“ Diese sollen sich wohl- und geborgen fühlen, als Tagesmutter kann Gemünd sie auf ihrem Weg ein Stückweit begleiten. „Als rohes Ei kommen die Kinder zu mir, als kleine Küken entlasse ich sie.“ Eine qualifizierte Tagesmutter sei auch für die Eltern wichtig. „Wenn ihre Kleinen gut aufgehoben sind, gehen sie mit einem ganz anderen Gefühl zur Arbeit.“

Stephanie Birrenkoven sieht noch einen weiteren Vorteil der Kindertagespflege gegenüber der U3-Betreuung im Kindergarten: die Gruppengröße. In den Kitas sind 15 U3-Kinder in einer Gruppe, in der Tagespflege nur fünf – da herrscht weniger Trubel. „Man kann ganz anders auf die Kinder eingehen, hat viel mehr Zeit für ein Kind und kann da etwas aufbauen.

Als frisch gebackene Tagesmutter lässt einen der Kinderschutzbund auch nicht alleine. Er bietet viermal im Jahr Arbeitskreise an. Außerdem sind die Kindertagespflegestätten im Kreis als „Kitapp“ organisiert und treffen sich regelmäßig zum Austausch. Wer Tagesmutter oder-vater werden möchte, wird gebeten, sich mit Sarah Ickes von der Koordination Tagespflege beim Kinderschutzbund in Euskirchen (02251/7025822) in Verbindung zu setzen.

www.kinderschutzbund-euskirchen.de

www.kitapp-kreis-euskirchen.de

pp/Agentur ProfiPress

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