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Voll integriert im TEAM

Seit August 2016 arbeitet der syrische Flüchtling Walid Kazmouz im Unternehmen „TEAM“ im Kaller Gewerbegebiet – Deutsch gelernt mit dem Kinderfernsehen und der Tagesschau – Frau und Sohn seit 19 Monaten nicht gesehen

Kall – Der Firmenname ist bei TEAM-Industriebedarf  Programm. Denn in Sachen Integration zeigt das Kaller Unternehmen echten Teamgeist und nimmt eine Vorbildfunktion ein. Seit Mitte August beschäftigt der Betrieb am Siemensring einen Flüchtling – und der ist voll integriert. „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt“, berichtet Geschäftsführer Heinz O. Haas.

Der 35-jährige Syrer Walid Kazmouz arbeitet im Lager des Industriebedarfs im Bereich Kommissionierung. In seinem Heimatland war er 14 Jahre lang bei der syrischen Telekom tätig, und zwar im Bereich Festnetz. Nebenbei studierte er noch Geschichte – einfach nur aus Interesse an der Historie.

Seit August 2016 arbeitet der syrische Flüchtling Walid Kazmouz im Lager von TEAM-Industriebedarf in Kall. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Seit August 2016 arbeitet der syrische Flüchtling Walid Kazmouz im Lager von TEAM-Industriebedarf in Kall. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Kennengelernt hatte Haas seinen Mitarbeiter durch den Caritasverband für die Region Eifel e.V., von dem Walid Kazmouz betreut wurde und für den der Syrer in der sogenannten Arte-Truppe gemeinnützige Arbeit leistete. Für ein paar Tage hat der heute 35-Jährige probeweise bei TEAM gearbeitet und wurde dafür auch entlohnt. „Um zu gucken, ob es passt. Das machen wir mit angehenden Lehrlingen im Übrigen genauso“, erklärt Haas, der den Betrieb mit drei weiteren Geschäftsführern leitet.

Bei Kazmouz hat es gepasst, Mitte August wurde er mit einem Einjahresvertrag ausgestattet. Und Haas konstatiert: „Wir haben mit Walid einen echten Glücksgriff getan.“ Das liege auch an dessen Art, betont Haas: „Er ist locker, aber direkt. Er besitzt viel Humor und lächelt viel. Und er wollte unbedingt arbeiten.“

Der Unternehmer weiß um die Probleme, die die Sprachbarriere oder eine andere Mentalität mit sich bringen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der Aufenthaltsstatus nicht immer klar ist. „Deshalb musste es jemand sein, der eine große Chance hat, hierzubleiben“, erklärt Haas. Das ist bei Kazmouz der Fall.

Im Jahr 1995 wurde das Unternehmen TEAM-Industriebedarf gegründet. Es residiert am Siemensring in Kall und hat 28 Mitarbeiter. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Im Jahr 1995 wurde das Unternehmen TEAM-Industriebedarf gegründet. Es residiert am Siemensring in Kall und hat 28 Mitarbeiter. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Seit 19 Monaten ist er in Deutschland. Ebenso lange wartet er auf seine Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Seine Frau und sein fast fünfjähriger Sohn Zafer sind derweil in der Türkei gestrandet. Nachkommen dürfen sie momentan nicht, weil Kazmouz‘ Status noch unklar ist. Bereits sechsmal ist er spontan zum zuständigen BAMF gefahren, hat 25 Briefe geschrieben. Doch auf die Einladung zur Anhörung wartet er immer noch. Sein Sohn versteht die Situation natürlich nicht. Spricht Kazmouz‘ darüber, verschwindet sein Lächeln aus seinem Gesicht.

Aufgefangen wird er unter anderem von seiner Zweitfamilie bei TEAM. 28 Mitarbeiter hat die 1995 gegründete Firma. Der Hauptkundenstamm liegt im Umkreis von 50 bis 60 Kilometern. Wie der Name schon sagt, beliefert das Unternehmen seine Kunden mit Industriebedarf wie Werkzeuge, Maschinen, Arbeitsschutz und sonstige Werkstatt-Ausstattung.

Für diese Kunden stellt Walid Kazmouz die Lieferungen zusammen. Das Lager, in dem rund 30.000 Einzelteile in Regalreihen untergebracht sind, kennt der Syrer mittlerweile wie seine Westentasche. „Hätte er einen Führerschein, könnte er die Ware auch ausliefern“, sagte Haas. Doch eine Förderung des Führerscheins gibt es derzeit noch nicht. Das hält Kazmouz‘ aber nicht davon ab, schon mal vorsorglich die Theorie zu pauken.

Seit August 2016 arbeitet der syrische Flüchtling Walid Kazmouz im Lager von TEAM-Industriebedarf in Kall. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Seit August 2016 arbeitet der syrische Flüchtling Walid Kazmouz im Lager von TEAM-Industriebedarf in Kall. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Apropos Pauken: Jeden Morgen um 5 Uhr steht Kazmouz auf und lernt zunächst einmal zwei Stunden im Selbststudium Deutsch. Anschließend fährt er mit dem Fahrrad von seiner Unterkunft in Kall zur Arbeit. Nach Feierabend schaut er sich deutsches Fernsehen an: die „Tagesschau“ und Kindersendungen, weil dort sehr deutlich und recht langsam Deutsch gesprochen wird. Die Sprache beherrscht er mittlerweile so gut, dass die Gemeinde Kall auf den 35-Jährigen als ehrenamtlichen Dolmetscher zurückgreift.

Für Heinz Haas gehört Walid Kazmouz „einfach dazu“. Schon an seinem ersten Arbeitstag hatte ihn Lagerleiter Ilias Lasos, ein Grieche, unter seine Fittiche genommen. „Die waren den ganzen Tag unterwegs, Ilias hat Walid alles in Betrieb gezeigt“, erzählt Haas schmunzelnd und klopft dem Flüchtling auf die Schulter.

Kazmouz‘ selbst ist trotz der unklaren Familiensituation sehr dankbar: „Deutschland, TEAM, Herrn Haas und Kall“, wie er sagt. Seine Kollegen seien alle sehr nett, mit ihnen spreche und lache er auch sehr viel.

Für Heinz Haas ist die Integration von Flüchtlingen selbstverständlich. Er sieht aber auch die Vorteile für das Unternehmen. „Wir haben ein Nachwuchsproblem in der Branche, viele junge Leute wollen studieren“, weiß er. Statt etwa 50 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz erhalte die Firma heute nur noch rund ein Dutzend. Im Gegenzug wollen viele Flüchtlinge arbeiten. Für Haas ist das deshalb eine Situation, von der beide Seiten profitieren. Einen Wunsch hat der TEAM-Geschäftsführer aber trotzdem: „Dass Walid seine Familie hierhinbekommt.“

Unternehmer, die geflüchteten Menschen eine Chance in ihrem Betrieb geben möchten, können sich für Rat und Unterstützung an den Arbeitgeberservice, einem gemeinsamen Service von Jobcenter und Agentur für Arbeit, wenden. Auch die Gemeinde Kall erteilt gerne Auskunft: Alice Gempfer, Tel. 02441/ 888-76.

pp/Agentur ProfiPress

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