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Temperament und Ökumene

Palästinensische Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin und Autorin Sumaya Farhat-Naser war zu Gast in der Reihe „Literatur im Museum – Gespräch und Rezitation“ im Rheinischen Industriemuseum und mental auch in der Meditations-Gottesdienstreihe in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Mechernich  – „Wenn ich verzweifelt bin, dann nur fünf Minuten“

Manfred Lang (r.) wollte als Angehöriger der Nachkriegsgeneration von Sumaya Farhat-Naser konkret wissen, wie man sich als Deutscher mit den gegängelten und mitunter schikanierten Palästinensern solidarisieren könne, ohne die gerade uns ehrlich und aufrichtig zu Gebot und zu Gesicht stehende Treue zum jüdischen Volk zu verlassen. Indem Sie den jüdischen Menschen ihre Solidarität erhalten, ohne Unrecht gutzuheißen, das der Staat Israel uns antut, sagte Sumaya Farhat-Naser, die die katholische Zeitschrift Publik Forum einst Tochter des Friedens nannte, weil sie auch nachdem ihr Sohn von israelischen Soldaten angeschossen wurde, gewaltfreiem Widerstand das Wort redet. Foto: Paul Düster/pp/Agentur ProfiPress

Euskirchen-Kuchenheim – Es war ein spannender und hochkomplexer Abend mit der palästinensischen Wissenschaftlerin, Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin und Autorin Sumaya Farhat-Naser im Rahmen der Literaturreihe „Gespräch und Rezitation“ im Rheinischen Industriemuseum, Tuchfabrik Müller, in Kuchenheim.

Heinz-Otto Koch konnte namens des veranstaltenden Fördervereins des Industriemuseums weit über 100 Zuschauer begrüßen. Einige waren bekennende „Wiederholungstäter“, die Sumaya Farhat-Naser im November 2012 bereits bei der Literaturaktion „Ein Buch für die Stadt“ des Kölner Stadt-Anzeiger in der Euskirchener Georgschule gelauscht hatten.

Vier Monate und vier Tage nach ihrer Euskirchener Lesung las die 65jährige auch diesmal in der „Mottenburg“ des Kommerner Museums  aus ihrem autobiografischen Buch „Thymian und Steine“. Außerdem stellte sich die Autorin dem Gespräch mit dem Redakteur und Diakon Manfred Lang, der die Reihe „Gespräch und Rezitation“ seit mehr als 15 Jahren betreut. Für passende Musik zum Thema sorgten Thea Schubert (Querflöte) und Anna Hürten (Piano), die Variationen zu trockenen Blumen von Franz Schubert intonierten.

Lang bezeichnete die von ihm hochgeschätzte Sumaya Farhat-Naser als „fleischgewordene“ Christin der Ökumene: „Orthodox geboren und getauft, bei evangelischen Diakonissen erzogen und konfirmiert, heiratete sich ihren Mann, der der Anglikanischen Kirche angehört, schließlich nach deren Ritus, um in der Frauen- und Friedensarbeit engagiert mit der katholischen Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem und deren Dependance in Tabgha am See Genezareth zusammenzuarbeiten und schließlich auch noch die Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Münster zu erlangen.“

Nach der Ökumene der christlichen Konfessionen sei in der GFrauen- und Friedensarbeit Sumaya Farhat-Nasers ganz automatisch die Zusammenarbeit mit Jüdinnen und Muslima gefolgt, wobei die Religion nicht Auslöser und Motor des Nahostkonfliktes sei, so die Autorin: „Mein Großvater hat vor 1948 noch friedlich Tür an Tür mit einheimischen Juden und Moslems gelebt.“ Das Problem seien die Politik, der Zionismus, das rigorose Vorgehen des Staates Israel. Wobei auch die palästinensische Seite nicht frei von Gewalt und Terror sei.   

Es blieb im Gespräch nicht beim Austausch von Höflichkeiten und beim Aufzählen zahlreicher Publikationen, Auszeichnungen und Preise der Autorin. Manfred Lang wollte als Angehöriger der Nachkriegsgeneration auch von Sumaya Farhat-Naser konkret wissen, wie man sich als Deutscher mit den gegängelten und mitunter schikanierten Palästinensern solidarisieren könne, ohne die „gerade uns  ehrlich und aufrichtig zu Gebot und zu Gesicht stehende Treue zum jüdischen Volk zu verlassen“.

„Indem Sie den jüdischen Menschen ihre Solidarität erhalten, ohne  Unrecht gutzuheißen, das der Staat Israel uns antut“, sagte Sumaya Farhat-Naser, die die katholische Zeitschrift „Publik Forum“ einst „Tochter des Friedens“ nannte, unter anderem, weil sie, auch nachdem einer ihrer Söhne von israelischen Soldaten angeschossen worden war, nur und ausschließlich dem gewaltfreien Widerstand das Wort redet.

Sumaya Farhat-Naser berichtete, wie sie sich zu ersten fast konspirativen Treffen mit Jüdinnen, Muslima und Christinnen in der Dormitioabtei am Jerusalemer Tempelberg traf, aber auch wie schwer und manchmal aussichtlos erscheinend der Einsatz für Frieden und Aussöhnung an den Demarkationslinien zwischen den palästinensischen Autonomiegebieten und Israel erscheinen.

„Für Verzweiflung aber bleibt keine Zeit“, verriet die mutige und temperamentvolle Frau ihrem Euskirchener Publikum: „Höchstens fünf Minuten, dann setze ich mich hin und sage zu mir: »Jetzt bist du verzweifelt«. Aber nach drei Minute lächle ich schon wieder, nach vier Minuten erfrische ich mein Gesicht mit kühlem Wasser und nach fünf Minuten ist die Verzweiflung wieder weg!“

Analog zu „Thymian und Steine“, dem Buchtitel jenes Werkes, aus dem sie vorlas, hatte Heinz-Otto Koch als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung Eifelkräuter und einen versteinerten 380 Millionen Jahre alte Korallenarm als Gastgeschenk für Sumaya Farhat-Naser mitgebracht. Das Publikum konnte nach Herzenslust Bücher signieren lassen und auch einige Fragen stellen. Einige waren allerdings der Meinung, der Moderator habe die fast zweieinhalb Stunden laufende Veranstaltung zu abrupt beendet und eine zu dem Zeitpunkt viel versprechende Diskussion der Menschen mit der Autorin „abgeblockt“.

Dafür war Sumaya Farhat-Naser, wenn auch nicht körperlich, so doch mental mit Manfred Lang anwesend in der Gottesdienstreihe dienstags abends in der Mechernicher Pfarrkirche St. Johannes Baptist, wo nach Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und dem ehemaligen Bankier und Sparkassenvorstand Hans Bösch Sumaya Farhat-Naser als Gastpredigerin zu einem Bibelwort an der Reihe war, das ihr und in ihrem Leben besondere Bedeutung erlangte.

Die 65Jährige wählte das berühmte Weinberglied aus dem Prophetenbuch Jesaja. Dazu hatte sie sich Gedanken gemacht in zwei  ihrer Bücher, „Disteln im Weinberg“ und „Verwurzelt im Land der Olivenbäume“, die sie zur Themenpredigt für Mechernich verband. Vorgetragen wurden ihre Gedanken im Gottesdienst allerdings von Diakon Manfred Lang, da sie kurzfristig nach Kuchenheim auch für Dienstagabend noch eine Autorenlesung angetragen bekommen hatte.               

pp/Agentur ProfiPress
 
 

 

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