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Taktik-Training an 18 Tagen im Jahr

Die Bundeswehr will in der Schavener Heide einen 150 mal 200 Meter großen Schieß-Übungs-Raum einrichten – Rund 100 Bürger kamen zur Informationsveranstaltung

Mechernich-Satzvey – Das Fazit, das viele der rund 100 Bürger nach der Bürgerversammlung in der Aula der Satzveyer Veytalschule zogen, war überwiegend positiv. Denn immer wieder schien durch: Im Grunde genommen sind die Bewohner der umliegenden Dörfer der Schavener Heide froh, dass die Streitkräfte für das Gebiet verantwortlich sind. Die Bundeswehr sorgte nicht nur dafür, dass die Schavener Heide wieder hergerichtet wurde nach den teils desaströsen Zuständen, die das belgische Militär dort hinterlassen hatte, sondern auch, dass dort die Natur gedeihen kann und die Schavener Heide nicht zu einem „Phantasialand“ wird, wie es ein Bürger ausdrückte.

Genau deshalb ist das Areal zwischen Satzvey, Firmenich, Obergartzem, Schaven, Katzvey und Kommern-Süd auch so beliebt. Es ist ein Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür – nur eben eines, auf dem die Bundeswehr Hausrecht hat. Als die Eigentümerin nun von einer „Intensivierung im militärischen Raum“ sprach und ankündigte, einen Schieß-Übungs-Raum einzurichten, war die Sorge der Bürger groß. Ist die Schavener Heide demnächst dauerhaft gesperrt? Kommt es in Zukunft zu massiven Belästigungen? Aus diesem Grund informierte die Bundeswehr, was es damit auf sich hat. Moderiert wurde die zweistündige Versammlung von Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick.

Brigadegeneral Peter Webert (v.r.), Standortältester in Euskirchen, sowie Oberstabsfeldwebel Stephan Weitenberg, zuständig für die Übungsplätze in Euskirchen, stellten die Pläne der Bundeswehr vor. Im Hintergrund Thomas Hambach, Beigeordneter der Stadt Mechernich. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Erkenntnis, die am Ende gewonnen wurde: Wirklich viel ändert sich nicht, die Beeinträchtigungen halten sich wohl im Rahmen. Tatsächlich will die Bundeswehr einen 150 mal 200 Meter großen Schieß-Übungs-Raum errichten und zwar „mittendrin“. Bauliche Veränderungen gibt es nicht, der Rand dieses Bereichs wird lediglich durch Pfähle markiert. Rund um diesen Schieß-Übungsraum besteht in Schussrichtung in einem Radius von 500 Meter, also im Halbkreis, ein Gefahrenbereich. Denn in dem Schieß-Übungs-Raum wird nicht mit Platzpatronen, sondern mit Übungsmunition aus dem Gewehr und dem Maschinengewehr geschossen.

Wie die Bundeswehr mitteilt, führt die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa zu einer Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung. Das bedeutet, dass gewisse Fähigkeiten, die zuvor weniger im Augenmerk standen, wieder intensiver geübt werden müssen. So kann im Gegensatz zu einem herkömmlichen Schießstand im Schieß-Übungs-Raum auch das taktische Vorgehen bei der Schussabgabe realitätsnah dargestellt und geübt werden.

Rund 100 Bürger informierten sich in der Freien Veytalschule Satzvey über die Pläne der Bundeswehr in der Schavener Heide. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Einen genauen Standort sucht das Militär derzeit mit dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw). Denn natürlich müssen behördliche Auflagen eingehalten werden. Diese betreffen unter anderem den Naturschutz und den Immissionsschutz. „Wir sind ja keine Freischärler und Hasardeure, sondern Bundesbedienstete. Wir können es uns nicht leisten, krumme Dinger zu drehen. Die Bundeswehr muss aber einsatzbereit sein, wir sind schließlich keine Berufsjugendlichen mit Lagerfeuerkomplex“, brachte es Oberst Detlev Konrad Adelmann, stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos NRW, kernig auf den Punkt.

Lärmmessung nach den Osterferien

Voraussichtlich in der Woche nach den Osterferien wird es zu Lärmschutzmessungen in den umliegenden Ortschaften kommen. „Die Schussgeräusche müssen unterhalb der erlaubten Schwellenwerte bleiben“, sagte Brigadegeneral Peter Webert, Standortältester der Bundeswehr in Euskirchen. Durchgeführt werden diese Messungen von der Bundeswehr selbst, wie Oberstabsfeldwebel Stephan Weitenberg ausführte, der verantwortlich für die Übungsplätze in Euskirchen ist. Dass sich durch die an die Schavener Heide angrenzenden Schulen, also die Freie Veytalschule sowie die Grundschule, eine besondere Voraussetzung wegen der Schutzbedürftigkeit der Kinder gibt, „dessen ist sich die Bundeswehr bewusst“, sagte Bürgermeister Schick.

Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick moderierte die Versammlung. Links Brigadegeneral Peter Webert, Standortältester in Euskirchen, rechts Oberst Detlev Konrad Adelmann, stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos NRW. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Der Schieß-Übungs-Raum wird nach derzeitiger Planung an 18 Tagen im Jahr genutzt. „An mehr glaube ich nicht“, sagte General Webert. Es gebe „nahezu keine Nutzung am Wochenende“, so der Standortälteste weiter. Dann bleibe die Schavener Heide Naherholungsgebiet. „An den Nutzungszeiten wird sich nicht viel ändern, von 7 bis 17 Uhr herrscht Betretungsverbot. Das gilt auch, wenn die rote Fahne hängt. Wenn wir nachts oder an Wochenenden dort üben, wird das in den Schaukästen an den Eingängen bekanntgegeben“, sagte Stephan Weitenberg.

Überrascht waren viele Bürger, als bekannt wurde, dass der Standortübungsplatz Schavener Heide eine Auslastung von 75 Prozent hat. Die meisten Übungen werden von der Öffentlichkeit quasi nicht wahrgenommen. Die Bundeswehr selbst führt dort Fahrzeugausbildung durch, die SAR-Staffel aus Nörvenich übt dort fünf- bis sechsmal pro Jahr die Außenlandung mit Hubschraubern. Ansonsten wird das Gelände auch von vielen anderen Institutionen und Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz zu Übungszwecken genutzt.

Obert a.D. Harald Hering, früherer Kommandeur des Jägerbataillons aus Euskirchen, erinnerte in einer Wortmeldung an die intensiven Übungszeiten vergangener Zeiten. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Oberst a.D. Harald Hering, früherer Kommandeur des Euskirchener Jägerbataillons, erinnerte an die Situation früher: „Wir haben früher jeden Tag geübt und die Bevölkerung hat das mit stoischer Ruhe ertragen.“ Auch General Webert zog einen Vergleich zu früher: „Früher gab es auf der Schavener Heide sieben Schießbahnen, heute eine plus den geplanten Schieß-Übungs-Raum.“ Die Zahl der Übungen sei über die Jahre immer weiter zurückgegangen.

Das Naherholungsgebiet Schavener Heide geht den Bürgern also nicht verloren. Dr. Harald Grote vom BAIUDBw erinnerte daran, dass die Bundeswehr nach der Übernahme des Platzes von den Belgiern erhebliche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt habe, Teiche und Entwässerungsmöglichkeiten angelegt habe und das Gelände rekultiviert habe. „Früher gab es hier oft Hochwasser, das dann in die Dörfer abgeflossen ist.“

Dr. Nico Möller-Lindenhof (l.) und Dr. Harald Grote vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr sorgen dafür, dass bei der Errichtung des Schieß-Übungs-Raumes alle Auflagen eingehalten werden. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Bei der Schavener Heide handele es sich um die „größte Heidelandschaft der Voreifel“, so Grote. 2015 seien bei einer Kartierung des Geländes 300 Tierarten aufgeführt gewesen, darunter auch drei Brutpaare der Heidelerche sowie Vorkommen des Ziegenmelkers und der Kreuzkröte. Und so kamen einige Bürger zu dem Schluss: Es sei eine „Genugtuung für die Natur, wenn die Bundeswehr, wenn die Bundeswehr dort bleibt und die Entwicklung bestimmt“.

pp/Agentur ProfiPress

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