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Sanieren mit Fingerspitzengefühl

Susanne und Rainer Kuhl haben sich einen Traum erfüllt – Sie kauften ein Kleinod in Lückerath – Denkmalgeschützte Hofanlage besteht aus  Wohnhaus, ehemaligem Tante-Emma-Laden und Schweinestall – Von früheren Generationen „geerbt“ und doch modern interpretiert – Ein Stück Heimat: Fachwerkbau ist für die Eifel typisch

Lückerath – Susanne (60) und Rainer Kuhl (65) haben sich ihren Traum erfüllt und ein altes, denkmalgeschütztes Fachwerkhaus gekauft.  „Unsere Freunde und Familie haben erst den Kopf geschüttelt, dass wir uns das jetzt in unserem vorgerückten Alter noch antun“, berichten sie schmunzelnd.

Die Hofanlage in Lückerath ist jetzt schon ein Idyll, obwohl noch viele Sanierungsarbeiten anstehen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

In dem Raum im Haupthaus, der mal eine einladende Küche werden soll, prangt zurzeit ein riesiges Loch im Erdboden. Im zukünftigen Schlafzimmer sind Decken und Wände aufgerissen. Überall klaffen Lücken.

Das Haus wurde komplett entkernt, um die Räume von Grund auf wieder aufzubauen. Foto: Susanne Kuhl/pp/Agentur ProfiPress

Den Kauf des Kleinods hat das Ehepaar aus Erftstadt dennoch noch einzige keine Sekunde bereut, wie sie glücklich sagen: „Und das, obwohl hier vieles zwischendurch zum Vorschein kam, womit wir nicht unbedingt gerechnet hatten.“ Auch ein kleiner Schock, ein Termitenbefall in einem der dicken Holzbalken, ließ sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

So hübsch haben Susanne und Rainer Kuhl schon einen Teil der Räumlichkeiten hergerichtet. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Drei lange Jahre hatten sie intensiv landauf und landab nach solch einem Idyll gesucht und diverse Objekte in Betracht gezogen. Bei dem Hof-Ensemble in Lückerath, das mit Wohnhaus, ehemaligem Tante-Emma-Laden und Schweinestall aufwarten kann, habe einfach das Bauchgefühl sofort gestimmt.

„Das Alte bewahren“

Eins war den beide Akteuren vom Start weg wichtig: „Wir haben den Anspruch, dass wir das Alte bewahren und am liebsten sogar noch das Alte wieder zum Vorschein bringen wollen.“ Deshalb setzen die Kuhls bei ihrer Sanierung vorrangig Baustoffe wie in guten alten Zeiten ein.

Ihm kommt dabei zugute, dass er als gelernter Maler bereits seit 1985 mit Naturmaterialien arbeitet und daher viel selber machen kann. Die Wände, außer im Badezimmer, wurden wieder mit Holzfaser, Stroh und reichlich Lehm gedämmt. „Unser Haus atmet“, sagt er fröhlich.

Stolz stand einst die Familie vor ihrem trauten Heim aus dem 18. Jahrhundert. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Auch uralte Farbschichten und Tapeten aus früheren Zeiten kommen stückchen- und schichtweise an den Wänden wieder zum Vorschein. Sie werden nicht überpinselt, sondern in die Farbgestaltung der Räume mit eingearbeitet werden. Den Dielenboden als auch die in Resten erkennbare „Kölner Decke“, bei der die Ecken rund verputzt wurden, wollen die Bauherren sorgfältig aufbereiten.

Im Raum des Haupthauses soll mal eine gemütliche Küche entstehen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Wie das Haus und seine Besitzer früher einmal aussahen, davon zeugt eine Schwarz-Weiß-Fotografie. „In Anlehnung an das Bild haben wir die Fenster neu gemacht und an die Optik der alten angeglichen.“ Größe und Proportionen sollten genau stimmen. Kuhls stimmten sich eng mit dem Stadtplaner ab. „Das ist für uns ein enorm wichtiger Austausch“, so Rainer Kuhl. Auch der „LVR“ stand als zuständige Denkmalschutzbehörde beratend zur Seite.

Susanne Kuhl und Thomas Schiefer haben ein Ziel: Altes zu bewahren und sichtbar zu machen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

In insgesamt vier Bauphasen soll das Anwesen aus dem Dornröschenschlaf erweckt und Bausünden beseitigt werden. Freigelegt wurde bereits die Fassade des Wohnhauses. Sie war zuvor mit Platten verkleidet worden, die wie eine braune Steinfassade aussahen, aber nur in den 70er-Jahren modern waren. Innen wurde in einer Hauruck-Aktion mit gut 25 Freunden und Verwandten alles rausgerissen, was nicht dorthin gehörte.

„Stück für Stück ersetzen“

Um den alten Giebel weitestgehend zu erhalten („Das muss alles abgerissen werden“, hatte ein Handwerker geunkt) fuhr das Ehepaar über die Dörfer und organisierte alte Eichenbalken. Er erklärt: „Das ist ja gerade das Wunderbare, dass man bei so einem alten Haus Stück für Stück ersetzen kann.“

Stadtplaner und Denkmalschützer Thomas Schiefer ist zufrieden mit der „Verwandlung“: „Das ist vorbildlich, wie die Familie Kuhl das hübsche und erhaltenswerte Fachwerkensemble saniert hat.“ Das richtige Fingerspitzengefühl sei bei einem solchen Vorhaben besonders wichtig: „Wenn ich einen alten Mercedes aus den 1960er-Jahren habe, dann kauf ich mir nicht im Baumarkt die billigen Felgen und mache die drauf, sondern dann versuche ich ihn genau in der Originalität zu erhalten, denn genau das macht ja dieses Fahrzeug aus.“

Unter dieser in den 1970er-Jahren modernen Fassade „schlummerte“ schönes Fachwerk, dass Susanne und Rainer Kuhl freilegten. Foto: Susanne Kuhl/pp/Agentur ProfiPress

Sein Bestreben sei, dass man mit der Sanierung alte Dinge bewahrt, aber auch ein Stückweit in die moderne Zeit überführt und sie damit auch für nachfolgende Generationen bewahrt, so Schiefer: „Fachwerkhäuser machen die Baukultur der Eifel aus. Sie sind typisch für unsere Region.“ Heute seien die Häuser in neuen Wohngebieten optisch leider beliebig austauschbar. „Das ist eigentlich traurig, dass wir es nicht mehr hinbekommen, das Regionaltypische neu zu interpretieren und neu zu bauen.“

Das 60 Quadratmeter Wohnfläche bietende kleinere Haus wird bereits von dem Ehepaar Kuhl bewohnt. Darin war früher ein Tante-Emma-Laden beheimatet. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Stolz kann man dennoch sein: „Wir haben im gesamten Stadtgebiet 580 Baudenkmale erhalten können. Das ist eine unheimlich hohe Zahl für eine Gemeinde mit 27.000 Einwohnern“, so Schiefer. In Kommern gebe es sogar die längste denkmalgeschützte Fachwerkstraße in NRW.

Der Tante-Emma-Laden, ist inzwischen wunderhübsch als Wohnhaus hergerichtet. Auf 60 Quadratmeter à la „Schöner Wohnen“ lassen es sich die Kuhls gutgehen. Diesen Teil der Hofanlage wollen sie später vielleicht auch mal Bed-and-Breakfast-Gästen anbieten. Auf der riesigen Wiese hinter dem Haus plant Rainer Kuhl, wenn er in Rente ist, Gästen sein Hobby, die Astrofotografie näher zu bringen.

So sieht das Stroh-Lehm-Gefache in natura aus. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Schiefer freut sich über die Entwicklung: „Denn oftmals verstehen die Einheimischen durch Fremde, die wieder etwas aufbauen, wie schön das alte Haus doch ist und dass man da im Prinzip einen Schatz hat, den es nur zu heben gilt.“ Damit könne ein großes Stück Heimat für die kommende Generation erhalten werden.

Und Susanne und Rainer Kuhl sagen glücklich: „Es ist einfach ein Traum, den wir hier leben.“

pp/Agentur ProfiPress

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