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Reise durch den Kosmos Graphic Novel

Andreas C. Knigge hielt im Rahmen der Lit.Eifel einen Vortrag in der Kunstakademie Heimbach – Unterschied zwischen Comic und Graphic Novel herausgearbeitet

Heimbach – Ein wenig ernüchternd ist das Fazit, das Andreas C. Knigge am Ende seines Vortrages in der Internationalen Kunstakademie Heimbach zieht, schon. Der auf Einladung der Lit.Eifel aus Hamburg angereiste „Comic-Papst“ hatte zwei Stunden lang über das Thema Graphic Novel referiert, nur um am Ende vor viel zu wenigen Zuschauern zu sagen: „Vielleicht ist Ihnen der Begriff nicht klarer geworden. Aber ich habe Ihnen ein Fenster geöffnet, Sie wissen jetzt, was Graphic Novels alles sein können.“

Um den Vortrag von Knigge überhaupt zu ermöglichen, war der ursprüngliche Termin der jetzt noch bis 10. September andauernden Sonderausstellung „Graphic Novel – Bilder und Bücher“ in der Kunstakademie verlegt worden, denn natürlich sollte das Referat des Experten die Ausstellung begleiten. „Andreas C. Knigge ist die Kapazität im Bereich Comics und Graphic Novels“, stellte ihn Akademieleiter Professor Frank Günter Zehnder vor und ergänzte zum Standort Heimbach: „Wo schon Martin Walser und Arnold Stadler für die Lit.Eifel gelesen haben, da gehört auch ein Andreas C. Knigge hin.“ Der so Gelobte gab das Kompliment umgehend zurück und merkte an, dass er noch nie an einem so schönen Ort einen Vortrag gehalten habe.

Andreas C. Knigge gilt als die Koryphäe im Bereich Comics in Deutschland. Von ihm stammt die deutsche Version des Buchs „1001 Comics, die sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist“. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Und dann ging es auch schon los mit der zweistündigen Reise durch den Kosmos Graphic Novel. Zunächst arbeitet Knigge die Unterschiede zum Comic heraus, der im Regelfall Kinder als Zielpublikum hat, meist komisch ist. „Comics sind eine Humorform, über die man gemeinsam lachen kann, egal welche Sprache man spricht“, so Knigge. Oft findet man in Comics wiederkehrende Helden – von Superman über Asterix bis Donald Duck. Die Superhelden-Comics haben sogar eine eigene Jugendkultur erschaffen.

Die Graphic Novel ist da etwas anders. Ihr sind keine Grenzen gesetzt, sowohl inhaltlich als auch vom Umfang her. „Graphic Novels richten sich nicht an Kinder und sind manchmal sogar mehrere Hundert Seiten stark“, erklärte Knigge. Inhaltlich werden ernste Themen behandelt, immer wieder erzählt der Künstler aus der Ich-Perspektive. Ein Gütesiegel sei der Begriff aber nicht. „Genau wie beim normalen Roman gibt es auch bei Graphic Novels jede Menge Dünnpfiff“, so Knigge.

Professor Frank Günter Zehnder hieß Andreas C. Knigge in der internationalen Kunstakademie in Heimbach willkommen. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Dabei hatten es Graphic Novels zunächst schwer. Als Datum für den Startschuss nennt Knigge das Jahr 1978, als Will Eisner „Ein Vertrag mit Gott und andere Geschichten“ erschuf. Als Comic ging das gezeichnete Buch nicht durch, denn seit 1954 gab in den USA der Comics Code vor, was in einem Comic dargestellt werden darf und – viel wichtiger – was nicht. „Eigentlich war alles Interessante verboten“, meinte Knigge.

Begriff stammt von Will Eisner

Weil seine ernsthafte Geschichte, in der der Zeichner seine persönliche existenzielle Krise darstellte, nicht massenmarkttauglich war, konnte sie nur über den Buchhandel vertrieben werden. Aus diesem Grund schuf Eisner den Begriff Graphic Novel, also „grafischer Roman“.

Dabei gab es Graphic Novels, auch ohne den Begriff, schon früher. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmeten sich viele Zeichner ernsten Themen, die sich an Erwachsene richteten. Das führte zu gewaltigen Protesten bis hin zu öffentlichen Comic-Verbrennungen. Die Folge war der bereits erwähnte Comics Code. Wer sich an ihn hielt, erhielt ein Siegel. Der Verkauf von Comics ohne Siegel stand unter Strafe.

In Europa war man dort freier in der Darstellung, wie Erwachsenen-Comics wie „Barbarella“ von Jean-Claude Forest oder das Comic-Magazin „(A Suivre)“ mit Comics wie „Corto Maltese“ von Hugo Pratt bewiesen. Auch in anderen Ländern trauten sich Künstler mehr, allen voran Keiji Nakazawa, der 1973 im 2500 Seiten starken „Barfuß in Hiroshima“ sein persönliches Trauma, den Atombombenabwurf in Hiroshima, verarbeitete.

Gebannt lauschten die Zuhörer dem Hamburger beim Referat zum Thema Graphic Novels. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Durch den neuen Begriff „Graphic Novel“ trauten sich auch US-amerikanische Künstler wieder mehr zu. 1986 war für Knigge ein beeindruckendes Jahr mit Veröffentlichungen wie „Maus – Die Geschichte eines Überlebenden“ von Art Spiegelman, „Batman – Die Rückkehr des dunklen Ritters“ von Frank Miller und „Watchmen“ von Alan Moore. „In dem Jahr erhielten die Graphic Novels eine große Aufmerksamkeit“, referierte Knigge.

Doch Graphic Novels können noch mehr, als neue Geschichten zu erzählen: Es werden literarische Werke adaptiert, etwa Paul Austers Roman „Stadt aus Glas“ von Paul Karasik und David Mazzucchelli, es entstehen Biografien, von Goethe bis hin zu Che Guevara. Auch sexuelle Inhalte oder stark autobiografische spielen eine Rolle.

Und Deutschland? „Das war lange Zeit Entwicklungsland für Graphic Novels“, meint Knigge. Mittlerweile gebe es aber einige Zeichner, deren Arbeit sich lohne. Knigge nannte explizit Ralf König, Isabel Kreitz, Barbara Yelin, Mawil, Line Hoven, Flix und Reinhard Kleist.

pp/Agentur ProfiPress

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