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Putin und die „misstrauische Stadt“

Udo Lielischkies „entführte“ in der Lit.Eifel-Lesung mit seinem Werk „Im Schatten des Kreml – Unterwegs in Putins Russland“ in ein Land, wo völlig andere Gesetze gelten

Mechernich – „Bitte anschnallen, es geht los“, sprach Udo Lielischkies und nahm die Lit.Eifel-Gäste im Gymnasium Am Turmhof (GAT) mit auf die Reise in russische Gefilde. Er beginnt mit seinem Anflug auf Moskau, „die misstrauische Stadt“.

Der langjährige ARD-Korrespondent erzählte in seiner Lit.Eifel-Lesung in seiner alten Schule, dem Gymnasium Am Turmhof, von Korruption, Macht und Machthabern in Russland – man hätte ihm ewig weiter zuhören können. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Mehr als zwei Stunden las und plauderte der langjährige ARD-Korrespondent über Korruption, Macht und Machthaber – man hätte ihm ewig weiter zuhören können. Seiner sonoren, smarten Stimme, seinen so zugänglichen Beispielen, die packen wie im Film- und Fernsehbeitrag.

Die Zuhörer stellten interessiert Fragen über Fragen an Lielischkies, der viele Jahre in Putins Land lebte wie auch arbeitete und für die Fernsehzuschauer von bewegenden (Kriegs-)Schauplätzen berichtete: „Hatten Sie keine Angst?“, Was hat sie fasziniert? Wie kann man es ertragen, unter solchen Bedingungen dort zu leben?“

Bereitwillig ging der Fernsehjournalist auf die vielen interessierten und tiefgehenden Fragen nach dem System, dem Leben und den Menschen in Russland ein. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Wieder zurück

Nun ist Lielischkies wieder zurück. In Kommern aufgewachsen, hatte er sein Abitur am Gymnasium Am Turmhof erfolgreich absolviert. Er genoss sein Heimspiel sichtlich. „Das ist eine ungewöhnliche Lesung für mich, weil ich zwei Drittel von Ihnen kenne“, stellte der Korrespondent mit Blick in die gut gefüllten Reihen fest. Auch Eltern, Schwiegereltern, Frau und beide Töchter, Klassenkameraden und Lehrer waren gekommen.  

Das ist eine ungewöhnliche Lesung für mich, weil ich zwei Drittel von Ihnen kenne“, verriet Udo Lielischkies. Auch Eltern, Schwiegereltern, Frau und beide Töchter, ehemalige Klassenkameraden und Lehrer waren gekommen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Einen vierwöchigen Sprachkurs habe er im Gepäck gehabt, als er vor rund zwanzig Jahren in der russischen Metropole ankam – dennoch, so offenbarte er, sei er nicht darauf vorbereitet gewesen, was ihn in Russland erwarten sollte. Nebenbei plauderte Lielischkies aus dem Nähkästchen: Um die Sprache als Schlüssel zum Land beherrschen zu lernen, engagierte er drei Studentinnen, die ihm Moskau zeigten „und mich zum Reden bringen sollten“. Daraus wurde aber mehr, denn eine der drei Auserwählten wurde seine Frau.

Der große Fernsehmann „zeichnet“ im GAT Bilder von sterbenden Obdachlosen und liefert Erklärungen, warum Demokratie historisch bedingt keinen Glanz hat für die russische Bevölkerung. Er zeigt auf, welch überlegter Taktiker Putin ist und welche Repressionen für Nichts drohen, denn Lielischkies vergisst auch nicht Valentina, die Frau, die für „geklautes Eingewecktes“ sechs lange Jahre Strafgefangenenlager hinter sich bringen musste.

Immer wieder setzte sich Udo Lielischkies näher zum Publikum und gab seine Einblicke in Putins Russland preis. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Kreml hat eigene Gesetze

Denn der Kreml hat seine eigenen Gesetze, so der Korrespondent. Überall, wo der Fernsehjournalist bohrte, fand er einen Sumpf von Schmiergeldern, häuslicher Gewalt, Korruption oder einen gut funktionierenden Repressionsapparat. Auch vermeintlich „Gute“ oder Helden hingen am Ende alle mit drin.

Harmlose Obdachlose seien von staatstreuen Beamten in zynischen Inszenierungen vor laufenden Kameras zu skrupellosen Kriminellen gemacht worden, weil es der Sache und der Regierung diente, wie Lielischkies berichtete. „Der Fisch stinkt vom Kopf“, diesen Satz habe er in Russland öfters hören müssen. „Es ist eine ziemlich knallharte Welt, aber sehr authentisch. Wenn man ein Zipperlein Glück hat, genießt man es. Das macht Russland und die Menschen dort so liebenswert.“

Putin sei sehr erfolgreich darin, das Feindbild der bedrohlichen Mächte aus dem Westen aufrecht zu erhalten und auszubauen. Abwenden sollte man sich deshalb aber noch lange nicht. „Ich bin für VISA-Freiheit und Schüleraustausche“, so Lielischkies. Ein Dialog sei wichtig, wenngleich natürlich auch schwierig.

Die Schlange war lang, viele Besucher ließen sich gerne das Werk direkt vom Autor mit einer persönlichen Widmung signieren. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

pp/Agentur ProfiPress

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