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Preis für „Abgang durch Tod“

Schleidener Journalist und Buchautor F.A. Heinen von Aachener Crous-Stiftung für seine Forschung und Veröffentlichung zu Zwangsarbeiterschicksalen im Kreis Schleiden ausgezeichnet

Schleiden/Aachen – Das kam überraschend für den Schleidener Buchautor Franz Albert Heinen: Bei der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger des Crous-Geschichtspreises in Aachen wurde Heinens  Werk „Abgang durch Tod“ zur Zwangsarbeit 1939 – 1945 mit dem Preis in der Kategorie „Privatforscher“ ausgezeichnet.

Den Preis vergibt die „Sammlung Crous“ gemeinsam mit dem Zweckverband Region Aachen und dem historischen Institut der RWTH Aachen für die besten Arbeiten zur Geschichte der Region, zu der auch der Kreis Euskirchen gerechnet wird.

Der Präsident des Karnevalsvereins Aachen, Dr. Werner Pfeil (l.), Buchautor F.A. Heinen und Marcell Perse, Leiter des Museums Zitadelle Jülich und Mitglied der Jury, der die Preisvergabe an Heinen als Laudator begründete. Bild: Nina Krüsmann/AKV/pp/Agentur ProfiPress

Für die Vorstellung der Preisträger hatten die Veranstalter das Mercure Hotel am Europaplatz ausgewählt. Die Regie bei der Veranstaltung führte der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), nachdem die Sammlung historischer regionaler Literatur dem AKV zugefallen war. Vereinspräsident Werner Pfeil präsentierte die Gewinner des Jahres 2018 Mitte November.

Bewerben konnten sich professionelle Historiker, Privatforscher und Schüler ab Klasse 10. Daher wird der mit 2200 Euro dotierte „Helmut A. Crous Geschichtspreis“ in drei Kategorien vergeben. Eine Jury, zu der auch der Historiker Prof. Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, gehörte, bewertete die eingesandten Arbeiten.

Nina Krüsmann berichtet

Die Aachener Journalistin Nina Krüsmann berichtete zur Verleihung an den Schleidener Autor FA Heinen : „Unter den Privatforschern stach der Journalist Franz Albert Heinen mit seinem Buch »Abgang durch Tod« hervor. Die Zwangsarbeit tausender Ausländer im ehemaligen Schleidener Kreisgebiet 1939 bis 1945 war ein bislang unbeschriebenes Blatt der Regionalgeschichte.“

Krüsmann weiter: „Der Einsatz forderte Hunderte Opfer besonders unter den polnischen und osteuropäischen Zivilarbeitern sowie sowjetischen Kriegsgefangenen in den Arbeitskommandos der Nordeifel. Das finstere Kapitel der Regionalgeschichte stellt gemessen an der hohen Zahl der Todesopfer den größten Verbrechenskomplex des 20. Jahrhunderts im Schleidener Land dar.“

 

Namens der Jury begründete Marcell Perse, Leiter des Museums Zitadelle in Jülich, als Laudator die Preisvergabe an FA Heinen. Er stellte die breite und transparente Quellenerschließung heraus. Heinen habe Zeitzeugen befragt, ein gutes Register und einen reichen Anmerkungsapparat mit konkreten Beispielen geschaffen.

„Sklavenarbeit“ der richtige Ausdruck

Wichtig fand Perse den von Heinen gebrauchten Terminus „Sklavenarbeit“ statt des häufig verwendeten, aber verharmlosenden Begriffs „Zwangsarbeiter“. Ebenso stellte der Laudator die Tatsache heraus, dass sehr wohl die Bevölkerung die vielfach systematische Unterernährung und tödliche Schikane gegen die Arbeiter wahrgenommen haben müsste.

Perse erklärte, weitere Forschung zum Thema sei nötig. „Die kulturelle Tünche der Zivilisation“ sei dünn, so der Laudator: Gegen systemisches Unrecht sei die Menschlichkeit Einzelner machtlos. Wer den Anfängen wehren wolle, dürfe das Engagement im „zähen“ öffentlichen Raum nicht scheuen. An Lokalpolitik, Vereine und andere appellierte der Historiker, das Verbindende der Demokraten mehr zu betonen als die „Blockprofilierung der Fraktionen“.

Die in der Arbeit erhobene politische Forderung an die Forstwirtschaft, die Zwangsarbeit in ihren Revieren untersuchen zu lassen, unterstützte Marcell Perse ebenfalls klar: Eine Initiative zu einer solchen Aufarbeitung könnten sich das Umweltministerium NRW, der Landesbetrieb Wald und Holz und/oder auch die Nationalparkverwaltung Eifel zur Ehre gereichen lassen. Der „runde“ 75. Jahrestag zum Kriegsende 1945 stehe 2020 bevor, und es sei ein durchaus sehr angemessener Impuls, dieser Fragestellung nachzugehen.

Die weiteren Auszeichnungen: Bei den Schülern machte der Film „Drei Steine, vier Grenzen” vom Paul-Julius-Reuter Berufskolleg der Städteregion Aachen das Rennen. Eine Ehrung erhielt Achim Großmann für sein Werk „Zigarren & Zigarillos aus Würselen“ zur Geschichte der Würselener Zigarrenindustrie.

Eine weitere Ehrung ging an den Autor Ernst Schiffer für sein umfassend recherchiertes Buch „Das Ponttor“. Bei den Profis entschied sich die Jury für zwei halbe Preise und eine Ehrung. Für ihr Buch „Und Salomon spielt längst nicht mehr…” erhielten die Historiker Ingo Deloie und René Rohrkamp einen halben Preis.

Das Buch schildert erstmals ausführlich die Geschichte der Alemannia in der NS-Zeit. Max Salomon war umjubelter Stammspieler, der als Spitzensportler 1942 ein Opfer der Judenvernichtung wurde.

Die anderen Preisträger

Ebenfalls ein halber Preis ging an Josefine Jeworrek für ihr Buch „Armut in Aachen als kommunalpolitisches Problem – Städtische Armenfürsorge und staatliche Sozialpolitik 1798 bis 1871“. Eine Ehrung ging an Kuratorin Wiebke Birth und Museumsdirektor Peter van den Brink für die hervorragende wissenschaftliche Aufarbeitung der Person von Barthold Suermondt. Anlässlich seines 200. Geburtstages zeigte das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen eine umfassende Ausstellung zur Sammlertätigkeit des Aachener Industriellen.

Die Auszeichnung mit Urkunde und Geldpreis an Heinen ist bereits der zweite Erfolg für das Buch. Die Zwangsarbeiterbibliothek im Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ in Berlin hatte die Veröffentlichung zum Kreis Schleiden bereits im Mai als „Buchtipp des Monats“ angepriesen. Mit über einer Million Besuchern im Jahr 2017 gehört die „Topographie des Terrors” zu den meist besuchten Erinnerungsorten in Berlin. An diesem Ort befanden sich während des „Dritten Reichs” die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamts.

pp/Agentur ProfiPress

 

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