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„Nur, wer träumen kann, kann glauben“

Christoph Klofts bewegender Mailroman „Leben voraus“ war Meditationsgrundlage eines Impulsabends bei der Communio in Christo in Mechernich

Mechernich – Eine Autorenlesung der anderen Art stand im Mittelpunkt des jüngsten geistlichen Impulsabends bei der Communio in Christo in Mechernich. Eingeladen war der Westerwälder Theologe, Pädagoge und Schriftsteller Christoph Kloft (Jahrgang 1962).

Unter dem Arbeitstitel „Leben voraus“ rezitierte er aus einem imaginären Mailwechsel zwischen zwei möglicherweise sterbenskranken Freunden, die sich „Blutsbrüder“, „Winnetou“ und „Shatterhand“ bzw. wie weiland Karl May sein Alter Ego „Scharlie“ nennen.

Christoph Kloft (r.) hatte auch eine Reihe Bücher aus seinem Verlag zum Impulsabend nach Mechernich mitgebracht, vorne links Generalsuperior Karl-Heinz Haus am Büchertisch. An den szenischen Übergängen seines entstehenden Mailromans „Leben voraus“ spielte der Autor geistliche Lieder auf der Drehorgel. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Das als E-Mail-Roman angelegte Buchprojekt hat einen sehr realen Hintergrund. Einer der beiden Protagonisten ist der Autor selbst, der andere ist sein Freund, Contergan-Opfer, der seine „Behinderung“ als Herausforderung annimmt, gleichwohl als Spätfolge eine Hirnblutung erleidet und ins Koma fällt.

Der Mailverkehr bricht in der Realität ab, Autor Kloft setzt ihn im Roman aber fiktiv fort. Es kommt zu bewegenden Dialogen über das Leben, die Liebe, Gott und die Welt. Das geht zuweilen unter die Haut. Vor allem, weil der nunmehr komatöse „Winnetou“ seinem Blutsbruder zwei Jahre zuvor während einer schweren Krebserkrankung hilfreich zur Seite stand.

„Der Vorname von Gott ist »Lieber«, Scharlie, er wird dir helfen“, schrieb  der rote Bruder damals. Und der Weiße gibt nun zurück: „Du hast Dir Dein Leben nicht vom »Contergan« verderben lassen, lass es Dir jetzt nicht von einem geplatzten Aneurysma verderben …“

„Leben nicht verderben lassen“

Dem Wortwechsel verleiht Autor Christoph Kloft mit großem Gespür für das bessere, noch richtigere Wort große Ausdruckskraft. Der Dialog gerät so lebendig, unprätentiös und frei von Pathos, dass er echt, emotional und doch zuweilen auch deftig und humorvoll wirkt.

Schwarzhumorig ist nicht nur die Passage, in der der Krebskranke Zuschauer seiner eigenen Beerdigung wird: „Vorne geht, gramgebeugt, die Frau, das ist Recht!“ Aber dann kommt die Urne in Sicht und der Verblichene ist empört: „Jetzt haben die mich auch noch verbrennen lassen!“

Versöhnt wird er erst durch die Kinderschar und weitere Verwandtschaft: „Sie weinen wenigstens, ein gutes Zeichen“. Wenige Sätze später philosophiert der Beweinte schon mit großem Ernst: „Waren wir nicht schon alle mal tot – damals vor unserer Geburt?!“

Eine Autorenlesung der anderen Art stand im Mittelpunkt des jüngsten geistlichen Impulsabends bei der Communio in Christo in Mechernich. Eingeladen war der Westerwälder Theologe, Pädagoge und Schriftsteller Christoph Kloft (Jahrgang 1962). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Der meditative Gesamteindruck, den der Autor bei der Communio in Christo vor Schwestern, Priestern und einer ganzen Reihe Besuchern hinterließ, verstärkte er noch durch den Einsatz seiner Drehorgel, der er an den Übergängen geistliche Lieder entlockte.

Viele Menschen, die irgendwann in ihrem Leben eine Krebsdiagnose bekamen, werden sich in den dezent und vorsichtig und doch höchst emotionalen Anspielungen auf die erste Zeit der Krankheit wiederfinden, in der der Autor von seiner „Tumorerkrankung“ erzählt, weil er „das andere, das „große Wort“ noch nicht in den Mund nimmt.

„Plötzlich sitzt die Angst im Nacken“

Das Wort „Krebs“ kommt ihm nicht über die Lippen. Wenig später schon gibt er zu, dass Udo Lindenbergs Lieder ihm „an die Nieren gehen“. Noch hat er beide, wegen Krebsbefall soll eine Niere entfernt werden und so befindet der Autor: „Noch darf ich ja den Plural verwenden“. Bald werden ihm Lindenberg-Songs nur noch „an die Niere“ gehen können. Dafür bekommt er Trost vom prominenten Rocker selbst . . .

Wie die Fiktionen „Winnetou“ und „Old Shatterhand“ in Karl Mays Romanen, so haben auch die echten „Blutsbrüder“ vor ihren Krankheiten „keine Angst gekannt“. Nach der Diagnose aber erinnert sich Autor Christoph Kloft „kaum noch daran, welche Sorgen ich gestern hatte“. Plötzlich sitzt die Angst im Nacken. Er hat regelrecht „Schiss“, „das Karussell stoppt zu kurz, um abzuspringen“, er betet und plötzlich geht die Angst . . .

An der Stelle orgelt der Autor Dietrich Bonhoeffers letzte Zeilen vor der Exekution durch die Nazis: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar . . .“

Der meditative Gesamteindruck, den der Autor bei der Communio in Christo vor Schwestern, Priestern und einer ganzen Reihe Besuchern hinterließ, verstärkte er noch durch den Einsatz seiner Drehorgel, der er an den Übergängen geistliche Lieder entlockte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Zu allem Elend stirbt gegen Ende des Manuskriptes auch noch „Old Shatterhands“ Vater. Sein Sohn und er sind nebeneinander krank. Der Alte hofft noch: „Jetzt wird alles gut“. Doch der Sohn analysiert die Situation und kommt zu dem Schluss, dass er genesen wird: „Doch sein Zug geht nur noch in eine Richtung.“

Wie gut, dass „Winnetous“ Vater vor geraumer Zeit vorgegangen ist: „Mein Papa ist heute zu Deinem gegangen“, schreibt „Scharlie“: „Sag ihm, er soll meinem alles zeigen – er kennt sich ja schon ein bisschen aus im Himmel.“

Ob er das alles im Wortsinn so verstanden wissen will, wie er es die beiden Freunde in ihren Mails zum Ausdruck bringen lässt, ließ der Autor bei seiner Mechernicher Lesung offen. Seinen Zuhörern und Lesern macht der Text allerdings Mut, eine eigene Vorstellung davon zu entwickeln, wie die Dinge zusammenhängen und was uns in diesem und möglicherweise auch im nächsten Leben erwartet. „Nur wer träumen kann, der kann auch glauben…“, so das Fazit des früheren Religionslehrers und jetzigen Schriftstellers Christoph Kloft.

„Die schönsten drei Buchstaben fff“

Am Ende, nach dem Orgelspiel „Laudate omnes gentes“ („Lobet Ihr Völker den Herrn“), wird der fiktive wieder zum echten Mailwechsel und führt rasch zum Happyend: „Winnetou“ ist aus dem Koma erwacht. Seine erste Mail an „Shatterhand“ ist denkbar knapp: „fff“. „Die schönsten drei Buchstaben, die ich je gelesen habe“, antwortet der Blutsbruder: „Er ist wieder da, er kämpft sich ins Leben zurück.“

Irgendwann kommt auf dem Smartphone ein zusammenhängender Text an, „eine Mail, die ich mir ausdrucken und einrahmen werde“: „Jawoll, ich bin glücklich!“ Am Schluss kam Leonhard Cohens „Halleluja“ aus Christoph Klofts Drehorgel.

Der erste Impulsabend des Jahres hatte mit einer Vesper in der Gründungskapelle des Klosters begonnen und endete nach der Lesung mit einer Heiligen Messe. Christoph Kloft studierte Germanistik, Allgemeine Linguistik, Komparatistik sowie katholische Religion, war Redakteur bei der Thüringer Allgemeinen und Lehrer. Seit 1998 veröffentlicht er Romane, Kinderbücher und Sachliteratur, 2004 gründete er seinen eigenen Verlag. Er lebt mit Frau und vier Kindern im Westerwald.

„Ein ganz außergewöhnliches Hör- und Meditationserlebnis“, heißt es in einer Rezension über den Abend: „Seine Zuhörer waren beeindruckt und fanden reichlich Parallelen zu ihren Leben, vor allem im Umgang mit Krankheit, Leid und Hoffnung. Fazit: Unbedingt wiederholungswürdig!“

pp/Agentur ProfiPress

 

 

 

 

 

 

 

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