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Mühlensee als „Grünes Becken“?

Erftverband favorisiert Trockenlegung des 52.000 Kubikmeter fassenden Gewässers als einzig effektiven Hochwasserschutz für Kommern und Obergartzem vor einem jahrhundert-jährlichen Starkregenereignis – Renaturierung, verbleibendes Stillgewässers und attraktive Parkgestaltung mit Stegen als Ersatz

Mechernich-Kommern – Muss der Mühlensee nahezu trockengelegt werden? Der Erftverband ist jedenfalls sicher, dass das die beste Lösung für einen effektiven Hochwasserschutz in Kommern und auch für Obergartzem darstellt. Ergebnisse der dazugehörigen Voruntersuchung erläuterte Dr. Christian Gattke, Experte beim Erftverband für Hochwassermanagement, im Planungsausschuss: „Damit hätten wir für den Hochwasserschutz die optimale Variante erreicht. Letztendlich die einzig funktionierende Variante.“

Ob der Mühlensee tatsächlich trockengelegt wird, ist noch nicht entschieden. Vor einer Entscheidungsfindung soll die Bevölkerung mit einer Bürgerversammlung in die Entscheidungsfindung eingebunden werden. Laut Erftverband ist die Renaturierung die einzig wirksame Lösung gegen das 100-jährliche Hochwasser in Kommern und Obergartzem. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Nur mit einer solchen Umgestaltung des Mühlensees zu einem „Grünen Becken“ stehe der maximale und so wichtige Stauraum von 52.000 Kubikmeter im Falle eines erneuten Jahrhundert-Hochwassers zur Verfügung. Bei allen anderen vorgeschlagenen Varianten – von diversen Umgestaltungen des Überlaufturmes bis hin zur teilweisen Absenkung des Naherholungssees – bestünde weiter die Gefahr des unkontrollierten Überschwappens des Gewässers im Falle eines außergewöhnlichen Regenereignisses. Ziel müsse sein, Mehr-Wasser reguliert und deutlich verzögert abgeben zu können.

Laut Erftverband könnte das abgelassene See-Bett zu einer ökologisch wertvollen und hochwertigen Fläche umgewandelt werden, bisher diente es eher als Sediments-Ablagerungsbecken im Dauerstau.

Multifunktionale Wasserlandschaft

„Natürlich müsste der Stauraum komplett umgestaltet werden“, fordert auch Gattke. Er favorisiert eine Renaturierung und bringt Beispiele ein, wie sogenannte „Stormwater Parks“ (Regenparks) als multifunktionale Wasserlandschaften, deren Auen mit Stegen durchzogen sind, oder auch „Bachauen-Erlebnisparks“. Trotz deutlich reduzierter Seenlandschaft hätten sie einen „hohen Freizeitwert“ und sollten so gestaltet sein, dass sie auch – wenn auch in seltenen Fällen – als Hochwasserrückhaltebecken volllaufen dürften.

Dr. Christian Gattke vom Erftverband stellte Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten dem Planungsausschuss der Stadt in der Kommerner Bürgerhalle vor. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Komplett trockenlegen und damit gänzlich auf Wasser verzichten würde man also auch bei dieser Variante nicht. Denn ein wesentlicher Bestandteil des Grünen Beckens wäre ein Ersatzstillgewässer im Nebenschluss des Bleibachs. „Komplett auf das Stillgewässer zu verzichten wäre eine massive Änderung des Landschaftsbildes und Freizeitwertes“, so Gattke. Auch der Bleibach fließe normal weiter in seinem angestammten Bachbett.

Weitere Varianten

In seinem Gutachten prüft der Erftverband weitere Varianten. Zu den interaktiven Szenarien-Berechnungen und möglichen Alternativen gehört auch der Umbau des Entnahmeturms im nördlichen Teil des Sees, der dort seit Mitte der 1980-er Jahre für Entschlackung des Bleibach-gespeisten Gewässers sorgt. Simuliert wurde beispielswiese der Einsatz breiterer Scharten, von zwei hin zu vier Meter Breite. Zunächst ungeachtet dessen, ob er statisch überhaupt dazu geeignet sei. Auch hydraulische Heber, der gezielt ab einem bestimmten Füllmenge Wasser abgibt, kamen virtuell zum Einsatz. Geprüft wurde auch „die mit Abstand teuerste Lösung“, der Einbau eines neuen Kombibauwerks in den Damm, durch das mit steigendem Pegel gezielt Wasser abgegeben werden könnte.

Qunli (China) führt Dr. Christian Gattke vom Erftverband als „Stormwater-Park“-Beispiel an, deren ökologisch wertvollen Auen mit Stegen durchzogen sind. Foto: Erftverband/pp/Agentur ProfiPress

Keine der Varianten sei eine wirkliche Option, so Gattke, der warnte: „Das heißt konkret, dass im Falle eines Hochwassers schon beim Anrollen der Welle der See zu schnell bis zur Oberkante des Entnahmeturmes volllaufen wird und dann ein Teil der Hochwasserwelle ungebremst über die Schwelle drüber wegläuft.“ Auch Flächen zwischen Mühlenpark, Roggendorf, Strempt und Wallenthaler Höhe, wie zum Beispiel in Nähe des Mechernicher Krematoriums, sind seiner Ansicht nach, wegen der vorhandenen Naturschutzgebieten keine tragfähige und vor allem keine in den kommenden 20 Jahren realisierbare Lösung. Auch ein Absenken des Wasserspiegels im See um einen Meter, wie schon jetzt provisorisch vorgenommen, würde zwar rund 23.500 Kubikmeter Volumen für den Hochwasserschutz freimachen und die Auswirkungen eines „HQ100“ sicherlich abmildern, verhindern aber nicht.

Digitales Geländemodell

Das Gesamtvolumen des Gewässers bis zur Überlaufkante weiß man mittlerweile deshalb so genau, da der Mühlensee 2016 mit einem sogenannten ADCP-Boot und Ultraschallwellen zentimetergenau vermessen wurde. Aus den Messungen und der Uferlinie wurde ein digitales Geländemodell des 260 mal 105 Meter großen Sees erstellt.

Luftbild des Sutcliffe Park am Quaggy in London. Auch so könnte der Mühlensee in Zukunft gestaltet sein. Foto: Erftverband/pp/Agentur ProfiPress

Entschieden wurde in der Sitzung allerdings noch nicht. Politik und Verwaltung wollen die Bevölkerung vor einer Entscheidung mit ins Boot nehmen und eine Bürgerversammlung einberufen. Auch weitere Varianten sollen in der Zwischenzeit geprüft werden. Die Hoffnung liegt darauf, vielleicht auch einen geeigneten Mittelweg zu finden zwischen Naherholung und Hochwasserschutz.

Anfang der 1970er Jahre war der Mühlenpark eine der touristischen Attraktionen der Landesgartenschau, die im Mühlenpark 1972 stattfand. Seitdem ist er zu einem beliebten Naherholungsziel für die Bevölkerung geworden, nicht zuletzt durch attraktive Nutzungen wie zum Beispiel Spielmöglichkeiten für die Kleinsten im Park.

Thomas Hambach, Erster Beigeordneter der Stadt, am Entnahmeturm, dessen leistungssteigernder Umbau in Bezug auf Wassermengen, die bei Starkregen kontrolliert abgegeben werden können, in diversen Szenarien vom Erftverband geprüft und als nicht ausreichend befunden wurde. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Andererseits gehen etlichen Kommerner Bürgern die Bilder des Hochwassers 2016 nicht aus dem Kopf, bei dem viele Straßen und Häuser im Ort binnen kurzer Zeit überflutet wurden. Bewohner, Haus- und Hofbesitzer fürchteten danach um ihre Existenz. Laut Hochwasserrisikokarte der Bezirksregierung Köln leben rund 240 Menschen in den hochwassergefährdeten Bereichen in Kommern und Obergartzem.

pp/Agentur ProfiPress

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