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Mit dem lieben „J“ über Kreuz

Ripuarische Mundart der Nordeifel: Stadt-Anzeiger-Redakteur Wolfgang Rau hat mit einer Personengeschichte über den Autor Hanjo Schiefer und dessen Auseinandersetzung mit der „Akademie för uns kölsche Sproch“ ein selten dagewesenes Leserecho losgetreten – Die Wellen um Hanjo Schiefers Buch „Dem leeven J“ schwappen mundarttechnisch auch in die nördliche Eifel, wo die rheinisch-limburgische Mundart („Ripuarisch“) noch gesprochen wird

Hanjo Schiefer beim Büchertausch mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Nordeifel – „En jot jebrodene Jans es en jute Jabe Jottes“, sagt und, sofern Mundart überhaupt zu Papier gebracht wird, schreibt der rheinisch sprechende Eifeler auch. Punkt. Anders der Kölner.

Der sagt zwar auch, dass eine „jot jebroode Jans“ zum Beispiel an St. Martin oder zu Weihnachten als „jute Jabe Joddes“ betrachtet werden darf, aber laut den Gralshütern der „kölsche Sproche“ in der gleichnamigen Domstädter Akademie hat man das Ganze mit „Jott“ zu sprechen, aber mit „Jeeh“ (G) zu schreiben: „En god gebrode Gans ess en gode Gav Goddes“ also.

Weil er das nicht mitmachen will, sondern schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, hat der gebürtige Kölner und Wahl-Erftstädter Hanjo Schiefer jetzt ein Buch „Dem leeven J“ geschrieben. Es geht um den gleichnamigen Buchstaben, nicht um den lieben „Jott“ selbst.

Dabei lehrt der Liblarer „Native-Speaker“ seine Leser gleichzeitig die rheinische Mundart, denn er stellt seine Text zweisprachig vor, fein säuberlich auf gegenüberliegenden Buchseiten, links kölsche Mundart, rechts Hochdeutsch. „Dem leeven J“ (290 Seiten) ist im Lohmarer Verlag Ratio-Books (ISBN 978-3-939829-38-6) erschienen und kostet 22 Euro, als Hörbuch 8,95 Euro. Darin erfährt der geneigte Leser, wie ein Kasernen-Ausgang mit „en jroße Fönnef en den Botz un ene blodije Kritsch am Schinbein“ endete oder warum der Mensch am besten „en Flönz“ (Blutwurst) wäre.

„Die Akademie bevorzugt bei der Schreibweise den hochdeutschen Wortstamm“, schreibt Wolfgang Rau, „Schiefer will nach seinem großen Vorbild Adam Wrede so schreiben, wie es gesprochen wird.“ Alte Ostermann-Texte seien nach der alten Schreibregel (mit G) geschrieben, er (Schiefer) aber sehe es als eigene Verpflichtung an, „ordentlich zu schreiben“. Wer nach den Regeln der Kölsch-Akademie schreibt, werde nicht ernst genommen. Schiefers Credo: „Es wird geschrieben, wie es gesprochen wird.“

Daran hielten und halten sich auch die Vertreter der Eifeler Mundart-Autoren-Zunft, allen voran der aus Hellenthal stammende und in Königswinter lebende Fritz Koenn, der alle seine Werke seit 1959 und bis heute in einer nachvollziehbaren Lautschreibweise ohne Zuhilfenahme phonetischer Zeichen verfasst. Er steht damit in der Tradition von Hubert Kamps und Eugen Virmond. Auch Manfred Lang hält sich daran in seinen Platt-öss-prima-Büchern (KBV-Verlag, Hillesheim).

Hermann-Josef Kesternich und sein Mundart-Kreis „Antweilerner Senke“, die schon eine ganze Reihe von Büchern, darunter auch ein Mundart-Wörterbuch, verfasst haben, bedienen sich wie auch der Ländchener Autor Manfred Konrads der sprachwissenschaftlich gutgeheißenen „Rheinischen Dokumenta“, um ihre Sprache für die Zeit zu konservieren, wenn keiner mehr ihr Platt versteht und sprechen kann.

In der Eifel darf also in der Autorenszene jeder nach seiner Fasson glücklich werden, beziehungsweise schreiben, in Köln aber wacht die „Akademie für uns kölsche Sproch“. Zwischen den Vertretern der reinen Schreiblehre und Hanjo Schiefer, so schreibt Wolfgang Rau, tobe nun der „Glaubenskrieg“ um das liebe „Jott“.

Schiefer bedauert, dass Kölsch keine Umgangssprache mehr sei, sondern „Lustsprache“, die als Stadtsprache nicht mehr wahrgenommen werde. Und man werde, wenn man Kölsch spreche oder auch nur einen kölschen Akzent habe, gerne nachgeäfft und „verhohnepiepelt“. Das passiere einem in München und Hamburg nicht.

Rau schreibt: „Schiefer hatte in den 90er Jahren ein paar Semester an der »Akademie för uns kölsche Sproch« studiert, sich dann als Mitgründer der »Fründe vun der Akademie för uns kölsche Sproch« eingebracht. Später ist er aber im Zorn geschieden. Er war es leid, »su e komisch Kölsch ze schrieve«. Er hat sich auf die Gegenseite der Glaubensbewegung geschlagen: „Su ess »der Wrede« minge Kölsch-Papst jewode.“

Schiefer, den man auch zum „Geburtstags-Klaaf“ einladen kann, wo es um Singe, Verzälle und Schrieve geht, („viele Leute scheuen sich, etwas auf Kölsch aufzuschreiben“), hat noch viel vor. Erstens bereitet er eine Kölsch-Trilogie vor, so Wolfgang Rau im „Kölner Stadt-Anzeiger“, und zwar nach dem Muster seines ersten Buches „Dem leeven J“.

Zweitens möchte er gerne mal ein halbes Jahr nur Kölsch reden. Wie klappt das mit den Behörden? Sagen die Leute: Der ist bekloppt, ein Primitivling? Schiefer, der gesundheitlich angeschlagen ist, will es wissen. Am liebsten mit medialer Unterstützung, Zeitung, Talkshows, etc.

„Der »Kölner Stadt-Anzeiger« möchte helfen“, schloss Wolfgang Rau. Und veröffentlichte neben seinem Report über Hanjo Schiefer und das liebe „J“ noch zehn vom Autor formulierte Kölner Redensarten: „Wir hätten gerne die Übersetzungen auf Hochdeutsch. Und wer noch andere gute kölsche Sprüche draufhat, kann sie ebenfalls gerne per E-Mail an die Redaktion schicken.“

Die Resonanz war überwältigend. Nur drei Tage nach dem Aufruf konnte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in seinem Rhein-Erft-Journal eine ganze Seite mit Sprüchen und Redensarten der Leser drucken. Von wegen „ausgestorben“ und „Kunstsprache“. Nicht nur Kölsch lebt, Eifeler Platt auch!

pp/Agentur ProfiPress

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