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Mit „Bischof Helmut“ am Küchentisch

Jugendliche diskutierten und plauderten mit dem Geistlichen bei Pizza & Co. – Auch über „harte Nüsse“ wie die Ehe, das Zölibat und die Rolle der Frau in der katholischen Kirche

Kall/Mechernich – Ein besonderer Gast wurde erwartet: Bischof Helmut Dieser machte auf seiner „Küchentisch-Tour“ im Bistum Aachen Station in Wallenthal. Bei Pizza & Co. im Haus der Familie Blens stellte sich der Geistliche den Fragen der Mechernicher Weltjugendtagsgruppe. Es entwickelte sich schnell eine fruchtbare und lebhafte Diskussion.

Bei seiner „Küchentisch-Tour“ machte Bischof Helmut Dieser auch Station Wallenthal. Als Tischnachbarn traf er dort die Mechernicher Weltjugendtagsgruppe an. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Mit dem „Meat &eat“-Projekt sucht Bischof Dieser das Gespräch mit den Menschen in seinem Bistum. Den Küchentisch habe er bewusst gewählt, verriet er: „Der Küchentisch ist ein Ort des Austauschs, der Erfahrung von Gemeinschaft und des Erzählens von wichtigen Dingen“.

Schnell die Scheu abgelegt

Die angehende Jugendreferentin Rebekka Narres und Philipp Aretz, der FSJ-ler der GdG Mechernich, hatten das Kirchenoberhaupt des Bistums nach Wallenthal eingeladen. Zwölf Augenpaare waren erwartungsvoll auf den Bischof gerichtet. Schnell war die anfängliche Scheu abgelegt. „Wie dürfen wir sie eigentlich anreden?“, fragte Katharina Blens.  „Ich bin der Bischof Helmut“, zeigte sich der Geistliche unkompliziert.

Der Bischof plauderte und diskutierte auf Augenhöhe mit den jungen Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Bischof plauderte und diskutierte auf Augenhöhe mit den jungen Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren. Argumente wurden zwischen den Tischnachbarn ausgetauscht. Er machte den Anwesenden deutlich: „Ihr müsst verstehen, dass ihr jetzt schon Kirche seid und den Glauben verbreiten könnt.“

Zwischendurch ging es ans „Eingemachte“

Zwischendurch ging es aber auch ans „Eingemachte“  – wie die Ehe, das Zölibat, manch verstaubte Kirchenregel oder die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Dass Frauen weder Priester noch Diakon werden könnten gefiel ihnen nicht, machten die Jugendlichen deutlich. „Das ist natürlich jetzt direkt die härteste Nuss“, antwortete Dieser. Er sehe Frauen als wichtige Stütze der Kirche. Dass das Priesteramt für Männer vorgesehen wäre, hätte seinen Sinn, argumentierte er anhand der Bibel.

Bei dem lebhaften Tischgespräch ging es auch ans „Eingemachte“ – wie die Ehe, das Zöllibat, manch verstaubte Kirchenregel oder die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Auch Persönliches klammerte der Geistliche bei dem Gespräch mit den Jugendlichen nicht aus: „Es ist natürlich ein großer Verzicht, keine eigenen Kinder zu bekommen.“ Das sei für ihn als Familienmensch schon hart gewesen. Er gab zu: „Für die Entscheidung habe ich auch lange gebraucht. “ Dass er gerne in seiner Freizeit „chille“, verriet er auch.

Die Jugendgruppe brachte auch Anregungen auf den Tisch. Sie machten deutlich, dass sie sich mehr Kommunikation und Information vom Bistum wünschten Sie regten an, moderne Wege wie Whatsapp zu nutzen, um in Kontakt zu kommen. Auch, um das angestaubte Image in der Öffentlichkeit aufzupolieren.

Ostergeschichte per Whatsapp verschickt

Philipp Aretz wusste, dass beispielsweise das Bistum Essen die Ostergeschiche per Whatsapp verschickt habe. Sinnvoll sei es auch, das Mechernicher Pfarrheim mit WLAN auszustatten, regte Rabea Teresa Kampshoff an: „Dann wären die Gruppentreffen einfacher, wenn wir Videos vom Papst direkt herunterladen könnten.“

Sie regten an, mehr Aktionen wie Kinoabende oder Zeltlager anzubieten. Oft sei es schwer, die Menschen zu animieren, wissen sie: „Die von Haus aus wenig mit Kirche zu tun haben, suchen ja nicht“, so Blens.

Angetan war der Bischof, von der geplanten Teilnahme der Gruppe am Weltjugendtag in Panama 2019 und wie sie dafür Geld mit Räderflohmarkt verdienen wollen.

Die angehende Jugendreferentin Rebekka Narres (l.) und Philipp Aretz, der FSJ-ler der GdG Mechernich, hatten das Kirchenoberhaupt des Bistums nach Wallenthal eingeladen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Ungeschminkt, ehrlich, authentisch“

Am Ende verlässt der Bischof zufrieden das Haus in Wallenthal. „Ganz ungeschminkt, ehrlich, authentisch – das war ein gutes Gespräch“, lautet sein Resumée. Nach Aachen nehme er viele Ideen mit.

„Mir ist sehr wichtig, dass wir als Kirche versuchen, zu den Menschen hin zu kommen, die sich selber vielleicht nicht unbedingt nah an der Kirche sehen. Um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, über das Leben und die Fragen, die sie an die Kirche und den Glauben haben.“

Insgesamt stehen 20 „Küchentisch“-Termine auf dem Plan, die Bischof Dieser selbst, die Weihbischöfe oder der Generalvikar absolvieren. Der Abschluss der Tour soll am 23. August mit einem großen Fest in Aachen begangen werden.

pp/Agentur ProfiPress

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