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Mit „Charlie“ von Ort zu Ort

Gleich vier Wandergesellen waren bei Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick zu Besuch

Kämmerer Ralf Claßen (l.) und Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick (2.v.r.) freuten sich über den Besuch der „Tippelbrüder“ Thorsten Han-sen, Dario Petersen, Erik Burkhardt und Steffen Born (v.l.n.r.). Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Seltenen Besuch empfingen Mechernichs Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und Kämmerer Ralf Claßen im Zimmer des Bürgermeisters. Gleich vier „rechtschaffene Fremde“ – so nennen sich Wandergesellen auch heute noch – sprachen bei der Verwaltungsleitung vor und ließen sich von Bürgermeister Schick persönlich den Stempel der Stadt Mechernich in die Wanderbücher drücken. Im Rathaus zogen die jungen Männer  mit ihren breitkrempigen Hüten, schwarzen Manchesterhosen und dem kunstvoll geschnürten Bündel – „Charlottenburger“ genannt – alle Blicke auf sich. „Charlie“, wie die jungen Männer ihr Bündel auch nennen, ist ein bedrucktes Tuch, in das sie ihre wenigen Habseligkeiten einwickeln.

Der Brauch des Vorsprechens ist ein jahrhundertealtes Ritual. Dabei wird der Zunftspruch nur von Geselle zu Geselle weitergegeben, um Missbrauch zu verhindern, erklärte Steffen Born. Er stammt aus Bad Berleburg und ist seit zehn Monaten auf der Walz. Als „rechtschaffener fremder Zimmerer“ gehört er der ältesten deutschen Gesellenkooperation an.

Im Sauerland, im oberfränkischen Kulmbach und in Flensburg begaben sich Thorsten Hansen, Dario Petersen und Erik Burkhardt auf Wanderschaft. Unterwegs sind sie derzeit paarweise, denn Neulinge werden von erfahreneren Wandergesellen „abgeholt“ und in die Gesetze und Regeln des Lebens auf der Wanderschaft eingeweiht. Zufällig über den Weg gelaufen waren sich die Vier zuvor in Euskirchen, hatten sich in der Kreisstadt dann aber wieder aus den Augen verloren. Wie es der Zufall wollte, begegneten sie sich dann erneut nahezu zeitgleich im Mechernicher Rathaus.

„Mindestens drei Jahre und ein Tag“, so Steffen Born, dauere die Wanderschaft. Der Grund: Die Wanderjahre müssen sich länger hinziehen als die Lehrzeit. Der Hintergedanke ist heute derselbe wie im Spätmittelalter, als die Walz sogar Pflicht für angehende Meister war: Die Gesellen sollten neue Arbeitspraktiken, Lebenserfahrung und fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen. „Kanada und Namibia“, zählt Steffen Born zwei seiner weltweit anvisierten Ziele an. Im Sommer soll es zunächst einmal nach Skandinavien gehen. Maximal sieben Tage bleibe er dabei an einem Ort, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Ein Bannkreis von 50 Kilometern um den Heimatort soll verhindern, dass die Gesellen diesen auf der Walz betreten.

Als „gute Schule“ bezeichnete der junge Mann aus Bad Berleburg die Wanderjahre. Steffen Born: „Man sammelt viele Erfahrungen und wird selbständig. Da kann man sich nicht mal eben von Mama abholen lassen.“

Wer so viel unterwegs ist, erlebt auch einiges. Eines sei aber immer gleich, so auch sein Eindruck in Mechernich: „Man wird überall gern gesehen.“

pp/Agentur ProfiPress
 
 

 

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