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Mein schönster Rochusplatz

Vater Johann Zander pflanzte die Linde – Sohn Herbert und Enkelin Gerda Zander hatten Spielverbot auf Strempts „heiligem Rasen“ – Eine Lieblingsplatz-Reportage über Strempt von Manfred Lang

Mechernich-Strempt – Johann Zander (Jahrgang 1906) pflanzte irgendwann Ende der 20er Jahre inmitten eines Karrees aus lauter Kastanienbäumen am Strempter „Essig“ gemeinsam mit seinen Bergbaukumpels eine Linde.

Herbert Zander an seinem Lieblingsort in Strempt, dem Rochusplatz, der früher „Am Essig“ hieß und von den Bergleuten wie ein „Heiligtum“ gehütet wurde. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Bergleute gingen dabei wie beim Bau eines bedeutenden Gebäudes vor, fertigten eine Urkunde an, steckten sie in eine sorgfältig geleerte Schnapsflasche, taten einige Münzen dazu und versenkten sie ganz tief unten im Pflanzloch.

Bei der „Rochusnacht“ ist in Strempt stets „der Bär los“. Archivfoto: Stefan Lieser/pp/Agentur ProfiPress

Ob sie noch unversehrt ist? Niemand wird es wagen, nachzuschauen. Denn die Dorflinde auf dem heute „Rochusplatz“ genannten „Essig“ hat sich zu einem mächtigen Baum entwickelt, der dem Dorflokal „Zur Linde“ seinen Namen gab, das heute von den Stremptern als Dorfgemeinschaftshaus genutzt wird.

Kinder am „Essig“ vertrieben

Der Rochusplatz ist Herbert Zanders Lieblingsstelle im Heimatort, in dem er 1943 das Licht der Welt erblickte. Der Sohn des Lindenpflanzers Johann Zander durfte den parkähnlich verhätschelten „Essig“ allerdings ebenso wenig betreten wie seine Schwestern Resi und Elsbeth, die ebenfalls noch heute in Strempt wohnen. Der Kohlenhändler „Nöll“ und andere Umlieger des großzügigen Dorfplatzes vertrieben spielende Kinder grundsätzlich.

Die Freiwillige Feuerwehr ist fester Bestandteil der engagierten Bevölkerung im früheren Bergarbeiterdorf. Im September 2018 feierte die Löschgruppe ihr 90jähriges Bestehen. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Ausgerechnet in einem Bergarbeiterdorf wie Strempt entstand ein bis heute unbebauter kleiner Park mit alten Bäumen, einer Kapelle, dem Ehrenmal für die Gefallenen und Gemordeten des Dorfes, einem Bauwagen, den die Dorfjugend als Grillhütte und Materiallager nutzt, und dem ungeschriebenen und unausgesprochenen, aber strikt eingehaltenen Verbot, den Rasen zu betreten.

Auch Tochter Gerda durfte nicht auf den Rochusplatz, der direkt vor Zanders Haustür liegt, so erinnern sich Herbert und Rosemarie Zander. Ob die Enkeltöchter Sabrina und Melanie deshalb nach Kommern und Eicks gezogen sind? „Mit Sicherheit nicht“, winken Zanders lachend ab, die 1966 heirateten und vor drei Jahren Goldhochzeit feierten.

Die Gruppe „Spatenstich“ hat viele markante Verschönerungs- und Verbesserungsprojekte in Strempt geschaffen. Der frühere Ortsvorsteher und Ratsherr Wulf Dietrich Simon scharte die aktive Rentner- und Arbeitergruppe um sich. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Rosi stammt aus Morsbach und zog im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern nach Strempt, die dort ein Haus kauften: „In all den Jahren seither hat nur einmal ein Fest auf dem „Allerheiligsten“ stattgefunden.“ 1973 beim „Fünfjährigen“ des 1968 auch von Herbert Zander mitgegründeten Musikvereins Strempt fand dort das Kreismusikfest statt. Möglicherweise habe es auch mal ein Open-Air-Konzert der Eifel-Rockband „Wibbelstetz“ gegeben . . .

„Früher verliefen ein Graben und eine Hecke um den Rochusplatz“, berichtet Herbert Zander: „Die Kneipenbesucher „Zur Linde“, darunter auch Männer, die uns „Pänz“ das Betreten des Platzes verwehrt haben, haben die Hecke vermutlich totgepinkelt!“

1000 Narzissen, 250 Krokusse

Die Aktivistengruppe „Spatenstich“ um den leider verstorbenen Wulf-Dietrich Simon, der auch Zander angehört, bepflanzte den Rochusplatz im Jahre 2002 mit 1000 Wildnarzissen und 250 Krokussen und sorgte sich auch sonst um das adrette Aussehen des Dorfplatzes, dessen neuen Namen ein ungenannter Anlieger hartnäckig ignorierte – und weiter „Am Essig“ für sich persönlich als Adresse angab…

Auf Wulf-Dietrich Simons (l.) Initiative gehen auch der Bau der Bahnunterführungen in Ortsmitte und am „Haus Rath“ zurück, die 150 Jahre Trennung Strempts in zwei Teile beendeten. Hier geben Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick und der inzwischen leider verstorbene Strempter Ortsvorsteher die Durchfahrt frei. Archivfoto: pp/Agentur ProfiPress

Die Strempter besorgten im Ruhrgebiet eine alte Grubenbahn, die sie  als Reminiszenz an die Bergbauvergangenheit und Denkmal am Rochusplatz aufstellten. Die Kneipe „Zur Linde“ funktionierten sie mit unglaublichem Einsatz zum Dorfhaus um, die Gruppe „Spatenstich“, die zwar noch existiert, aber zur Zeit alters- und krankheitsbedingt schwächelt, hat 15 Jahre lang das Bergarbeiterdorf an der aufgerissenen Flanke des Bleibergs aufgehübscht und mit Attraktionen ausgestattet.

Rosi Zander stammt aus Morsbach und zog im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern nach Strempt: „In all den Jahren seither hat nur einmal ein Fest auf dem „Allerheiligsten“, dem Rochusplatz, stattgefunden, nämlich im Jahre 1973 das Kreismusikfest.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Unter anderem wurden Wander- und Spazierwege angelegt, das Innenleben eines Kreisverkehrs gestaltet, Blumenkübel und Beete aufgestellt und angelegt, ein tolles Feier- und Grillareal entlang der Bahn geschaffen, Kinderspielplätze und Parkplätze angelegt. Auf Wulf-Dietrich Simons Initiative gehen auch der Bau der Bahnunterführungen in Ortsmitte und am „Haus Rath“ zurück, die 150 Jahre Trennung Strempts in zwei Teile unterliefen…

pp/Agentur ProfiPress

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