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Magisch, wertvoll, galant serviert

Steffen Kopetzky verwebt beim Lit.Eifel-Abend in der Lammersdorfer Kirche Passagen aus seinem Werk „Monschau“ und wahre Historie zu einem bewegenden Ganzen – Zeitzeuge Jürgen Siebertz liefert eingangs der Lesung beeindruckende Erinnerungen

Simmerath-Lammersdorf – Wie Zahnräder griffen die Passagen des Lit.Eifel-Abends in der Lammersdorfer Kirche ineinander und verwoben die Abendstunden zu einem bewegenden Ganzen. Ob Pocken-Karneval, Goethe oder der für seinen humanitären Einsatz bekannte Arzt Günter Stüttgen: Steffen Kopetzky servierte galant und tiefgründig Geschichte, wie sie passierte, vermittelte Wissen detailreich im angenehmen Plauderton. Auch über reale Helden seines „Monschau“-Romans und seinen fiktiven Helden, die er aus ausgewählten griechischen Biografien zusammensetzte, erfuhr man mehr.

Steffen Kopetzky las eindrucksvoll und tiefgründig von Pocken im Simmerather-Lammersdorfer-Monschauer Land und es fühlte sich an wie ein „déjà-vu“. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Kopetzkys Roman versetzte die Zuhörer in die Zeit von 1962, Helmut Schmidts und Konrad Adenauers, nach „Lammerath“ und damit ins Simmerather-Lammersdorfer-Monschauer Land. Aber nicht nur örtlich regionalen Bezug weist die Handlung auf, sondern vielmehr wirkt es wie ein „déjà-vu“. Unwillkürlich fühlt man sich ins Heute gebracht. So nah die Masken, Quarantäne und beklemmende Angst, die auch laut dem Autor seinerzeit den Alltag der Menschen bestimmten. Damals war es nicht Corona, sondern es waren die Pocken, die sich von dort, dem Roman-Ort Lammerath aus, zu einer Epidemie ausweiteten.

Als Zeitzeuge konnte der in Lammersdorf geborene Jürgen Siebertz wertvolle Eindrücke beisteuern. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Eigentlich habe er gerade an einem anderen Buch gearbeitet, gestand Kopetzky zwischendurch den Zuhörern. Während einer Lesereise traf er jedoch auf die Witwe des Arztes Günter Stüttgen, der schon zu Kriegszeiten große humanitäre Taten bei der Schlacht im Hürtgenwald vollbrachte, und dann gegen Pocken, die biologische Bombe, in den Krieg gezogen ist. „Es kam alles irgendwie zusammen“, fühlte sich Kopetzky zu der Geschichte hingezogen und begann sofort „Monschau“ zu schreiben, die einerseits Ritterroman und mehr wurde. „Im Zentrum steht eine sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte“, sagte Kopetzky.

Poetische Momente

Die Zuneigung zwischen Niko und Vera bescherten poetische Momente. Steffen Kopetzky beschrieb den „köstlichen Moment“ genussvoll: „indem sich die zwei fanden wie in einer Blase, in welcher sie eine Weile schwebten, nur sie beide, als wären sie allein auf der Welt.“ Überhaupt geht der Autor mit Körper und Seele mit bei der Lesung.

Den Abend moderierte Martin Schwoll, Geschäftsführer der Buchhandlung Backhaus. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Gelungen auch die Verbindung zum Historiker Jürgen Siebertz. „Zu der Zeit, um die es hier geht, war ich gerade mal 20 Jahre alt“, so der Zeitzeuge, der eingangs der Lesung Erinnerungen aus seiner Jugend sowie Ergebnisse seiner historischen Ausarbeitung kurzweilig voranschickte. „Die Pocken kamen über Nacht“, berichtete er und schob die Erzählungen vom Ernst der Lage, eindringlichen Warnungen und Suche nach Kontaktpersonen gleich eindrücklich hinterher. Ein Monteur, der aus Indien zurückkam, habe seine neun Jahre alte Tochter mit dem Virus angesteckt. Eigentlich waren sie hierzulande ausgerottet.

Der Autor signierte für die begeisterten Lit.Eifel-Zuhörer sein Werk „Monschau“. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Diese Bilder bleiben im Gedächtnis“, so Siebertz. Er spricht rückblickend von Tagen voller Sorge, Trauer, aber auch von einer nie gekannten Menschlichkeit: „Heute würde ich sagen: Wir haben es gemeinsam durchgestanden.“ Steffen Kopetzky würdigte den in Lammersdorf geborenen: „Ohne Dich hätte ich den Roman nicht schreiben können.“

Steffen Kopetzky las und sprach mit vollem Körpereinsatz. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Unverhofft spielt Kopetzky außerdem jazzige Töne als Musik ein und leitete später zu Eifeler Pockenkarnevalsszenen und venezianisch-hospitalisch-changierenden Schönheiten über, mit Weltuntergang-Karnevalshits und Krankenschwestern-Kostümen als Ausdruck von Sorge und doch auch Lebensfreude inmitten der Epidemie. Kopetzky: „Pocken machten das alles noch unheimlicher und grotesker, aber wohl genau deshalb ein wenig magisch.“ Magisch, wie auch die Lesung, und wertvoll.

pp/Agentur ProfiPress