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Literatur, Licht und Tanz

Ein unglaublich schöner Lit.Eifel-Abend mit Laali Lyberth, Katia Franke und dem Eifeler Meisterfotografen Sven Nieder im Rheinischen LVR-Industriemuseum Kuchenheim

Euskirchen-Kuchenheim – Nicht nur hochliterarische, ja philosophische Texte bot die Lit.Eifel 2017 diesmal im Rheinischen LVR-Industriemuseum in Kuchenheim. Mit dem Dauner Fotografen und Filmer Sven Nieder bot der Programmbeirat um Helmut Lanio parallel auch noch „großes Kino“.

Sven Nieder vor nicht mehr „ewigem Eis“: „Die Gletscher Grönlands schmelzen und erhöhen ihr Tempo in Richtung Meer. Im Süden wachsen schon Erdbeeren und Kartoffeln, einzelne Bäume gesellen sich zu Wäldern und im Norden trauen sich die Jäger nicht mehr aufs unsichere Eis.“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ganz großes Kino, um es genau zu sagen, denn Nieder projizierte auf großformatigen Fotos und Filmsequenzen Wahnsinnsfarben und wunderbare Lichtspiele aus Eis, Felsen, Nordlicht und Menschen auf die Kuchenheimer Museumsleinwand. Aufgenommen in Grönland, wo der Dauner Spross einer Fotografenfamilie in dritter Generation ebenso arbeitet wie in der Antarktis oder am Amazonas.

Ungläubig gehaucht kam die Frage aus dem Publikum, ob er da nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachgeholfen habe? „Nein“, versichert Nieder: „Alles echt.“ WDR-Moderatorin Katia Franke, die zweite Stimme des Abends, rezitierte vor einem gigantischen polaren Sternenhimmel den grönländischen Schamanen Angaangaq Angakkorsuaq dazu: „Der Mensch ist dann am meisten Mensch, wenn er zu den Sternen sieht.“

Das rund 70-köpfige Publikum im Vortragsraum des Rheinischen LVR-Industriemuseums Kuchenheim war begeistert von der Mischung aus Foto, Film, Sachvortrag und literarischen und philosophischen Texten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Und Nieders grönländische Frau Laali Lyberth führte vor der Kulisse einer bizarren Landschaft aus Eis und Fels einen Trommeltanz auf. Die Leute raunten: Literatur, Optik und Tanz, eine unglaublich stimmige Mischung, die die Lit.Eifel da präsentierte.

„Heiliges Feuer“ und „Stella Polaris“

Zwei Bildbände standen Pate für den Kuchenheimer Lit.Eifel-Abend mit Sven Nieder: „Heiliges Feuer“, das ein Treffen von Ältesten und Schamanen indigener Völker aus der ganzen Welt in Grönland dokumentiert, und „Stella Polaris Ulliorsuaq“, ein Langzeit-Photokunst- und Filmprojekt, an dem der Eifeler Meisterfotograf seit 2012 mitwirkte und bei dem unwirklich schöne Aufnahmen nächtlich mit Kunstlicht angestrahlter Wände und Höhlen entstanden.

Die mit Töchtern in der Eifel lebende WDR-4-Moderatorin Katia Franke entpuppte sich beim Kuchenheimer Lit.Eifel-Abend einmal mehr als hochkarätige Rezitatorin nicht eben leichter Literatur. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Nieder und die Textautoren seiner Bücher – darunter der Philosoph Christoph Quarch – verfolgen keinen schöngeistigen literarischen Selbstzweck. Ihre Texte sind zwar im Wortsinn schön, aber auch anklagend und provozierend. Sie führen der westlichen Welt das bereits weitab unserer eigenen Wahrnehmung fortgeschrittene Ausmaß des Klimawandels vor Augen.

Nieders Hauptgewährsmann Angaangaq Angakkorsuaq drückt es so aus: „Das Eis schmilzt, damit das Eis in den Herzen der Menschen schmilzt.“ Und: „Wir sind dem Kult des Geldes erlegen.“ Jedes Bild und jeder Text ließen die unausgesprochene Bitte im völlig verdunkelten Vortragsraum des Rheinischen Industriemuseums unter der Decke schweben: „Erbarmt Euch dieses Planeten! Hört endlich auf, ihn zu verderben.“

Der Eifeler Meisterfotograf Sven Nieder erzählt vor einem Bild seines Gewährsmanns Angaangaq Angakkorsuaq, eines grönländischen Weisen, der Schamanen und Älteste indogener Völker von der ganzen Welt einlud, um „Heiliges Feuer“ gegen die Zerstörung der Schöpfung zu entfachen. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Nieders faszinierende Fotos und Filmsequenzen wurden vor Kuchenheim schon bei Ausstellungen unter anderem in Köln, Los Angeles, Groningen, Kitzbühel und Nuuk/Grönland gezeigt. Auch bei der Lit.Eifel begeisterten sie das Publikum. Katia Franke entpuppte sich einmal mehr als hochkarätige Rezitatorin nicht eben leichter Literatur.

„Eifel und Grönland haben viel gemeinsam“

Bilder und Gesprochenes berührten die rund 70 Besucher auf mehreren Ebenen. Für den Fotografen selbst strömt Grönland, wo er viel gearbeitet hat, große Ruhe aus. „Wie die Eifel“, verriet der Dauner: „Das haben Grönland und die Eifel gemeinsam: Da darf auch mal nichts los sein.“

Die Lit.Eifel-Vorsitzende und Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter versprach den Euskirchener Lit.Eifel-Fans: „Wir kommen wieder ins Rheinische LVR-Industriemuseum Kuchenheim!“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Publikumsfrage, wo er denn lieber sei, in Grönland, wo seine Frau Laali herstammt und wo auch seine Tochter geboren wurde, oder in der Eifel, mochte Sven Nieder nicht beantworten: „Bei mir selbst bin ich da und dort, und das ist das entscheidende: Bei sich selbst sein.“ Dann fügte er augenzwinkernd hinzu: „Laali und ich sind auch gerne in Köln, dann denken wir, eigentlich könnten wir auch in der Stadt leben – aber am dritten Tag zieht es uns wieder in die Eifel.“

Die Frage eines Lit.Eifel-Zuschauers und Zuhörers, warum er angesichts der Feststellung, dass eh alles zu spät sei in Sachen schmelzendes Polareis, so gelassen bleibe, beantwortete Sven Nieder so: „Ich spreche nicht mehr von Klimakatastrophe, sondern von Wandel. Das Eis schmilzt, Grönland wird grün, schon jetzt wachsen da Bäume, Erdbeeren und Kartoffeln. Ein paar Pazifikinseln werden im Meer versinken. Die Welt wird sich – wieder mal – verändern, aber die Frage ist: Wird sich auch der Mensch verändern?“

Das rund 70-köpfige Publikum im Vortragsraum des Rheinischen LVR-Industriemuseums Kuchenheim war begeistert von der Mischung aus Foto, Film, Sachvortrag und literarischen und philosophischen Texten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Margareta Ritter, die Vorsitzende der Lit.Eifel, beschloss einen großartigen Lit.Eifel-Abend mit ihrem persönlichen Dank an die drei Akteure und an Detlef Stender, den Gastgeber und Chef des Rheinischen LVR-Industriemuseums Kuchenheim.

pp/Agentur ProfiPress

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