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Land unter!

Stadtmitte und einige Außenorte wurden am Donnerstag von Unwetter heimgesucht – Mehr als 600 Feuerwehreinsätze – Überschwemmungen und Erdrutsche

Mechernich – Zum dritten Mal in diesem Sommer sind große Teile des Mechernicher Stadtgebietes nach unwetterartigen Regenfällen und Hagel überschwemmt worden. Diesmal wurden Mechernich selbst, Kommern, Strempt und Roggendorf, Satzvey, Firmenich/Obergartzem und der sogenannte „Wilde Westen“ der Stadt mit Bleibuir und Lückerath besonders stark in Mitleidenschaft gezogen.

Pausenlos war die Feuerwehr im Einsatz. Von 584 Notrufen, die bei der Rettungsleitstelle des Kreises Euskirchen eingingen, kamen 557 aus dem Stadtgebiet Mechernich. Besonders entlang des Bleibachs herrschte "Land unter". Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Pausenlos war die Feuerwehr im Einsatz. Von 584 Notrufen, die bei der Rettungsleitstelle des Kreises Euskirchen eingingen, kamen 557 aus dem Stadtgebiet Mechernich. Besonders entlang des Bleibachs herrschte „Land unter“. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Bleibach, Veybach, Schoßbach und Schliebach traten über die Ufer, allesamt Wasserläufe mit Rieseneinzugsgebieten, die besonders stark anschwellen, wenn örtliche starke Platzregen niedergehen.

Sintflutartige Regenfälle und Hagel lösten die Wetterkatastrophe am Mechernicher Bleiberg aus. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Sintflutartige Regenfälle und Hagel lösten die Wetterkatastrophe am Mechernicher Bleiberg aus. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Das Unwetter am Donnerstagnachmittag, 21. Juli tobte im ganzen Kreisgebiet, aber diesmal erwischte es die Mechernicher Kernstadt und zahlreiche Außenorte besonders schlimm. Von den insgesamt 584 Einsätzen, die von 16.15 bis 23.30 Uhr über den Notruf 112 registriert wurden, waren 557 im Stadtgebiet Mechernich, meldete die Leitstelle des Kreises Euskirchen, wo ein Führungsstab zur Koordination der Einsätze gebildet wurde. Bis Freitagmittag hatte sich die Zahl der Einsätze auf mehr als 600 erhöht.

Einem Fluss glich der Mühlenbach in Mechernich-Obergartzem. Das Dorf war ohne Strom, nachdem die Wassermassen in Schaven eine Brücke samt RWE-Versorgungsstation mit sich gerissen hatten. Foto: Meggie Flacke/Privat/pp/Agentur ProfiPress

Einem Fluss glich der Mühlenbach in Mechernich-Obergartzem. Das Dorf war ohne Strom, nachdem die Wassermassen in Schaven eine Brücke samt RWE-Versorgungsstation mit sich gerissen hatten. Foto: Meggie Flacke/Privat/pp/Agentur ProfiPress

Gegen 16.15 Uhr setzte ein Sturzregen ein, der im Nu zahlreiche Keller unter Wasser setzte und mehrere Straßen überflutete. Diesmal blieb auch das Kreiskrankenhaus Mechernich nicht verschont, dort trat Wasser in die EDV- und Telefonzentrale sowie in die Zentralküche ein. Nur neue Patienten, deren Zustand lebensbedrohlich war, wurden aufgenommen. Alle weiteren ambulanten Notfälle wurden nach Euskirchen geschickt.

An mehreren Stellen kam es zu Erdrutschen, hier an der Landesstraße 264 in Bleibuir. An der Stelle rutsche eine halbe Stunde später ein großer Baum ab und versperrte die Fahrbahn. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

An mehreren Stellen kam es zu Erdrutschen, hier an der Landesstraße 264 in Bleibuir. An der Stelle rutsche eine halbe Stunde später ein großer Baum ab und versperrte die Fahrbahn. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Auch viele Geschäftshäuser waren betroffen. Komplett unter Wasser standen nach einer Stunde Dauerregen der Rewe-Markt samt Tiefgarage in der Innenstadt, die Produktionshallen der Firma Mechatronics und die im Umbau befindliche Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Unteroffiziersheim an der Friedrich-Wilhelm-Straße (Casino). Im Rewe-Markt in der Marienau drang Wasser durch die Decke ein.

Schlimme Zustände herrschten auch im historischen Ortskern von Kommern, wo das Wasser bis zu anderthalb Metern hoch in den Straßen stand. Selbst das Feuerwehrgerätehaus blieb nicht verschont. Einen bettlägerigen 82-jährigen Mann, dessen Haus einen Meter hoch überflutet war, rettete die Feuerwehr mit einem Schlauchboot. Das für das Wochenende geplante Hardrock-Festival im Mühlenpark wurde ersatzlos gestrichen, weil das Gelände, auf dem auch schon einige Besucher zelteten, unter Wasser stand.

Auch bei der neuesten Wetterkatastrophe hielten die Menschen im Stadtgebiet Mechernich zusammen, hier am Dorfgemeinschaftshaus Alte Turnhalle in Lückerath. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Auch bei der neuesten Wetterkatastrophe hielten die Menschen im Stadtgebiet Mechernich zusammen, hier am Dorfgemeinschaftshaus Alte Turnhalle in Lückerath. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Elf Löschzüge waren im Einsatz, darunter sechs Löschzüge der Mechernicher Feuerwehr sowie weitere Löschzüge aus Bad Münstereifel, Euskirchen Nettersheim, Schleiden und Zülpich sowie Einheiten des THW. Ein Feuerwehrmann in Zülpich und eine Einsatzkraft des Technischen Hilfswerks in Mechernich wurden leicht verletzt und ins Krankenhaus gebracht.

Buchstäblich abgesoffen ist dieses VW-Käfer-Wohnwagen-Gespann im Straßenzug "Um die Weiher" in Bleibuir. Dort trat der Schliebach über die Ufer. Der im Volksmund "Quaibach" genannte Wasserlauf führt die meiste Zeit des Jahres kaum Wasser, hat aber im Bereich Wielspütz/Voißel/Wallenthaler Höhe ein Riesen-Einzugsgebiet. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Buchstäblich abgesoffen ist dieses VW-Käfer-Wohnwagen-Gespann im Straßenzug „Um die Weiher“ in Bleibuir. Dort trat der Schliebach über die Ufer. Der im Volksmund „Quaibach“ genannte Wasserlauf führt die meiste Zeit des Jahres kaum Wasser, hat aber im Bereich Wielspütz/Voißel/Wallenthaler Höhe ein Riesen-Einzugsgebiet. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Auf der Bundesstraße 266 bei Kommern stürzte ein Baum auf einen mit Personen besetzten Pkw. Dabei wurde ein Mensch stark eingeklemmt, erlitt mehrere schwere Verletzungen und musste, nachdem die Feuerwehr ihn befreit hatte, ins Krankenhaus gebracht werden. Zwischen Hostel und Glehn rutschte ein Hang ab, eine Eiche stürzte um und fiel auf die Kreisstraße 25. Auch ein rund 20 Zentimeter breiter Asphaltstreifen von der Fahrbahn rutschte ab. Direkt neben der Kreisstraße 25 geht es momentan vier bis fünf Meter steil in die Tiefe. Ein Bodengutachter muss sich den entstandenen Schaden ansehen und wird dann entscheiden, wann und ob die K 25 wieder freigegeben werden kann. Bei einer weiteren Unterwetterlage besteht die Gefahr, dass die komplette Straße abrutscht. Vermutlich bleibt die Verbindungsstraße zwischen Glehn und Hostel für mindestens eine Woche gesperrt.

Brennholz als Treibholz in den Wasserfluten, im Hintergrund ein Flüssiggastank. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Brennholz als Treibholz in den Wasserfluten, im Hintergrund ein Flüssiggastank. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Unter anderem hatten sich in Roggendorf und in Kommern mehrere Heizöltanks aus ihrer Verankerung gelöst und schwammen auf, dabei trat teilweise Heizöl aus. In Schaven wurde eine Brücke unterspült, dadurch wurde eine Verteilereinheit des RWE aus der Verankerung gerissen. In ganz Obergartzem fiel daraufhin der Strom aus. Das Technische Hilfswerk war im Raum Mechernich im Einsatz. Obergartzem war ohne Strom und musste von den Freiwilligen mittels Aggregaten mit Elektrizität versorgt werden. Das THW half außerdem mit 1400 Sandsäcken aus.

Unrat und Hochwasser-Sperrmüll gebührenfrei zur Strempter Deponie

Noch am nächsten Morgen waren die Einsatzkräfte an mehr als hundert Stellen im Stadtgebiet Mechernich damit beschäftigt, die Folgen des Unwetters zu beseitigen. Das Kreisbrandschutzzentrum stellte eine erhebliche Anzahl von Tauchpumpen zur Verfügung.

 Normalerweise dümpelt der 20 Zentimeter "tiefe" Schoßbach in einer betonernen Halbschale durch Lückerath. Bei Starkregen verwandelt sich der Wasserlauf regelmäßig in einen reißenden Fluss. Setzt sich auch noch der Durchlass unter der Neustraße mit Treibholz zu, sind Überschwemmungen und volle Keller programmiert. Diesmal ging auch das Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule baden, wo am Sonntag eine Taufe gefeiert werden soll. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress


Normalerweise dümpelt der 20 Zentimeter „tiefe“ Schoßbach in einer betonernen Halbschale durch Lückerath. Bei Starkregen verwandelt sich der Wasserlauf regelmäßig in einen reißenden Fluss. Setzt sich auch noch der Durchlass unter der Neustraße mit Treibholz zu, sind Überschwemmungen und volle Keller programmiert. Diesmal ging auch das Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule baden, wo am Sonntag eine Taufe gefeiert werden soll. Foto: Sabine Roggendorf/pp/Agentur ProfiPress

Zwei Einsatzeinheiten des Rotkreuz-Kreisverbandes verpflegten die Einsatzkräfte im Stadtgebiet Mechernich, darüber hinaus sicherten speziell ausgebildete Rotkreuzler die soziale Betreuung Betroffener. Auch am Freitag blieb die Leitstelle doppelt besetzt. Das Einsatzende war offen, nach einer arbeitsintensiven Nacht ging es ans Abarbeiten der noch offenen Einsätze geringerer Priorität, in den meisten Fällen mussten Keller leer gepumpt werden.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Mechernich, Thomas Hambach (2. v. r.), machte sich am Freitag selbst ein Bild von der Lage. In der Nacht war auch schon Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in Kommern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Der Erste Beigeordnete der Stadt Mechernich, Thomas Hambach (2. v. r.), machte sich am Freitag selbst ein Bild von der Lage. In der Nacht war auch schon Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in Kommern. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Stadtverwaltung Mechernich teilte mit, dass vom Hochwasser Betroffene Sperrmüll und Unrat kostenlos an der Mülldeponie in Strempt abgeben können. Außerdem stellte die Stadt alle verfügbaren Müllcontainer auf. Der ehemalige städtische Mitarbeiter Heinz Reuter aus Kommern sagte: „Ich war 47 Jahre bei der Stadt, aber sowas wie hier habe ich noch nicht erlebt.“

Der Bleibach in Kommern trat über die Ufer und unterspülte deshalb auch einige Brücken. Sie wurden arg in Mitleidenschaft gezogen und deshalb gesperrt. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Der Bleibach in Kommern trat über die Ufer und unterspülte deshalb auch einige Brücken. Sie wurden arg in Mitleidenschaft gezogen und deshalb gesperrt. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

pp/Agentur ProfiPress

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