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„Längste Theke von Mechernich“

„Em Gardestüffje“ in der Rathergasse war schon Bäckerei, Tante-Emma-Laden und Selbstbedienungsladen – Der Familienbetrieb feiert 100-jähriges Bestehen – Nächste Generation bereits in den Betrieb eingestiegen

Mechernich – „Die kleine Kneipe in unserer Straße…“ besang Peter Alexander einst. Doch die kleinen gemütlichen Gaststätten, wo sich Jedermann früher traf, zum Klönen, zum Frühschoppen, zum Kartenspielen werden rar. Auch in der Eifel sinkt die Zahl der Theken stetig.

Überall in der Eifel? Nein. In Mechernich gibt es sie noch: Die Gaststätte „Em Gardestüffje“ blickt auf eine lange Tradition und auf ein Jubiläum zurück. Das wird am 7. November zumindest mit einem kleinen Fest gefeiert. „Wir geben ein Bier aus“, so Heinz Sechtem, der den Betrieb in den 1980-er Jahren vom Vater übernommen hat.

Die längste Theke von Mechernich liegt im „Em Gardestüffje“. Die Historie des Familienbetriebs in der Rathergasse 24 begann bereits im Jahr 1919 mit einer Bäckerei, die später zu einem Lebensmittelladen umfunktioniert wurde. 1974 startete die heutige Kneipe ihren Betrieb. Heinz Sechtem (l.) und Sohn Sebastian freuen sich über das 100-jährige Bestehen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Doch die Ursprünge des traditionsreichen Hauses liegen viel weiter zurück. Sie reichen bis ins Jahr 1919. Seinerzeit fuhren noch Kutschen von Pferden gezogen durch Mechernich. Mit der 100-jährigen Historie des Betriebs ist auch ein gutes Stück Ortsgeschichte verbunden.

Die Kneipe wurde im Jahr 1974 eröffnet. „Es gab damals 17 Stück im Kernort“, erinnert sich Sechtem wehmütig an gute alte und vor allem deutlich bessere Zeiten für Gaststätten.

Mittlerweile sind die meisten allerdings Geschichte, denn nur zwei Betriebe mit purem Kneipencharakter haben heute noch Bestand – neben dem „Em Gardestüffje“ nur noch die Puszta-Hütte. Heinz Sechtem kann noch alle Namen ehemaliger Betriebe – von Greven bis Spitzeck und Horres bis Ruroht – aus dem Eff-Eff aufzählen. Aber eins ist klar, so Sechtem schmunzelnd: „Wir hatten und haben die längste Theke von Mechernich.“ Zehn Meter sei sie lang.

Frühschoppen war Pflicht

In der Woche öffnet die Kneipe täglich ab 17 Uhr die Türen, samstags ab 14 Uhr, sonntags ab 9.30 Uhr, wie gewohnt zum Frühschoppen. „Bei meinem Vater waren beim Frühschoppen die Theken in Dreier-Reihen besetzt, alle Tische mit Skatspielern. Nach der Messe in der Kirche war Frühschoppen Pflicht. Der Sonntag war heilig“, so der Kneipier. Heute sei es schwierig einen Gaststättenbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Zahl der Kunden sinke stetig weiter. Es werde immer schwerer die Menschen vom Sofa zu locken.

Von 1954 bis 1974 war die heutige Gastwirtschaft ein Lebensmittelladen. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Sohn Sebastian hat als Ursache für schwierigere Zeiten die modernen Medien ausgemacht: „Mittlerweile ist man nicht mehr gezwungen sich irgendwo zu treffen, um sich auszutauschen. Es gibt Handys und „Whatsapp“, damit kann man mit seinen Leuten schreiben und über das Neueste austauschen. Das klassische Kneipen-Publikum stirbt leider aus.“

Weitere Standbeine

In weiser Voraussicht hat Heinz Sechtem deswegen schon früh auf weitere Standbeine gesetzt und Räumlichkeiten in den Stockwerken über der Kneipe renoviert und zu attraktiven Apartments umgebaut, die vermietet werden. „Im Rosengraben“ hat er zudem ein altes Fachwerkhaus zum Ferienhaus saniert. 2017 übernahm er auch das Viersterne-Hotel „Komm‘ in“ in Kommern.

„Der Familienbetrieb begann schon 1919“, so Sechtem. In dem Jahr ist sein Großvater von Brühl nach Mechernich gezogen und hat das Haus Rathergasse 24 gekauft. Der gelernte Bäcker und Konditor, er hatte bei dem berühmten Karnevalisten Jupp Schmitz in Köln seine Lehre gemacht, eröffnete in der Bleibergstadt zunächst eine Bäckerei.

Der Lebensmittelladen firmierte lange Zeit unter dem Dach der „Edeka“. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Wir vermuten, dass das Gebäude schon vorher als Bäckerei genutzt wurde“, berichtet Sechtem. Viele typische Dinge waren vorhanden, so auch eine Schütte im ersten Stock in die man Mehl füllen konnte und das unten in einem Knettrog landete. Mit einem kleinen Auslieferfahrzeug wurden die Backware auf sämtliche Dörfer gebracht.

Anfang der 1950er Jahre war die Familie gezwungen umzusatteln. Der Großvater hatte eine starke Mehlstaub-Allergie entwickelt und musste den geliebten Backbetrieb von heute auf morgen einstellen. Doch entmutigen ließ man sich nicht. Mit seinem Sohn Theo eröffnete er ein Lebensmittel-Geschäft, dass von 1954 bis 1974 Bestand hatte, zunächst als Tante-Emma-Laden, später in Selbstbedienung.

Sechtem stolz: „Das war der erste Selbstbedienungsladen hier in Mechernich mit Filialen auf der Heerstraße und der Weierstraße.“ Als der erste Supermarkt „Der böse Wolf“ nach Mechernich kam, gingen die Umsätze rapide zurück. „Die Leute gingen, obwohl sie noch bei uns anschreiben durften, zur Konkurrenz, weil es zwei Pfennige billiger war.“

Innerhalb von zwei Monaten wurde das Lebensmittelgeschäft dann zur Gaststätte umgebaut. Ab 1984 wurde sie zunächst verpachtet, 2008 übernahm Sechtem, der zuvor noch bei einer Versicherungsgesellschaft tätig war, selbst die Regie und erweiterte die Räumlichkeiten um einen Restaurantbereich.  „Klassisch gut bürgerlich“, kann man hier bis heute speisen. An Spezialitätentagen locken Schnitzel, Reibekuchen oder Omas Braten.

Nachwuchs tritt in Fußstapfen

Die Zukunft des „Em Gardestüffje“ sieht jedenfalls rosig aus. Seit Anfang des Jahres ist Sohn Sebastian, der Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaftslehre studierte, offiziell in die Geschäfte mit eingestiegen. Zuvor hat er in Süddeutschland bei einem Start-up im „Food“- also Ernährungs-Bereich gearbeitet.

17 Kneipen gab es im Kernort in den 1970er/80er-Jahren in Mechernich. Heute zählt Heinz Sechtem (l.) nur noch zwei: „Em Gardestüffje“ in der Rathergasse 24 und die „Puszta-Hütte“ im Stiftsweg. Sohn Sebastian ist seit Anfang des Jahres in den Betrieb eingestiegen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der Einstieg in den elterlichen Betrieb kam ein paar Jahre früher als geplant, aber letztendlich ist ihm die Entscheidung nicht schwergefallen: „Ich musste nicht lange überlegen.“ Mit einem Schmunzeln gibt er allerdings zu: „Nachdem ich hier eingestiegen bin, habe ich schnell gemerkt, was das für ein Arbeitsaufwand ist, das Ganze zu betreiben, zu managen und zu organisieren. Man sieht von außen nicht, was alles dahintersteckt.“

pp/Agentur ProfiPress

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