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Kriegsgranaten auf der Spur

Nummer 22 ist jüngster Fund bei Glehn – Stadt will den „Hotspot“ Lukasheide in Zusammenarbeit mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst systematisch untersuchen und freiräumen

Mechernich/Glehn – Die Granate liegt unscheinbar, mit Erde ummantelt am Rande des Ackers. Die Angriffe der Alliierten auf deutschem Boden im Zweiten Weltkrieg sind zwar mindestens 75 Jahre her, dennoch bleiben die Überbleibsel bis heute brandgefährlich – wie auch der jüngste Fund nahe der Kreisstraße 25 zwischen Glehn und Düttling zeigt.

„Das Fundstück hatte auf dem Feld bereits leicht angefangen zu brennen“, berichtet Constantin Hochgürtel vom Mechernicher Ordnungsamt. Die thermische Entwicklung hätte die Sprengladung aus früheren Zeiten durchaus aktivieren können. Das Pärchen, was den Brand bei einer Fahrradtour entdeckte und mit Wasserflaschen versuchte zu löschen, habe „ganz schön Glück gehabt“, so der Verwaltungsmitarbeiter weiter.

Constantin Hochgürtel vom Mechernicher Ordnungsamt zeigt auf das Feld zwischen Glehn und Düttling, wo jüngst die Granate von einem Pärchen gefunden wurde. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Denn bei dem Relikt aus alten Kriegszeiten habe es sich um eine sogenannte Phosphorgranate gehandelt. In Mechernich seien bislang in der Regel Panzergranaten ohne Phosphoranteil gesichtet worden.

„Die meisten Granaten-Funde in den vergangenen zehn Jahren konzentrieren sich im Gebiet namens Lukasheide, also grob gesagt zwischen Glehn, Düttling, Hergarten und Bergbuir“, so Hochgürtel. Dort habe es im Krieg nachweislich längere Gefechte gegeben, während derer auch der Ort Glehn beschossen worden sei. In diesem Areal, rund sechs Quadratkilometer groß, hat Hochgürtel mittlerweile schon 22 Fundstellen notiert.

Luftbilder auswerten und gezielt räumen

„Das Gebiet wollen wir jetzt durch Luftbildauswertungen in Zusammenarbeit mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst genauer unter die Lupe nehmen und gezielt räumen – natürlich in Absprache mit den Eigentümern und Bewirtschaftern“, berichtet Hochgürtel.

Die hiesigen Landwirte gingen von Haus aus meist sehr routiniert mit solchen Funden um. „In den letzten 70 Jahren hat da jeder Landwirt in der Region schon mehrfach seine Erfahrungen mit gemacht.“

Die jüngst entdeckte Phosphorgranate lag jetzt allerdings unweit eines Wanderweges. Daher weist Hochgürtel erneut ausdrücklich darauf hin: „Wenn man auf ein Relikt aus Kriegszeiten stößt, lautet die Regel Nummer eins: Aus der Gefahrenzone begeben!“ Auf keinen Fall sollte man das Fundstück berühren, sondern sofort die nächste Polizeidienststelle oder das Ordnungsamt benachrichtigen. Die informierten dann umgehend die Kampfmittelräumer, wie die Bomben-Entschärfer offiziell heißen. 

Enorme Wucht

Die Wucht des Sprengstoffs sei enorm, wenn eine solche Granate hochgehe, erklärt er weiter: „Im Nahbereich von fünfzig Metern können Sie davon ausgehen, dass Sie das nicht überleben.“ Splitter könnten bis zu einem Kilometer weit fliegen. Bei dem Fund nahe Glehn sei zum Glück kein Zünder mehr vorhanden gewesen. „Der ist offensichtlich beim Abschuss schon abgegangen. Da lag wohl ein Produktionsfehler vor. Hochgehen könne sie aber unter bestimmten Umständen immer noch.

Daher gelte auch in so einem Fall, sich besser fern zu halten. „Zumal die früher verwendeten Sprengstoffe hochgiftig und krebserregend sind“, so Hochgürtel. Deshalb sollte man insbesondere aufgebrochene oder beschädigte Relikte niemals anfassen.

Das Foto zeigt die Phosphor-Granate, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. Foto: Constantin Hochgürtel/pp/Agentur ProfiPress

Bei der systematischen Suche nach weiteren, im Boden schlummernden Überbleibseln des Krieges wird die Stadt auf einen Fundus des Kampfmittelbeseitigungsdienst bei der Bezirksregierung in Düsseldorf zurückgreifen. Der habe mehrere hunderttausend Kriegsluftbilder von den Alliierten erworben, die man für genau solche Auswertungen von Flächen nutzen kann.

„Diese Bilder sind von sehr guter Qualität, sehr hochauflösend“, erklärt Hochgürtel. Sie seien schon zu Kriegszeiten von den Alliierten erstellt worden, um sogleich zu prüfen: was wurde getroffen und was nicht. Die Einschläge der Artillerie-Geschosse oder Fahrbewegungen von Panzern könne man sehr gut darauf erkennen sowie Laufgräben, Geschützstellungen oder Bunker. So könne man die Suche gut eingrenzen.

Die Beseitigung von gefährlichen Relikten aus Kriegszeiten sei kein spezifisches Mechernicher Thema. Die Experten der Kampfmittelbeseitigungsdienste haben 2019 in Nordrhein-Westfalen insgesamt 15.000 Kampfmittel, darunter 11.061 Granaten und 2.160 Bomben, unschädlich gemacht – das geht aus einer Statistik des zuständigen Innenministeriums hervor.

pp/Agentur ProfiPress

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