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Konzepte gegen den Leerstand

Arbeitsgruppe widmet sich seit Anfang des Jahres der Bekämpfung leerer Gebäude – Fachvortrag von Andreas Homburg, Wirtschaftsförderer aus Hiddenhausen

Kall – Was können wir gegen den Leerstand in den Ortschaften tun? Zwar ist die Situation aktuell nicht prekär. Aber durch den demografischen Wandel und der damit einhergehenden Überalterung der Bevölkerung sowie der Tatsache, dass Familien, bedingt durch die Änderungen in der Arbeitswelt, oft nicht über mehrere Generationen hinweg in einem Ort leben, gilt es, in manchen Dörfern genauer hinzuschauen. „Man muss sich fragen: Wo leben Senioren allein, wo leben die Kinder?“, stellt Grünen-Fraktionschef Ekkehard Fiebrich die richtungsweisenden Fragen und ergänzt für seinen Wohnort Sistig: „Da könnten in ein paar Jahren zahlreiche Häuser leer stehen.“

Damit so etwas nicht passiert, wurde im Jahr 2016 die Arbeitsgruppe (AG) Leerstand ins Leben gerufen, die sich aus jeweils zwei Mitgliedern aus jeder der vier Ratsfraktionen zusammensetzt, zur Leiterin der Arbeitsgruppe wurde Petra Mey berufen. In einem ersten Schritt ließ die Gemeinde die Leerstände in den Ortsteilen durch die Ortsvorsteher ermitteln. Anfang 2017 tagte die AG erstmals. Ihr Ziel kann man kurz und knapp mit „Leerstand beheben“ beschreiben. Im Idealfall erfolgt sogar eine Belebung der Orte.

Andreas Homburg, Wirtschaftsförderer und Amtsleiter Gemeindeentwicklung in Hiddenhausen, referierte in Kall. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Stand Mitte 2016 gab es im gesamten Kaller Gemeindegebiet 72 Leerstände. 18 allein in Kall (was aber einer Leerstandsquote von nur 1,26 Prozent entspricht), jeweils einen in Anstois, Benenberg, Gillenberg und Rüth. Relativ gesehen gibt es in Dottel den meisten Leerstand (6,12 Prozent/vier Häuser), in Sötenich den geringsten (0,76 Prozent/zwei Häuser).

In Sachen Wohnraummanagement muss die AG Leerstand das Rad aber nicht neu erfinden. Stattdessen haben die Verantwortlichen über den Tellerrand geblickt und nach bereits erfolgreichen Projekten Ausschau gehalten. Fündig geworden sind sie in Hiddenhausen, einer Gemeinde im ostwestfälischen Kreis Herford. Deren Wirtschaftsförderer und Amtsleiter Gemeindeentwicklung, Andreas Homburg, gab bei der jüngsten Sitzung der AG Leerstand Einblicke in das 2007 gestartete und mehrfach prämierte Konzept „Jung kauft Alt – Junge Menschen kaufen alte Häuser“.

Auch Kalls Bürgermeister Hermann-Josef Esser (2.v.r.) hörte aufmerksam zu. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Wie auch in Kall erfolgte in Hiddenhausen zunächst eine Bestandsanalyse: Wie viele Leerstände haben wir, wo droht Leerstand? Wichtig auch: Die Gemeinde beschloss, keine Neubaugebiete mehr auszuweisen, sondern Altbauten (per Hiddenhausener Definition älter als 25 Jahre) zu veräußern. „Diese Altbaugebiete sind oft näher an der Infrastruktur, haben charmante Gärten und bieten eine gewachsene Nachbarschaft“, zählt Homburg die Vorteile auf. Dabei trat Hiddenhausen nicht selbst als Vermittler auf, sondern arbeitet eng mit Immobilienmaklern zusammen.

Finanzielle Anreize schaffen

Doch die Gemeinde bot Kaufinteressenten auch finanzielle Anreize in Form von kommunalen Förderungen. Wer ein Altbau-Gutachten in Auftrag gab, erhielt dafür einen Grundbetrag von 600 Euro sowie 300 Euro pro vorhandenem Kind, maximal aber 1500 Euro. Beim Erwerb eines Altbaus gab es über einen Zeitraum von sechs Jahren die gleiche Maximalsumme – und zwar pro Jahr. Insgesamt 45 Gutachten und 455 Käufe wurden so in den vergangenen zehn Jahren gefördert, 846 Erwachsene und 515 Kinder leben in den veräußerten Altbauten.

Seit 2010 zählt die Gemeinde mehr Zuzüge als Fortgänge. Das geht natürlich auch ins Geld: Betrugen die ausgezahlten Fördermittel im ersten Jahr noch 20.000 Euro, stieg die Summe zunächst jährlich um 30.000 Euro an und liegt nach einem großen Sprung seit 2014 konstant bei 270.000 Euro jährlich. Etwa drei Viertel dieser Summe kommt durch Schlüsselzuweisungen aber wieder rein. „Für Hiddenhausen hatte das Projekt gleich drei Vorteile: Die jungen Leute kaufen Altbauten, der Immobilienwert blieb stabil und die Gemeinde blieb jung“, formuliert es Homburg.

Die einzelnen Ortschaften der Gemeinde Kall sind sehr unterschiedlich strukturiert und bieten daher auch individuelles Entwicklungspotenzial. Foto: Felix Lang/pp/Agentur ProfiPress

Durch die Bank erhielt Homburgs Vortrag Zustimmung. „Das ist der richtige Ansatz, wir werden vieles als Grundlage mitnehmen“, meinte Ekkehard Fiebrich. Erhard Sohn (SPD) sah „gute Denkansätze“, fordert von der Verwaltung aber noch mehr statistische Daten zu den einzelnen Orten. Sein Parteifreund Emmanuel Kunz missfällt an dem Konzept allerdings die kategorische Absage an Neubaugebiete. Ihm stimmte Kalls Bürgermeister Hermann-Josef Esser (CDU), der an der Sitzung der AG Leerstand teilnahm, zu: „Der gute Mix macht’s.“

Klar ist den Kaller Politikern aber auch, dass eine Umsetzung mit Kosten verbunden ist. „Die Gemeinde Hiddenhausen ist offensichtlich mutiger, wenn sie so viel Geld in die Hand nimmt“, meinte Bernd Klinkhammer (FDP). Für Ekkehard Fiebrich sollte die Erarbeitung des Konzepts im Vordergrund stehen, nicht die finanzielle Frage. Und das Gemeindeoberhaupt Esser ist sich sicher: „Wir werden zuerst einmal Geld in die Hand nehmen müssen.“

pp/Agentur ProfiPress

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