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Kommode war Eingang zur heimlichen Grabung

Lit.Eifel präsentierte in Nettersheim den Autor, Entdecker und Ausgräber Dipl. Ing.Josef Gens – „Grabungsfieber“ ist archäologischer Krimi und wahre Geschichte zugleich – Als junger Mann heimlich bedeutende römische Funde im Keller des Elternhauses ausgegraben – Knapp 15 Meter hohes Grabmal des Poblicius ist heute Prunkstück im Römisch-Germanischen Museum in Köln

Im Rahmen der Lit.Eifel stellte der Autor und Ausgräber Josef Gens in Nettersheim sein Buch „Grabungsfieber“ vor – eine wahre Geschichte, die zugleich ein wahrer Archäologie-Krimi ist. Foto: Alice Gempfer/pp/Agentur ProfiPress

Nettersheim – Wer die Geschichte von Josef Gens hört, die er in seinem Buch „Grabungsfieber“ nacherzählt, vermag es kaum zu glauben. Von dieser wahren Geschichte um die heimliche Ausgrabung eines der berühmtesten römischen Monumente, die je in Köln gefunden wurden, berichtete der Ausgräber im Rahmen der Lit.Eifel im Naturzentrum Eifel in Nettersheim (Kreis Euskirchen). Dort, wo gerade eine Römerstadt ausgegraben wird, hatte die abenteuerliche Grabungsstory des Kölners einen Rahmen gefunden, wie er passender nicht sein könnte.

An den Moment, als er Mitte der 60er Jahre mit seinem Bruder Heinz entdeckte, dass sich unter dem Keller des elterlichen Hauses in der Kölner Südstadt direkt neben dem heutigen „Früh“ eine andere, eigentlich längst vergangene Welt befindet, erinnert sich der heute 70-jährige Josef Gens noch ganz genau. Der Bruder, ein selbständiger Kaufmann und Josef Gens als Maschinenbaustudent waren bei Sondierungsgrabungen im Keller auf einen alten Brunnen gestoßen. Auf dessen Grund, zwölf Meter unter dem Kellerboden, lagen Pfeifenköpfe, in denen noch Tabak zu finden war: „Die Stadtsoldaten haben vermutlich ihre kaputten Pfeifen in den Brunnen geworfen“, wusste Gens zu berichten. Der mittelalterliche Brunnen, ergänzte er, habe wohl zur Vorbefestigung des benachbarten Severinstores gehört.

Richtig los aber ging es, als Gens 1965 aus dem Tessin-Urlaub zurückkam. „Da unten stört ein großer Steinquader, der muss raus“, habe sein Bruder zu ihm gesagt. Es folgte die Sensation: Der 1,2 Tonnen schwere Quader offenbarte zunächst ein Muster und schließlich die beinahe lebensgroße, perfekt erhaltene Darstellung des Hirtengottes Pan. Gens: „Wir haben sofort unsere Eltern und Freunde gerufen und den Steinquader noch am selben Abend aus dem Kellerloch hochgehievt.“

Korrekterweise informierten die jungen Männer am nächsten Tag das Römisch-Germanische Museum. Völlig perplex waren sie dann, als die Stadt Köln ein Grabungsverbot erließ. „Aber wir sind nicht resigniert, sondern wurden trotzig“, berichtete Gens mit einem verschmitzten Lächeln. Was nun begann, war in der Tat ein Archäologie-Krimi: Mit Hilfe von Freunden forschten und buddelten die Brüder zwei Jahre  weiter – und zwar unter höchst abenteuerlichen Bedingungen.

Die Arbeiten wurden meist nachts durchgeführt und blieben selbst den eigenen Eltern im Haus lange Zeit verborgen. Unter anderem bauten die Brüder mit weiteren Freunden dazu einen geheimen, von einer Kommode verdeckten Zugang zum Grabungskeller. Im Keller selbst entstand unter dem Haus in der Südstadt ein bis zu neun Meter tiefes „Bergwerk“ mit mehreren Grabungsstollen. Die jungen Männer verbrauchten während ihrer Grabbungen rund sieben Kubikmeter Fertigbeton, 35 Meter Eisenträger, 10.000 Ziegel und 90 Säcke Zement.

Insgesamt bargen sie in zwei Jahre rund 70 Steinquader, die, wovon man heute ausgeht, vor rund 2000 Jahren zum Grabmal des Römers Lucius Poblicius gehört hatten. Zum Einsatz gekommen war bei deren heimlicher Bergung unter anderem auch eine selbst gebastelte Krananlage. „Poblicius war ein Veteran der römischen »Lerchen-Armee«, deren Helme zwei Lerchenschwingen zierten“, berichtete Gens in Nettersheim. Als die heimlichen Ausgräber schließlich an die Öffentlichkeit gingen, wurde aus der einstündig geplanten Pressekonferenz eine vierstündige, der sensationelle Fund ging durch die Weltpresse.

Das Grabmal des Poblicius ist heute das Prachtstück im Römisch- Germanischen Museum in Köln. Der Maschinenbauingenieur Gens selbst wurde 2012 mit dem Severins-Bürgerpreis ausgezeichnet. Insbesondere auch, weil es seiner Verbundenheit mit der Heimatstadt Köln zu verdanken ist, dass das Grabmal auch dort geblieben ist. Denn schon einen Bruchteil des Grabmals, die Poblicius-Statue, hatte man ihm aus den USA für eine Million D-Mark abkaufen wollen. Mit der Stadt Köln einigten sich die Ausgräber schließlich auf die Hälfte der Summe für den gesamten Fund. Wobei „gesamt“ relativ ist, denn noch heute forscht der Kölner in Archiven und Museumsdepots nach weiteren Steinquadern, die zum Grabmal gehören – und wird immer wieder fündig. „Ich erkenne diese speziellen Steinquader auf den ersten Blick“, so Gens.

Dass er diesen Blick nicht „abstellen“ kann, zeigte sich diesen Sommer bei einem Besuch der Ausgrabungen in Nettersheim, wo eine römische Stadt freigelegt wird. „Mir fielen sofort einige mit Moos überwachsenen  Steinquader am Rande des Areals auf, die man bislang nicht beachtet hatte“, erzählte Gens und ergänzte verschmitzt: „Jetzt werden sie beachtet.“ Im kommenden Jahr wird Josef Gens diese – seiner Einschätzung nach mit Sicherheit römischen – Quader gemeinsam mit dem Nettersheimer Grabungsleiter, Professor  Salvatore Ottisi, genauer untersuchen. Und, wer weiß, vielleicht gibt es ja, wie Bürgermeister Wilfried Pracht anregte, bald eine Fortsetzungsgeschichte  zum „Grabungsfieber“ – aus Nettersheim.

Die Fortsetzung der Lit.Eifel erfolgt am Dienstag, 26. November, im belgischen St. Vith. Dann liest Sarah Stricker aus ihrem Roman „Fünf Kopeken“. Das große Finale der Lit.Eifel-Premiere folgt  am Wochenende 23. und 24. November mit der ersten Eifeler Buchmesse wiederum im Nettersheimer Naturzentrum.

pp/Agentur ProfiPress

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