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Jüdische Schwestern aus Sydney auf Spurensuche

Gillian Simon und Ingrid Atkins aus Australien besuchten das Grab ihrer Urgroßeltern auf dem jüdischen Friedhof in Mechernich

Bewegender Moment: Zum ersten Mal stehen Gillian Simon (r.) und Ingrid Atkins aus Sydney am Grab ihrer Urgroßeltern auf dem jüdischen Friedhof in Mechernich. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

Mechernich – Viel Zeit nahm sich Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick für vier besondere Besucher in seiner Stadt: Aus dem australischen Sydney waren Gillian Simon und Ingrid Atkins mit ihren Ehemännern Tom Atkins und Darren Kindrachuk nach Mechernich gekommen. Dort besuchten sie im Rahmen einer zweiwöchigen Europareise auf den Spuren ihrer jüdischen Vorfahren unter anderem die Gräber ihrer Urur- und Urgroßeltern auf den jüdischen Friedhöfen in Mechernich und Bleibuir.

Auf ihrem Rundgang zu den Stätten ihrer verstorbenen Familienmitglieder begleiteten sie neben Dr. Schick das Ehepaar Gisela und Wolfgang Freier, das hervorragende Kenntnisse besitzt über die jüdische Vergangenheit Mechernichs sowie der Bleibuirer Ortsvorsteher Franz-Josef Hahn, der den weitgereisten Besuchern viel über die jüdische Kaufmannsfamilie Simon zu erzählen wusste. Für die reibungslose Verständigung sorgte mit ihren hervorragenden Englischkenntnissen Martina Baum. Die Lehrerin der städtischen Hauptschule Mechernich hat zu Beginn des Jahres nach der Pensionierung von Gisela Freier die Schüler-Arbeitsgemeinschaft „Forschen-Erinnern-Handeln“ übernommen.

Die engagierte Schülergruppe hält in ihrer Freizeit das Andenken an die ermordeten jüdischen Mitbürger im Stadtgebiet Mechernich hoch, bereitet Stolperstein-Verlegungen vor, gestaltet Gedenkstunden und hat die Patenschaft über den jüdischen Friedhof in Mechernich übernommen. Auch auf den Empfang der Australier hatten sich Schüler der neunten und zehnten Klasse vorbereitet. So hatten sie noch einmal die 42 Gräber in Ordnung gebracht – darunter auch das Grab von Alex Simon und seiner Frau Julie geb. Nordheim, den Urgroßeltern von Gillian Simon und Ingrid Atkins.

Nach jüdischem Brauch legten die Schwestern kleine Steine auf die Grabsteine, während die Ehemänner Erinnerungsfotos aufnahmen. Mit 42 Grabsteinen ist der jüdische Friedhof in Mechernich einer der größten im Kreis Euskirchen und dank seiner Lage im Wald ein stimmungsvoller Ort. 1936 habe hier die letzte Beerdigung stattgefunden, erfuhren die Besucher von den Schülern. Damals wurde Bertha David, die Frau des bekannten Mechernicher Hausarztes Dr. Robert David, beigesetzt. „Eine Hälfte des Doppelgrabes aber blieb leer“, berichtete ein Schüler, „denn Dr. Robert David wurde im Holocaust ermordet.“

Zuvor hatte die Delegation in der Turmhofstraße Station gemacht, wo das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Kaufmannsfamilie Simon steht. Alex Simon verkaufte dort Bekleidung und führte außerdem das damals weit und breit größte Lager für Schuhe und Stiefel. Zuvor hatte die Familie einen Laden in Bleibuir betrieben.

Ein weiterer Abstecher galt dem jüdischen Friedhof in Bleibuir, wo der Ururgroßvater der Schwestern, Andreas Simon, ruht. Vor dem Rundgang durch den Ort lud Ortsvorsteher Franz-Josef Hahn die Australier und ihre Begleiter zu einem Umtrunk ein und überreichte ihnen Kopien und Abschriften zahlreicher Dokumente, so etwa die Eröffnungsanzeige des Geschäftes in Bleibuir und Immobilien-Kaufverträge. „Das Leben im Ort wurde wesentlich von der Familie Simon geprägt“, wusste er zu berichten. „Überwältigt und sprachlos“, übersetzte Martina Baum, seien die Schwestern angesichts der aufwändigen Recherchen und der Mühe, die Franz-Josef Hahn gemacht hatte, um den Gästen Erinnerungsstücke mitgeben zu können. Anschließend führte Hahn sie zu ehemaligen Wohnhäusern der Familie und zu der Stelle, wo einst das jüdische Bethaus stand.

Zum Abschluss des Besuchs lud Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick ins Café „Zehntscheune“ in Eicks ein. Von dort aus setzten die Australier ihr straffes Reiseprogramm fort, das sie in nur zwei Wochen quer durch Europa führt. So ging es noch am selben Tag weiter nach Maastricht. Angereist waren die beiden Ehepaare aus Breslau. Dort verstarb 1932 der Großvater, Dr. Max Simon, Sohn von Alex und Julie Simon, der in Breslau als Arzt tätig war. 1939 gelang der Familie Simon die Flucht nach Australien.

In Vorbereitung auf ihre Europa-Reise haben Gillian Simon und Ingrid Atkins eine intensive Spurensuche angestellt und mit Hilfe des Internet-„Familienbuches Euregio“ verwandschaftliche Beziehungen im Stadtgebiet Mechernich entdeckt, die bis ins Jahr 1700 zurückreichen. Im Zuge ihrer Recherchen wandten sie sich bereits vor zwei Jahren an Beate Meier vom Archiv der Stadt Mechernich. Diese stellte den Kontakt zu den Eheleuten Freier her. „Zu diesem Zeitpunkt wussten wir praktisch nichts über die Geschichte der Familie Simon“, berichtete Wolfgang Freier. Mit der Anfrage aus Sydney hat sich das gründlich geändert.

pp/Agentur ProfiPress

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