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Lit.Eifel 2013: Romandebütantin Sarah Stricker (33) überzeugte im St. Vither „Triangel“ mit exzellenter Sprache und temporeichem Erzählstil – Guido Thomé führte gekonnt durch den Abend und beschloss das neue Nordeifeler Literaturfestival mit den Worten: „2014 geht es weiter – Kommen Sie wieder und bringen Sie Freunde mit, es lohnt sich, wie Sie gesehen haben“

Boten großartige Unterhaltung bei der Abschlusslesung des neuen Literaturfestivals „Lit.Eifel“ im St. Vither Kulturzentrum „Triangel“: Romandebütantin Sarah Stricker (33) und Moderator Guido Thomé. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

St. Vith/Eifel – Exzellente Sprache, wagemutige Texte, mitgehende Moderation: Das war das Resümee der 16. und für 2013 letzten Lesung des ersten neuen Nordeifeler Literatur-Festivals „Lit.Eifel“ am  Dienstagabend im „Triangel“, dem Kulturzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, in Sankt Vith.

Eingeladen war die erst 33jährige Roman-Debütantin Sarah Stricker („Fünf Kopeken“, Eichborn-Verlag), die eigens aus Tel Aviv eingeflogen war: „Meine israelischen Bekannten waren ganz aus dem Häuschen, dass es in Belgien eine deutschsprachige Gemeinschaft gibt“. Dass diese gut 60.000 Einwohner zählende belgische Gemeinschaft mit eigenem Ministerpräsidenten und Ministern zur internationalen Eifelregion zählt, dürfte unterdessen auch manchen Deutschen überraschen.

Die gelernte und mehrfach ausgezeichnete Journalistin Sarah Stricker gefiel in St. Vith mit einem mitreißenden und mit Sprachbildern reichen, aber keineswegs überfrachteten Schreibstil, der auf eine künftige steile Karriere der Korrespondentin deutscher und israelischer Medien auch als Belletristik-Autorin schließen lässt.

Und: Die Romandebütantin schockierte durchaus den einen oder anderen Zuhörer mit einem intimen und detailreich geschilderten Tete-a-Tete zwischen „meiner Mutter“ und ihrem Vater. Dass die Mutter keinen, der Vater „Arno“ sehr wohl einen Namen hat, besitzt System im Roman: Der Leser soll veranlasst werden, über die eigene Mutter und ihr sonstiges Leben vor, während nach ihrem vorgeblichen Ausschließlich-Mutter-Sein nachzudenken.

Das Fazit der Beziehung zwischen Arno und „meiner Mutter“ sei vorweg genommen: „Er liebte sie, und das verzieh sie ihm nie“. Man ahnt es bereits: Es geht um – in dem Fall vom geschäftstüchtigen Großvater antrainierte Rollen-Funktionalität und damit verbundene Emotionslosigkeit.

Erste Verliebtheit? „Meine Mutter“ reagiert überlegen: „Schmetterlinge gehören aufgespießt, aber nicht in den Bauch“. Oder: „Solange einem etwas weh tut, weiß man wenigstens, dass man noch da ist“.

Der von Guido Thomé von der Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Berater und Pressereferent im Kabinett Isabelle Weykmans, der Ministerin für Kultur, Medien und Tourismus, hervorragend und behutsam moderierte Abend, stellte manche Zuhörer gleichwohl vor Grundsatzfragen: „Wie kann man so etwas über »seine Mutter« schreiben?“ „Ein Sohn könnte das nicht“, meinte ein Mann im Auditorium.

Womit das alte Problem, der Unterscheid zwischen Realität und Fiktion in der Literatur, offengelegt war. Und die Autorin gab bereitwillig Auskunft, wie sie sich in die Figuren und auch in die Umgebung der Handlung „eindenkt“. Sarah Stricker: „Manchmal, wenn ich über meinen echten Großvater erzähle, den ich kaum gekannt habe, ertappe ich mich dabei, dass ich über meinen Großvater im Roman erzähle . . .“

„Meine Mutter war sehr hässlich. Alles andere hätte mein Großvater ihr nie erlaubt“, schreibt Sarah Stricker. Aber sie meint etwas ganz anderes: Sie provoziert das Klischee, dass Frauen entweder hübsch oder schlau sein können, aber nie beides gleichzeitig. Das sei auch das Phänomen, das Bundeskanzlerin Angelika Merkel in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem „geschlechtslosen Etwas“ werden lasse.

Nein, ihre eigene wirkliche Mutter sei ihr nicht böse, ganz im Gegenteil, und ins pfälzische Heimatdörfchen Schwegenheim bei Speyer dürfe sie sich auch weiter wagen, verriet Sarah Stricker dem Moderator. Probleme habe es erst gegeben, als die Medien schrieben, ihr Roman trage autobiographische Züge.

In den Romanauszügen, die Sarah Stricker im St. Vither „Triangel“ las, wurde freilich klar, wie eng und austauschbar Mutter- und Tochter-, Eltern- und Kinderrollen in diesem Werk sind: „Ihr Gesicht wirkte wie eilig zusammengeschraubt, aber es war das Gesicht »meiner Mutter«. Und ich liebte es – bis ich es in meinem Gesicht entdeckte . . .“

„Fünf Kopeken“ ist kein Entwicklungsroman, er ist eine Rückblende. Schon auf der zweiten Seite wird das Ende vorweggenommen: „Erst kurz vor Schluss, als sie sich schon nicht mehr allein aufrichten konnte und ich sie mit dem Löffel füttern musste, wurde sie mit einem Mal schön.“

„Meine Mutter“ liegt, kaum fünfzig Jahre alt, krebskrank im Sterben. Und ihre Zukunft „schnurrt zusammen, wie ein Planschbecken, wenn man am Ende des Sommers den Stöpsel zieht.“ Da beschließt sie, es mit der Vergangenheit aufzunehmen. Von da aus geht der Roman in die Rückblende, Schluss mit dem Rollenspiel und mit der Geheimnistuerei. „Meine Mutter“ erzählt ihrer Tochter  aus ihrem Leben, von Kindheit an, und, vor allem, von ihrer großen Liebe, die  nicht Arno war . . .

Die St. Vither Lesung bot insgesamt große Literatur, da gibt es gar keinen Zweifel. Und sie war professionell organisiert und moderiert von Guido Thomé (Kulturministerium) sowie von Josef Schroeder, dem Geschäftsführer des St. Vither Kulturforums „arsVitha“ sowie Joachim Starke, dem Manager des neuen Nordeifeler Literaturfestivals „Lit.Eifel“.

Moderator Thome schloss den Abend mit der Versicherung: „Das war die letzte Lesung der Lit.Eifel 2013, aber wir kommen wieder: 2014 geht es in die zweite Runde, und, alle die Sie hier waren, bringen Sie im kommenden Jahr bei der Lit.Eifel 2014 noch ein paar Freunde und Freundinnen mit. Es lohnt sich, wie sie gehört und gesehen haben.“

pp/Agentur ProfiPress

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