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Im Zielhafen angekommen

Schüler bekamen ihre letzten Abschlusszeugnisse überreicht – Mechernicher Realschule im Feytal schließt für immer die Türen – Lehrer rockten, rappten und griffen zur Shisha-Pfeife – Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick wiederholte die guten Gründe für die vor Jahren getroffene Entscheidung

Mechernich – Die Lehrer der drei Abschlussklassen machten einen auf cool in der Aula des Schulzentrums: Vera Lukaschewski-Weigand, Barbara Prawdzik und Guido Stehle rockten und rappten ein Potpourri der nennenswerten Ereignisse vergangener Schuljahre an der Realschule im Feytal. Sie nahmen das Zuspätkommen der Schüler, die fehlenden Unterschriften unter Klausuren und das ausdauernde Murren über Hausaufgaben aufs Korn. Sie griffen sogar zur Shisha-Pfeife.

89 Abschlussschüler bekamen ihre Zeugnisse überreicht

Die 89 Abschlussschüler der Realschule nahmen die Parodie mit Humor. Sie feierten ihren letzten Schultag und nahmen freudestrahlend die lang ersehnten, teilweise wohl hart erarbeiteten Zeugnisse aus den Händen der Lehrer entgegen. Es wurde gedrückt und herzlich umarmt.

Mit der Abschlussfeier geht jedoch auch ein anderes Kapitel zu Ende:  die Mechernicher Realschule schließt endgültig zum Ende des Schuljahres ihre Pforten. Für Schulleiter Björn Petry und die Lehrerschaft war es daher auch die letzte gemeinsame Zeugnisübergabe.

Guido Strehle (v.l.), Barbara Prawdzik und Vera Lukaschewski-Weigand, die Lehrer der drei Abschlussklassen, rockten und rappten ein Potpourri der nennenswerten Ereignisse vergangener Schuljahre an der Realschule im Feytal, die am Endes des Schuljahres für immer geschlossen wird. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Petry beglückwünschte die Absolventen. Er sagte: „Ich bin überzeugt, dass die Realschule Euch optimal vorbereitet hat.“ Vor Steinen auf dem (Lebens-)Weg brauchten die Schüler nicht bange sein. „An Umwegen werdet ihr reifen und neue Kraft schöpfen“, so der scheidende Schulleiter.  Schließlich – so habe Goethe schon festgestellt – könne man aus Steinen auch Schönes erbauen.

„Amandla“, rief hingegen Lehrerin Barbara Prawdzik während ihrer Ansprache plötzlich in den Saal – das so viel bedeutet wie: „Die Macht dem Volke!“.

Ein Partyboot namens Gesamtschule

Die Lehrerin hatte zuvor gegen den Schulträger gewettert, der als „Großreeder“ lieber auf ein „Partyboot“ namens Gesamtschule setze, statt die leistungsstarken, wendigen Boote und Fregatten (Haupt- und Realschule) zu halten.

Prawdzik berichtet von desolaten Eindruck der „Mannschaft“ nach der Entscheidung: „Einige hingen in den Seilen, einige waren über Bord gegangen oder gerade dabei  und hingen über der Reeling, einige wollten lieber schwimmen und im Wasser toben, wieder andere brüllten den Haufen an, gefälligst die Ruder anzupacken, damit es vorwärts ging.“

Petry beglückwünschte die Absolventen. Er sagte: „Ich bin überzeugt, dass die Realschule Euch optimal vorbereitet hat.“ Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Drei Tage habe man in Düttling seinerzeit gemeinsam an Strategien und Lösungen gearbeitet, um wieder Kurs aufzunehmen. „Wir lernten das Miteinander und Partizipation Zauberwörter sind“, so Prawdzik. So habe man gemeinsam den Zielhafen erfolgreich angesteuert.

Den Schülern habe die Schule mit den Jahren Anker, Rettungsring und Leuchttürme an die Hand gegeben. Prawdzik ist überzeugt: „Die Reeder, die Euch nun übernehmen, dürfen sich die Hände reiben.“

„Als Raupen waren wir schon Raufbolde“, gab Schülersprecher Tim Kruschke zu. Doch, wenn er sich jetzt umschaue, sehe er nun einen „Schwarm schillernder, bunter Schmetterlinge“, die bereit seien in die Welt auszuschwärmen.

Er sei sich durchaus bewusst, dass viele Mitbürger und Schüler die Entscheidung Pro Gesamtschule nicht nachvollziehen konnten, sie sei dennoch notwendig gewesen, betonte Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick in seiner Ansprache vor den Realschulschülern. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick motivierte die jungen Menschen, immer offen für Neues zu bleiben, bereit sein, weiter zu lernen. Das Lernen höre niemals auf. „Jeder der aufhört zu lernen ist alt, mag er 20 oder 80 Jahre zählen. Jeder der weiter lernt, ist jung, mag er 20 oder 80 Jahre alt werden“, zitierte das Stadtoberhaupt Henry Ford.

Die Absolventen sehen sich goldenen Zeiten gegenüber, machte er deutlich: „Spielte früher auch der Arbeitsmarktbedarf eine große Rolle, so seid ihr heute in der angenehmen Situation sich einen Arbeitsplatz aussuchen zu können.“ Er sprach den Schülern Mut, die Chancen des Lebens zu nutzen.

Freuten sich über Abschlusszeugnisse: die Schüler der Klasse 10A der Realschule im Feytal. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Schick dankte besonders dem Gründungsrektor und langjährigen Leiter Willy Krause. In 17 Jahren seien an der Schule 1102 Schüler erfolgreich beschult und optimal auf den weiteren Lebensweg vorbereitet worden.

Er sei sich durchaus bewusst, dass viele Mitbürger und Schüler die Entscheidung Pro Gesamtschule nicht nachvollziehen konnten, sie sei dennoch notwendig gewesen, betonte Schick. Auch, wenn die Realschule bis dahin durchaus eine Erfolgsgeschichte gewesen sei.

Freuten sich über Abschlusszeugnisse: die Schüler der Klasse 10B der Realschule im Feytal. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Unser Sorgenkind war nicht die Realschule, sondern die Hauptschule“, machte der Bürgermeister deutlich. Die Anmeldezahlen seien stark rückläufig. Das Schließen der Hauptschule am Standort Mechernich wäre unausweichlich geworden. Potenzielle Hauptschüler hätten weite Wege zu den im Kreis verbliebenen Hauptschulen nach Zülpich, Bad Münstereifel oder Hellenthal auf sich nehmen müssen. Das hätte dem Anspruch der Mechernicher Politik widersprochen, allen jungen Menschen aus Mechernich eine ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen angepasste Schulausbildung in Mechernich zukommen zu lassen. Mittlerweile habe sich die Gesamtschule allen Unkenrufen zum Trotz in Mechernich etabliert. 2018/2019 starte die Einrichtung erstmals sechszügig mit 166 Schülern.

Freuten sich über Abschlusszeugnisse: die Schüler der Klasse 10C der Realschule im Feytal. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die letzten Absolventen der Realschule sind am Ende der Feier jedenfalls glücklich. „Ich fand die Veranstaltung etwas ganz Besonderes, nicht nur weil wir eine neue Abgangsstufe sind sondern weil wir diejenigen waren, die die Türen von der Schule geschlossen haben und ein letztes Bild der Öffentlichkeit gezeigt haben“, sagte Til Voß, einer der Absolventen, der mit Maurice Kastert durch das Programm des Abends führte.

Es sei viel Stress gewesen, den Abschluss perfekt zu gestalten, so Voß, sogar mehr als die Vorbereitung für die Abschlussprüfungen. Aber es hat sich gelohnt: „Wir haben einen Abschluss gehabt, wie wir ihn haben wollten.“

Historie der Schule

Die Realschule Mechernich ist im August 2001 gestartet. Fünf Lehrkräfte machten sich daran mit 96 Kindern und Unterstützung der Mechernicher Stadtverwaltung, Politiker und Bezirksregierung, die neue Schule – neben Grundschule, Hauptschule und Gymnasium – im Stadtgebiet aufzubauen. Schulleiter wurde Willy Krause.

Die Realschule war zunächst noch beheimatet in der Grundschule Satzvey. Nach nur einem Jahr wurde ein wichtiges Teilziel erreicht: ein eigens neues Gebäude mit Klassen- und Fachräumen in Mechernich.

2005 wurde nach einem Ratsbeschluss der Erweiterungsbau in Betrieb genommen. 2011 wurde die Schule umbenannt von „Realschule Mechernich“ zu „Realschule im Feytal“.

Mit 64 Jahren verabschiedete sich Willy Krause 2016 in den Ruhestand. Sein Konrektor Björn Petry trat kommissarisch in seine Fußstapfen.

Seit 2013 waren keine neuen Schüler mehr aufgenommen worden, so wurde der Schulbetrieb sukzessive verkleinert. Am Samstag, 7. Juli, ab 19 Uhr, feiert die Schule in der Schützenhalle in Schwerfen eine „Schools Out Party“. Eingeladen sind laut Förderverein ehemalige Schüler, Lehrer und Gönner der Schule.

pp/Agentur ProfiPress

 

 

 

 

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