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„Hier steppt der Bär. Auch politisch.“

Willi Göbbel geht nach über 46 bewegten Jahren in den Ruhestand und schließt damit ein spannendes Kapitel der Schullandschaft Mechernichs

Mechernich – „Ja, Wahnsinn“, sagt Willi Göbbel bestätigend. Als einer der Chefs der Schulen beim Schulträger, der Stadt Mechernich, ist er seit gefühlt ewigen Zeiten für die Landschaft der Bildung mitverantwortlich und hat die Entwicklung fast zweieinhalb Jahrzehnte lang eng begleitet. Wer glaubt, auf dem Sektor habe sich nicht viel verändert, irrt gewaltig. Gefühlt ist in dieser Zeit in der Schullandschaft kein Stein auf dem anderen geblieben. In kaum einem anderen Verwaltungsbereich ist so viel an Entwicklung passiert.

Langweilig wurde Willi Göbbel als Teamleiter „Bildung“ nie. Die Schullandschaft in Mechernich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert wie nie. Mitte November geht der Verwaltungsmitarbeiter in den Ruhestand, seine Nachfolgerin Kerstin Lehner steht schon in den Startlöchern. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Der große Trend der Nachmittagsbetreuung und Offenen Ganztagsschulen kam. „Das fing ganz zaghaft an“, so Göbbel. Die Anträge wurden jedoch mehr, der Druck aus der Politik wurde immer größer. Die ersten Grundschulen, Mechernich und Kommern starteten, später kam Lückerath und noch viel später Satzvey mit dem Zusatzangebot für die Schüler hinzu. „Das ist ein Renner geworden“, stellt der Teamleiter „Schulen und Bildung“ fest. Ungefähr zehn Prozent der Kinder waren schon damals angemeldet für die Betreuung, heute mit über 50 Prozent noch mehr. Tendenz weiter steigend.

Plötzlich Realschule

Aber auch Holter-die-Polter-Veränderungen gab es zuhauf. Mechernich braucht eine Realschule, weil „Mengen an Plätzen“ im Kreis Euskirchen fehlten, hieß es plötzlich. „Da mussten wir der Bezirksregierung anhand von Zahlenberechnungen nachweisen, dass Mechernich eine Realschule braucht und die anderen nicht beeinflusst“, so Göbbel. Schon ein Jahr später sollte sie an den Start gehen. Aus Platzgründen, es musste erst angebaut werden, wurden die Realschulfünftklässler in Satzvey in der Grundschule untergebracht. „Das waren schon lustige Zeiten. Da musste man flexibel bleiben.“ Parallel musste in Rekordzeit gebaut werden. Göbbel: „Immer wieder was Neues“

Ein paar Jahre später hieß die Marschroute: „Wir legen die Hauptschulen zusammen“, weil die Zahlen extrem zurückgingen. Die große Frage lautete aber, wie lösen? „Da hatten wir eine verrückte Idee: Wir tauschen die Standorte“, so Göbbel. Damals gab es eine Hauptschule in Satzvey sowie eine Hauptschule in Mechernich, die aber nicht genügend Platz bot, um die Satzveyer Hauptschüler aufzunehmen. Kurzerhand wurde die Förderschule, die bis dahin in der Barbaraschule im Kernort beheimatet war, nach Satzvey verlegt und die Barbaraschule wurde im Gegenzug zur Dependance der Mechernicher Hauptschule. „Da war in einem Sommer eine Riesenumzugsaktion“, erinnert sich Göbbel.

Vom ruhigen Schulamtsleben also keine Spur. „Hier steppt der Bär. Auch politisch. Da bekommst Du eine neue Regierung in NRW und die profilieren sich immer über das Bildungssystem“, kann der Teamleiter ein Lied von singen, was sich alles getan und verändert hat.

In Mechernich hielt 2012 die Idee einer Sekundarschule bzw. Gesamtschule Einzug. „Das bedeutete aber, das dreigliedrige Schulsystem mit Hauptschule und Realschule musste aufgelöst werden. Da waren einige dicke Bretter zu bohren“, so Göbbel. Mit der Gemeinde Kall zusammen wurde der Plan umgesetzt. Ein spezieller Schulentwicklungsplan war zu schreiben. Mechernich wurde zunächst Hauptsitz und Kall Zweigestelle und Dependance, bis dann letztere zwei Jahre später gänzlich aufgelöst wurde. Da musste Willi Göbbel sogar Pfeifkonzerte der Schüler und Eltern bei der Verkündung vor Ort aushalten.

„Das war ein Zirkus“

Die Gesamtschule kann sich mittlerweile schon auf den ersten Abiturjahrgang freuen, der 2022 die Schule verlassen wird. Göbbel: „Dann sind die auch komplett.“ Inzwischen wurde auch die Förderschule aufgegeben bzw. nach Zülpich abgegeben. An die Stelle in Satzvey trat die „Freie Veytalschule“. Parallel wurde dann auch noch ab dem Schuljahr 2010/2011 der Wechsel von G9 auf G8 und umgekehrt an Gymnasien umgesetzt. „Das war ein Zirkus“, sagt Göbbel.  Zu Beginn seiner Amtszeit musste er auch erstmal den vierten Grundschulbezirk Satzvey einführen.

Besonders ist in Mechernich auch, dass ein eigener Schulentwicklungsplan geschrieben wird. „Das ist so seit der Ära Baans und Schaper“, so Göbbel: „Der Vorteil ist, dass man als Schulträger gleich weiß: Wo geht denn der Trend oder auch die Schülerzahlen hin.“ So könne man auch frühzeitig überlegen, wo muss man anbauen oder gegenlenken. Deshalb wurden auch wieder Grundschuleinzugsbezirke 2020 gebildet.

In all seinen Amtsjahren konnte sich der Teamleiter auf eine hervorragende Zusammenarbeit mit seinem Vorgesetzten Holger Schmitz verlassen. Denn mit dem ist er sozusagen aufgewachsen und kennt ihn schon seit der fünften Klasse an der Realschule Gemünd. „Jetzt ist er schon seit Jahren mein Vorgesetzter. Wir sind wie Pat und Patachon“, so Göbbel.   

In Kürze verlässt Willi Göbbel seinen Kompagnon und geht in den Ruhestand. Wie Holger Schmitz hat der heutige Teamleiter am 1. August 1975 bei der damaligen Gemeinde Mechernich angefangen. „Wir starteten mit sieben Auszubildenden, davon sind sechs heute immer noch in der Verwaltung tätig. Wir haben Standfestigkeit bewiesen“, erzählt Göbbel schmunzelnd. Im Oktober des gleichen Jahres erhielt die Gemeinde dann Stadtrechte.

Willi Göbbel ist aus dem Sextett mit 64 Jahren der Älteste und geht daher als Erster des Sechserteams in den Ruhestand. Holger Schmitz, Bernd Stemmler, Peter Dierichsweiler, Franz-Josef Caster, Hans-Peter Siebum werden folgen. Mit dem Weggang endet dann auch eine Ära. Kein Verwaltungsmitarbeiter ist länger als die Fünf im Rathaus tätig. Begonnen hatte Willi Göbbel seine Karriere und Laufbahn in der Stadtverwaltung mit einer Ausbildung zum Verwaltungsangestellten, die er im Juni 1977 und damit schon nach anderthalb Jahren erfolgreich abschloss. „Dann bin ich in der Finanzabteilung eingesetzt worden,“ denn Zahlen liebt er.

Zwischendrin wurde er für 15 Monate Dienstzeit zum Bund berufen, danach wechselte er zum Ratsbüro und arbeitete gemeinsam mit Dieter Ferber. Zu Göbbels Aufgaben gehörten seinerzeit die Bearbeitung der Niederschriften, Hauptausschuss und Rat, und vor allem die Vorbereitung und Abwicklung Wahlen. „Mir kommt es so vor, als ob bei mir ‚Wahlen‘ auf der Stirn geschrieben steht“, sagt er und lacht. Seit gut 46 Jahren mischt er da kräftig mit.

Nachdem er den ersten Angestellten-Lehrgang in der Tasche hatte, bewarb er sich auf die Ausschreibung einer Inspektorenstelle der Stadt. Praktisch musste er kündigen und wurde belohnt mit dem Titel Diplomverwaltungswirt. Danach ging es für ihn zum Rechnungsprüfungsamt und kurzfristig nach Weilerswist. „Bei uns ist der Kämmerer ausgefallen, habt ihr keinen, der uns einen Haushalt aufstellen könnte?“, fragten die. Theoretisch frisch neu gelerntes konnte also gleich angewandt werden.

Göbbels Nachfolgerin

Zurück im Ratsbüro kamen „Schaper und Baans“, die neue Führungsspitze der Stadt, und mit ihnen wurde die alte Struktur der Ämter in Fachbereiche umgewandelt. So wurde ein neuer Fachbereich aus dem früheren Sozialamt und Schulamt zusammengelegt. Holger Schmitz wurde 1998 Stellvertreter und kurze Zeit später Fachbereichsleiter. „So wurde ich Teamleiter Bildung- und Soziales und bin es bis heute“, berichtet Göbbel. In seine Fußstapfen wird Nachfolgerin Kerstin Lehner treten, die bereits im Team „Bildung, Kultur und Tourismus“ tätig ist.

Mit gewonnener Freizeit im Ruhestand, will sich der Mechernicher mehr um Familie, Haus und Garten kümmern. Seine beiden Enkel werden ihn bestimmt schön auf Trab halten. Und außerdem gehen sie bald auch zur Schule. Da kann ihr Großvater sie dann ja bestens beraten…

pp/Agentur ProfiPress

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