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Herrlich verrückte Akteure

Grandioser Mix aus Kitsch und Ironie beim Lit.Eifel-Leseabend „Alpenglühn“: Ralf Kramp, Hubert vom Venn, Erika Kroell und Jacques Berndorf widmeten sich dem Groschenroman

Nicht nur das Lit.Eifel-Publikum, auch die Protagonisten Hubert vom Venn (von links), Ralf Kramp, Erika Kroell und Jaques Berndorf amüsierten sich königlich beim „Alpenglühn“ in der Heimbacher Burg Hengebach. Foto: Claudia Hoffmann/pp/Agentur ProfiPress

Heimbach – Um es vorweg zu nehmen: Das war die wohl schmalzigste, triefendste und zugleich ironisch-witzigste Veranstaltung, die das ehrwürdige Gemäuer der Heimbacher Burg Hengebach wohl jemals erlebt haben dürfte. Dort nämlich widmeten sich die bekannten Eifeler Autoren Ralf Kramp, Hubert vom Venn, Erika Kroell und Jaques Berndorf alias Michael Preute im Rahmen des Lit.Eifel-Abends mit dem verheißungsvollen Titel „Alpenglühn“ einem doch eher verkannten Genre der Literatur: dem Groschenroman.

„In der ersten Stunde lesen wir für die Zuschauer mit den roten Bändchen. Die mit den blauen warten bitte so lange vor der Tür. Dann machen wir‘s umgekehrt. Wir werden sie übrigens am Ende auch abfragen. Es schadet also nicht, wenn Sie sich Notizen machen“, setzte ein bestens aufgelegter Ralf Kramp ablauftechnisch gleich zu Beginn schon mal die wesentlichen Eckpunkte. Nachdem dann auch die Farbdramaturgie geklärt war („Hab ich gelb?“ „Nein, ich!“ „Michael, warum liest du jetzt die grünen Stellen?“), ging es gleich mitten rein in die wunderbare Welt der Heimatromane, in denen das Blut leidenschaftlich in den Adern pulsiert und der „Watzmann“ mit Inbrunst ruft. Was dann folgte, war Lesung und Comedy, Schalk und Improvisation par excellence.

Fortan lautete nämlich die Frage des Abends definitiv: Wer fällt zuerst vor Lachen vom Stuhl? Das Publikum oder gar die Protagonisten auf dem mit roten Alpenveilchen dekorierten Podium selbst? Zum großen Vergnügen der Zuhörer schlüpfte Hubert vom Venn in die Rolle des schwarzgelockten, braungebrannt-muskulösen Skilehrers, mit dem er optisch aber auch wirklich so gar nichts gemein hat. Und nicht nur das: Hubert vom Venn hatte den Beruf des Skilehrers schon früh aus seiner persönlichen Favoritenliste verbannt, wie er in einer heiteren Rand-Anekdote berichtete. Als kleiner Junge habe er neue Skier bekommen, so vom Venn, und die bei seinen ersten ungeschickten Gehversuchen im elterlichen Wohnzimmer versehentlich in den brennenden Kamin manövriert.

Ein hinreißend knurriger Jacques Berndorf flankierte das Geschehen, fasste sich von Zeit zu Zeit vorgeblich-verzweifelt an die Stirn und kommentierte subtile Syntaxkonstruktionen in der Art von „Er hatte nie mehr als eine Geliebte gleichzeitig“ oder „Als der Morgen graute, graute auch die Freude“ mit einem fassungslosen „Was für ein Stuss“. Mit sichtlicher Wonne entführte das in edlen Bergzwirn gehüllte Quartett in alle nur erdenklichen Höhen und Tiefen der erlesenen Herzschmerz-Geschichten, wobei sich häufig schon die Titel als echte Brüller erwiesen. Allen voran „Die Näherin von St. Christoph – Wird  sie je ihr eigenes Brautkleid nähen“, dicht gefolgt von „Susanne, die singende Bäuerin – Bezaubernder Roman um ein Frauenschicksal in den Bergen“ oder „Gefahr für Prinzessin Miriam – Sie merkte nicht, dass sie nur ein Spielzeug war“.

Während sich die vorsorglich taschentuchbewehrte Erika Kroell ein ums andere Mal die Tränen aus den Augen tupfte, verlegte vom Venn das dramatische Geschehen der Fürstenromane fröhlich nach Kalterherberg, und Kramp kündigte sensationsheischend an: „Wir steigen jetzt mitten in die Handlung ein. Schnallen Sie sich fest an! Es ist ein besonders saftige Stelle.“

Die „Baccara“-Kollektion, in der die erkrankte Heldin am Ende „Gott sei Dank wieder auf dem Damm“ war, hielt für vom Venn ganz neue Erkenntnisse bereit („Ach, die fuhr zur See!“). Seine glucksenden Mitstreiter sorgten nicht nur beim Liebedrama um eine schöne Barkeeperin  für die adäquate Geräuschkulisse. Schonungslos spotteten sie auch etwa über „Erik“, der immerhin drei Jahre selbst auferlegten Zölibats hinter sich hat, dann aber unversehens zurück in seine Heimat muss. „Nein, nicht nach Kalterherberg. Der Flughafen ist in Elsenborn“, korrigierte vom Venn wissend. Flankiert von Berndorfs knochentrockenem Humor steuerte die Handlung dann unaufhaltsam auf den erotischen Höhepunkt zu.

Kein Wunder, dass die rund 150 begeisterten Lesefreunde in Heimbach die herrlich verrückten Akteure mit frenetischem Applaus belohnten. Wer mochte, durfte sich überdies noch ein mit „Tausend flammende Küsse, Dein Ralf“ oder ähnlich schlafraubenden Signaturen versehenes Groschenroman-Heftchen für die Nachttischschublade mit nach Hause nehmen.

pp/Agentur ProfiPress

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