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Gut gelaunt trotz Regen

Egal, ob trocken oder nass, behindert oder nicht: Bürvenich/Eppenich und das HPZ „Lebenshilfe“ leben und feiern seit fast 50 Jahren zusammen – Am Wochenende gelang einmal mehr die Mischung aus Kirmes, Sommer- und Oktoberfest

Zülpich-Bürvenich – „Singing in the Rain“ war beim 46. Sommerfest des Heilpädagogischen Zentrums „Haus Lebenshilfe“ angesagt, das am Wochenende zum wiederholten Mal gemeinsam mit Kirmes und Oktoberfest der Dorfgemeinschaft auf dem Dorfplatz im rückwärtigen Gebiet der Pfarrkirche St. Stephanus gefeiert wurde.

Kuchen, so weit die Blicke reichen: Behütet unter Zeltbahnen wurden Dutzende hausgebackener Torten beim Sommerfest der Lebenshilfe, das gleichzeitig Dorfkirmes und Oktoberfest von Bürvenich/Eppenich war, angeboten. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Das Regenwetter tut kaum Abbruch“, freute sich Dorfgemeinschaftsvorsitzender Ludwig Foemer. Die meisten Festbesucher saßen trockenen Hauptes in einem der den Festplatz säumenden Zelte – oder vergnügten sie bei „Haxn“ und Kaltgetränken an der Bierbude.

Spiel, Spaß und Unterhaltung für alle Altersklassen, egal ob mit oder ohne Behinderung, gutgelaunt und zusammenhalten: Das ist die „Unternehmensphilosophie“ seit fast 50 Jahren in der Symbiose zwischen Heilpädagogischem Zentrum „Haus Lebenshilfe“ und den Dörfern Eppenich und Bürvenich. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Es waren Spiele und ein Geschicklichkeitsparcours für Kinder und Jugendliche aufgebaut worden. „Hau den Lukas“, Hüpfburg, Kegel- und Dosenwerfen lockten, bei einem Dorfquiz mussten die Teilnehmer Wissen über Bürvenich und Eppenich, aber auch über Natur und Landwirtschaft an den Tag legen. Es wurden Lose verkauft, Papierflieger um die Wette gebaut und geworfen, Gesichter bunt geschminkt – dazu spielte der Musikverein Berg-Bürvenich unter der Leitung von Gerd Voiss volkstümliche Lieder.

Die einen tanzten und spielten im Regen, die anderen unterhielten sich oder „verkimmelten“ Haxn, Erbsensuppe und Kuchen in einem der den Festplatz umstehenden Zelte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Behinderte im Alltagsbild

Ludwig Foemer, das zünftig gewandete Dorfgemeinschaftsoberhaupt, ging für die Fotografen mit weiteren Vertretern der übrigen sechs Ortsvereine und Hahnenkönig Joscha Vey in krachledernen Hosen und in Bayern „Loferln“ genannten Wadenwickeln zum Gruppenbild in Positur.

Ludwig Foemer (2.v.l.), das zünftig gewandete Dorfgemeinschaftsoberhaupt, ging mit weiteren Vertretern der übrigen sechs Ortsvereine und Hahnenkönig Joscha Vey (3.v.r.) in krachledernen Hosen und „Loferln“ zum Gruppenbild in Positur. Die Krüge fassten keine „Moaß“, sondern nur das landesübliche 0,33er-„Stubbi“-Maß. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dass die Krüge, die die Bürvenicher und Eppenicher „Buam“ dabei stemmten, nur einen Drittelliter fassten, war wohl dem rheinisch-eifelerischen Brauchtum geschuldet. Nicht die Liter-„Moaß“ ist hier das Maß, sondern der 0,33er „Stubbi“.

Einig im Lob über den Espirit des gemeinsamen Sommer- und Kirmesfestes von Bürvenich/Eppenich und „HPZ Lebenshilfe“ (v.l.): Vera Immenkeppel und Rolf K. Emmerich vom Führungsteam der „Lebenshilfe“ mit ihrer früheren Mitarbeiterin Michaela Schumacher, die eigens aus Hattingen angereist war. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Ein großer Umzug durchs Dorf hatte die Kirmes am Samstag eröffnet. Dann wurde zum Biergartenfest auf den Dorfplatz gezogen. „Dieses Fest hat Charme und Charakter“, freuten sich Rolf K. Emmerich, der Leiter der Lebenshilfe HPZ, und Ortsvorsteher Jörg Körtgen an der Bierbude – der eine vor und der andere hinter dem Tresen.

Dieses engagierte Team der „Lebenshilfe“ um Jacqueline Langer (r.) hatte den Geschicklichkeits- und Spieleparcours für Kinder und Jugendliche aufgebaut und ein Quiz über Dorf, Natur und Landwirtschaft ausgeheckt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Bürvenich, Dorf und Heilpädagogisches Zentrum, das ist eins, hier wurde schon Inklusion als Selbstverständlichkeit gelebt, als das Wort noch nicht in den allgemeinen Wortschatz eingegangen war“, sagte Vera Immekeppel vom Leitungsteam der „Lebenshilfe“ dem Reporter.

Vereinskartell wegen „Lebenshilfe“ gebildet

Ludwig Foemer ging noch einen Schritt weiter: „Eigentlich gibt es die Ortsgemeinschaft als eine Art Vereinskartell in Bürvenich erst durch oder wegen der »Lebenshilfe«.“ Man habe sich seinerzeit zusammengetan, um den Behinderten und ihren Betreuern bei der Organisation und Durchführung des stark frequentierten Sommerfestes am „Haus Lebenshilfe“ auf dem Berg Richtung Berg zu helfen. Das war 1973. Foemer: „Wir leben und arbeiten schon seit 46 Jahren zusammen und helfen uns gegenseitig, wie und wo wir können.“

Der Musikverein Berg-Bürvenich unter der Leitung von Gerd Voiss spielte am Sonntag zum bayerischen Frühschoppen auf. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Insgesamt waren hundert Helfer im Einsatz. „Ein ganzer Ort feiert – und jeder hilft mit“, freute sich Rolf K. Emmerich: „Welches Dorf schafft es, ein so tolles Fest fast fünf Jahrzehnte auf die Beine zu stellen?“ Für jemanden, der in Bürvenich aufgewachsen sei, gehörten Menschen mit Behinderung zum Alltagsbild. Ortsvorsteher Jörg Körtgen: „Das Besondere ist, dass es nichts Besonderes ist.“

Die örtliche Schützengesellschaft sorgte für das leibliche Wohl der Gäste mit durchgehend warmer Küche. Die Grünröcke sind auch Veranstalter des traditionellen Hahneköppens. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

pp/Agentur ProfiPress

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