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Glockendreiklang in f, as und b

Dottel feiert am 7. Oktober den 50. Jahrestag der Kirchenglockenweihe – Beiermann Achim Bursch wird Maria Lucia, St. Anna und St. Antonius traditionell zum Klingen bringen – Herbstabend im Anschluss

Kall-Dottel – Das, was Achim Bursch betreibt, hat im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuß. Denn der Bornheimer ist ein Beiermann. Mit der Kraft seiner Arme und Hände bringt er Kirchenglocken zum Klingen – und wenn die Hände wegen der Anzahl der Kirchenglocken nicht ausreichen, verwendet er auch die Füße.

Glockenkundler und Beiermann: Achim Bursch, hier bei einem Besuch im ostbelgischen Verviers, wo er kürzlich gebeiert hat. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Das wird am Samstag, 7. Oktober, der Fall sein. In Dottel wird ab 19 Uhr der 50. Jahrestag der beiden Glocken St. Anna und St. Antonius gefeiert. Am 1. Oktober 1967 waren sie von Dechant Theodor Tholen im Beisein von Pfarrer Hubert Lückenbach geweiht worden und vervollständigten den Dreiklang mit der aus dem Jahre 1748 stammenden Glocke „Maria Lucia“.

f, as und b – das sind die drei Töne, in denen geläutet wird. „Daraus ergibt sich ein klangliches Motiv. Die Glocken können das Te Deum anstimmen“, berichtet Achim Bursch, der zwar in Dottel alle drei Glocken zum Klingen bringen wird, aber dabei auf das Te Deum verzichten wird, denn „das Beiern ist rein rhythmisch.“

Hermann-Josef Olligschläger, der sich seit seiner Messdienerzeit in der Dotteler Pfarrgemeinde engagiert, vor Maria Lucia, im Hintergrund St. Antonius. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Damit spricht der Bornheimer Glockenkundler einen der vier von ihm definierten Aspekte des Beierns an: den musikalischen. Beiern sei ein rhythmisches Glockenmusizieren, das wesentlich vom melodischen Glockenmusizieren, dem Glockenspiel, zu unterscheiden sei. Weitere Aspekte sind technischer (es werden nicht die Glocken bewegt, sondern nur die Klöppel), kultureller (Beiern sei ein durch keine Maschine ersetzbares Kunsthandwerk und damit ein denk- und denkmalwürdiges immaterielles Kulturerbe) und religiöser (ein lebhafter, glockenmusikalischer Ausdruck besonderer Freude an der Auferstehung Christi) Natur.

„Im Rheinland kommt oft noch ein fünfter Aspekt hinzu: der sprachliche. Oft sind die Glocken im Dialekt beschriftet und deshalb ist das ein Denkmal für die rheinische Sprache“, so Bursch. Wichtig ist dem Beiermann eines: Alle Aspekte dürfen nicht getrennt werden. „Wenn man einen rausnimmt, tut man dem Beiern Gewalt an“, formuliert es Bursch.

Dechant Theodor Tholen (r.) weihte die beiden damals neuen Glocken am 1. Oktober 1967. Foto: Hermann-Josef Olligschläger/pp/Agentur ProfiPress

Verhüttet in den Weltkriegen

Gewalt wurde in den beiden Weltkriegen auch den Dotteler Glocken angetan. Ausgerechnet in der Metallhütte in Kall wurden zwei der drei alten Glocken in St. Antonius zu Kriegszwecken verhüttet, nur die mittlere, Maria Lucia, mit rund 500 Kilogramm Gewicht und aufgeprägten Vögeln und Blumenranken, blieb hängen. 1967, nach rund 25 Jahren Einsamkeit, kamen Anna und Antonius hinzu und füllten die leeren Plätze aus.

Zur Weihe am 1. Oktober 1967 schrieb die „Kölnische Rundschau“: „Zahlreiche Gläubige aus Dottel, Scheven und Wallenthal hatten sich vor dem Gotteshaus eingefunden. Die Blaskapelle von Bleibuir war, wie bei allen kirchlichen Anlässen, wiederum zugegen.“ Die Glocken waren vor dem Kirchenportal an einem mit Tannengrün und Blumen geschmückten Gebälk aufgehängt worden. Nach der Taufe wurde jede Glocke an vier Stellen mit heiligem Öl gesalbt, der Musikverein spielte „Ein Haus voll Glorie schauet“ dazu.

„Hl. Mutter Anna, beschütze unsere Gemeinde. Gegossen von Joh. Mark und Sohn in Brockscheid 1967“ steht auf St. Anna. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Jetzt, 50 Jahre später, stehen die Glocken erneut im Mittelpunkt. Seit seiner Jugend beiert Achim Bursch. Die Kunst hat er wie es die Tradition will von seinem Vater gelernt. Die hiesige Region kennt er gut, schließlich hat er auch schon in St. Martin in Eicks gebeiert. Mit Kirchenglocken kennt er sich also aus und kann mit Fug und Recht behaupten: Keine Kirchenglocke ist wie jede andere, jede ist ein Unikat und ein nicht austauschbares Kunstwerk.“ 60 Minuten lang wird Bursch beiern – natürlich mit Pausen, denn das Beiern ist anstrengend. Es besteht sogar die Möglichkeit, die schmalen Treppen zum Glockenturm hochzusteigen und Bursch bei seinem kunstvollen Handwerk zuzusehen.

Herbstabend zum Abschluss

An das Glockenjubiläum schließt sich ein vom Bürgerverein ausgerichteter Herbstabend in der alten Schule an. Dabei dreht sich alles um die Dotteler Kartoffel. Wie die Vereinsvorsitzende mitteilt, werden Eifeler Gerichte kredenzt. Gleichzeitig können sich die Besucher eine Ausstellung der Dotteler Geschichte ansehen.

Aufgehängt an geschmückten Gebälk wurden die beiden neuen Glocken der Gemeinde am 1. Oktober 1967 gezeigt: links Antonius, rechts Anna. Foto: Hermann-Josef Olligschläger/pp/Agentur ProfiPress

Der Herbstabend ersetzt für den Oktober den Dotteler Treff, bei dem sich monatlich an einem Sonntagmittag ab 11 Uhr die Dotteler zum gemütlichen Beisammensein treffen. Der nächste Treff findet deshalb am 19. November statt.

Darüber hinaus findet am Freitag, 22. September, 18 Uhr, ein Verzällnachmittag statt. Dabei wird sowohl auf die Geschichte der Dotteler Kirchenglocken eingegangen als auch auf den im kommenden Jahr anstehenden 50. Jahrestag der Schulschließung.

pp/Agentur ProfiPress

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