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Gesichter der Armut

Kirchenausstellung mit Figuren der Künstlerin Jana Merkens zum selbst Mitmachen in Strempt und Mechernich bis Ende Februar – Rebekka Narres baute die absichtlich sperrige Installation so auf, dass die Kirchenbesucher gegen Mauern laufen und gleichzeitig zu Voyeuren bei den „Hartzern“ werden

Mechernich – „Weihnachten ist im Rheinland die Zeit des »achten Sakramentes Krippchen-Gucken«“, schreibt Pfarrer Erik Pühringer im neuesten „GdG-Boten St. Barbara“, dem Pfarrbrief der Gemeinschaft der Gemeinden auf dem Boden des zum Bistum Aachen gehörenden Teils der Stadt Mechernich.

Jugendreferentin Rebekka Narres und Pfarrer Erik Pühringer in der Ausstellung „Armut hat viele Gesichter“ in der Pfarrkirche St. Rochus in Strempt. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Dabei sei das „Krippchen“ eigentlich ein Synonym für die Armut und Ausgrenzung der Heiligen Familie damals in Bethlehem. Ein Skandal: Gott kommt in einem Viehstall auf die Welt. Gleichzeitig kündigt der GdG-Leiter damit eine Ausstellung unter dem Titel „Armut hat viele Gesichter“ an.

Täuschend echt: Ein schlafender Obdachloser schneit ein. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Sie soll im Dezember und Januar in St. Rochus in Strempt und im Februar in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Mechernich zu sehen sein. Es handelt sich um Teile eines Mitmach-Arrangements der Katholischen Jugendagentur (KJA) Bonn, in deren Zentrum Figuren der Künstlerin Jana Merkens stehen, die Ausgestoßene der heutigen Gesellschaft zeigen.

Nahrungssuche unterm Nikolaus

„Typen, die es tatsächlich gibt oder gegeben hat“, so Rebekka Narres, die Jugendreferentin des Sendungsraumes Veytal und Zülpich, die die Ausstellung in ihre Heimat-GdG Mechernich gebracht hat. Da gibt es eine bettelnde Roma, Mike, den Ex-Bankier, dessen einst feinem Nadelstreifenanzug man den schnellen sozialen Abstieg nach der Finanzkrise 2008 ansieht, da schläft einer tief und fest, während er einschneit, ein anderer sucht – in Strempt ausgerechnet zu Füßen des wohltätigen Heiligen Nikolaus von Myra – in einer Mülltüte nach Essbarem.

Obdachlosigkeit geht manchmal mit Drogensucht und Alkoholismus einher. Der „Stern“ schrieb vor Jahren: „Für Äthanol-User gibt es keine Streetworker…“ Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Aber nicht nur Einzelschicksale sind abgebildet, auch Klischees. Dazu hat Jana Merkens drei Wohnzimmer und mit ihnen drei Abstiegsszenarien installiert: die mit Medien, Snacks, Katze, Baby und Hunden überfrachtete Stube einer Hartz-IV-Familie, das ausgeräumte Zimmer eines Flaschensammlers, in dem Bett, Sessel, Tisch und gesammelte Flaschen gleichrangig das Interieur bilden, und schließlich das Wohnzimmer einer vermutlich bis dahin recht gut und ordentlich lebenden jungen Frau, die auf die Zwangsräumung wartet und deren sozialer Absturz unmittelbar bevorsteht.

Rebekka Narres und Erik Pühringer flankieren die Figuren des Heiligen Nikolaus und darunter eines Obdachlosen, der im Müll nach Essbarem sucht. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

„Armut heute hat viele Gesichter“, schreibt Pfarrer Pühringer: „Oft nehmen wir sie kaum noch war.“ Die Ausstellung in der Strempter Pfarrkirche verstehe sich als Pendant zur Krippe: „Armut heute“ hier, „Armut damals“ dort.

Die Pfarrkirche Strempt ist rund um die Gottesdienste und während des Krippencafés geöffnet. Auf Wunsch kann über das Pfarrbüro für eine Gruppe von Interessierten auch ein zusätzlicher Termin gemacht werden. Anfragen unter Tel. (02443) 86 40.

Klischees und echte Typen

In Strempt hat Rebekka Narres die Ausstellung so installiert, dass der Kirchenbesucher regelrecht vor eine Mauer läuft, hinter der die Armen ausgegrenzt sind. Gleichzeitig laden Lücken in dieser Mauer zum Voyeurismus ein. Man kann durch die Mauer der Ablehnung einen Blick in die Wohnzimmer der „Hartzer“ werfen. Pennern und Bettlern, Alkoholikern, Drogenabhängigen und dem gescheiterten Bänker „Mike“ begegnet man auch außerhalb der Mauern.

Die Künstlerin Jana Merkens hat drei Wohnzimmer und mit ihnen drei Abstiegsszenarien für die Armutsausstellung gemacht: Hier die mit Medien, Snacks, Katze, Baby und Hunden überfrachtete Stube einer Hartz-IV-Familie, das ausgeräumte Zimmer eines Flaschensammlers, in dem Bett, Sessel, Tisch und gesammelte Flaschen gleichrangig das Interieur bilden, und schließlich das Wohnzimmer einer vermutlich bis dahin recht gut und ordentlich lebenden jungen Frau, die auf die Zwangsräumung wartet und deren sozialer Absturz unmittelbar bevorsteht. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Die Mitmachausstellung „Armut hat viele Gesichter“ wurde ursprünglich gemeinsam von der jungen Künstlerin Jana Merkens und der Katholischen Jugendagentur Bonn gGmbH konzipiert. Teile der Ausstellung sind nun in Strempt zu sehen. Sie zeigen unterschiedliche Lebenssituationen von Menschen, die in Armut leben. Jana Merkens regt mit ihren Arbeiten zum Nachdenken an und kritisiert das Schubladen-Denken unserer Gesellschaft.

In Strempt hat Rebekka Narres die Ausstellung so installiert, dass der Kirchenbesucher regelrecht vor eine Mauer läuft, hinter der die Armen ausgegrenzt sind. Gleichzeitig laden Lücken in dieser Mauer zum Voyeurismus ein. Man kann durch die Mauer der Ablehnung einen Blick in die Wohnzimmer der „Hartzer“ werfen. Pennern und Bettlern, Alkoholikern, Drogenabhängigen und dem gescheiterten Bänker „Mike“ begegnet man auch außerhalb der Mauern. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Sie zeigt, dass die Realität anders aussieht, als das Vorurteil-behaftete, klassische Klischee, das in den Köpfen unserer Gesellschaft herumgeistert. Der Betrachter fühlt förmlich, wie sich Depression, Antriebslosigkeit und Isolation von alleine breitmachen, wenn der wirtschaftliche Niedergang erst abgeschlossen ist.

pp/Agentur ProfiPress

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