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„Genau so geht Genossenschaft“

250 Gäste verabschiedeten im Gemünder Kursaal den Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Nordeifel eG, Bernd Altgen, festlich in den Ruhestand – Goldene Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes

Schleiden-Gemünd – Wer es selbst während der Verabschiedung noch nicht glauben wollte, der erhielt spätestens beim Satz „Ich werde loslassen und gehen“ Gewissheit: Bernd Altgen, seit 1992 im Vorstand der VR-Bank Nordeifel eG und seit 2010 als Vorstandsvorsitzender, ist nach 38 Dienstjahren in den Ruhestand gegangen.

Und auch wenn die Meldung Ende letzten Jahres für Außenstehende überraschend war, ging Altgen letztlich, ganz seinem Naturell entsprechend, nicht heimlich, still und leise von Bord. Sein Abschied wurde mit einem großen Festakt im Gemünder Kursaal zelebriert, gut 130 Ehrengäste aus dem Bankwesen, der Wirtschaft und der Politik, darunter Michael Speth (Vorstand der DZ-Bank) und Arno Marx (Vorstand der Akademie Deutscher Genossenschaften) sowie gut 110 Mitarbeiter der Bank ließen es sich nicht nehmen, Bernd Altgen persönlich zu verabschieden. Selbst ein ehemaliger Konkurrent, der langjährige Kreissparkassendirektor Hans Bösch, drückte seine Wertschätzung für Altgens Wirken aus und erschien zur Feier.

Genossenschaftsverbands-Vorstand Klaus Bellmann (r.) überreichte Bernd Altgen zu dessen Abschied die goldene Ehrennadel des Verbandes. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Zum Ende seiner Karriere wurde dem 59-jährigen Altgen noch eine besondere Ehrung zuteil. Klaus Bellmann, Vorstand des Genossenschaftsverbandes – Verband der Regionen, überreichte ihm die goldene Ehrennadel des Verbandes und hielt auch eine von mehreren Reden auf Altgen.

Bellmann sah Altgens Motivation für sein Wirken in der Genossenschaftsidee begründet. „Für Sie galt immer: Eine einzelne Genossenschaftsbank kann Nutzen stiften für den Kunden und die Region.“ Altgen habe stets ein klares Bekenntnis zu genossenschaftlichen Werten geschätzt und nach diesen Werten auch die Bank geleitet. „Sie können stolz sein auf eine so lange und erfolgreiche Führungstätigkeit.“ Darüber hinaus sei Altgen Impulsgeber in der Region gewesen. „Genau so geht Genossenschaft!“, meinte Bellmann, der dafür einfach nur „Chapeau“ sagen wollte.

Genossenschaftsverbands-Vorstand Klaus Bellmann (r.) überreichte Bernd Altgen zu dessen Abschied die goldene Ehrennadel des Verbandes. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Ähnlich sah es der Aufsichtsratsvorsitzende der VR-Bank Nordeifel, Robert Pelzer. Er stellte sich aber zunächst die Frage nach seinen Gefühlen an diesem Abend in Gemünd, denn Verabschiedungen können auch schrecklich und bedrückend sein, weil sie eine Manifestation der Trennung bedeuten. Doch das solle der Abschied von Bernd Altgen nicht darstellen, sondern vielmehr die Persönlichkeit, das Schaffen und das Geschaffte ehren.

Vertrauen, Akzeptanz und starke Überzeugungen

Seit 1995 kennen sich die beiden. „Und ich darf behaupten: Wir sind in den Gremien zusammen alt geworden.“ Geprägt gewesen sei diese Zusammenarbeit durch Vertrauen, Akzeptanz und der Fähigkeit, auf Überzeugungen zu beharren.

Auch Robert Pelzer kam auf die Bedeutung von Bernd Altgen und der gesamten VR-Bank Nordeifel für die Region zu sprechen. „Sie haben den Begriff Hausbank der Region geprägt“, und diese „kleine feine Bank“ wisse die Interessen der Bevölkerung wahrzunehmen.

Aufsichtsratsvorsitzender Robert Pelzer (r.) hielt die erste Laudatio auf Bernd Altgen. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Doch Pelzer kam auch auf die Schattenseiten des großen Engagements zu sprechen.  „Ein solcher Erfolg hat seinen Preis: Es fehlt Zeit für die Familie, die Gesundheit leidet, das Pflegen von Freundschaften und Bekanntschaften fällt schwer.“ Insgesamt habe Altgen zu wenig Rücksicht auf sich genommen. Pelzer beendete seine Laudatio mit den Worten: „Herr Altgen, Sie haben Spuren hinterlassen.“

„Ein echter Tausendsassa, dieser Altgen, das kann einer allein doch gar nicht schaffen.“ Mit diesen Worten bedankte sich der Gepriesene selbst bei den Gästen und gab das Lob gerne weiter an seine Mitstreiter. „Ohne Orchester ist ein Dirigent ein Stöckchen schwingender Egozentriker ohne Musik. Nur ein Team bringt das Orchester zum Klingen – und das wird auch ohne mich funktionieren“, ist er sich sicher.

Rund 250 Gäste waren in den Gemünder Kursaal gekommen, um Bernd Altgen zu verabschieden. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Damit sprach er seine Vorstandskollegen an: Wolfgang Merten, mit dem er seit 37 Jahren zusammenarbeitet, und den Moderator des Abends, Mark Heiter, den er 1993 als Azubi eingestellt hatte. „Wir waren ein gutes Team – und ihr beide werdet das weiterhin sein“, konstatierte Altgen. Hinzu komme eine enorm gewachsene zweite Führungsebene mit hoher operativer Exzellenz.

Er habe immer gerne viel gearbeitet, denn die Bank und die Eifel seien sein Lebensinhalt gewesen. „Wir sind klein genug für den persönlichen Kontakt und groß genug, um die Kundenwünsche im Blick zu halten“, meinte Altgen. Aber aus der intensiven Begeisterung für die Bank wurde „Leidenschaft, die Leiden schafft“. Altgen gibt zu: „Ich war 2017 ganz nah an der Glut, habe mir einiges versengt, bin aber nicht verbrannt.“ Ab jetzt gelte deshalb für ihn, den Privatmann, das Motto: „Nichts mehr müssen, nur noch wollen.“

Das Naturgesetz des letzten Wortes

Das Schlusswort, das war Altgen bewusst, hat er aber nicht mehr, schließlich sei er nun zehn Tage nicht mehr im Amt. Die Ehre gebührte Altgens langjährigem Vorstandskollegen und Freund Wolfgang Merten, der auch gleich auf diese Besonderheit zu sprechen kam. „Ein Naturgesetz der VR-Bank Nordeifel wird gebrochen – das Naturgesetz des letzten Wortes.“

Nahm zum Abschied nicht nur Lob entgegen, sondern gab auch viel Lob an die einstigen Angestellten zurück: Bernd Altgen, der nach 25-jähriger Tätigkeit im Vorstand der VR-Bank Nordeifel in den Ruhestand trat. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Wie auch schon Robert Pelzer kam Wolfgang Merten auf Albert Reidt zu sprechen, den ehemaligen und viel zu früh verstorbenen Vorstandschef der Bank. „Albert Reidt war und ist für dich wichtig, er war dein Mentor und dein Vorbild“, erinnerte Merten.

Merten hob auch zwei Charaktereigenschaften von Altgen hervor: Er führte Konflikte auf Augenhöhe und hatte eine großartige Menschenkenntnis. „Du hattest sehr oft ein glückliches Händchen für Talente und hast den Mitarbeitern immer das Gefühl gegeben, dass sie wichtig sind. Du hast uns alle gefordert, aber auch alle gefördert.“ Das Ergebnis könne sich sehen lassen. Allein 13 Mitarbeiter hätten die Qualifikation zur Leitung einer Bank erworben – „und die sind alle noch bei uns“, war Merten begeistert.

Nahm zum Abschied nicht nur Lob entgegen, sondern gab auch viel Lob an die einstigen Angestellten zurück: Bernd Altgen, der nach 25-jähriger Tätigkeit im Vorstand der VR-Bank Nordeifel in den Ruhestand trat. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Ohne Bernd Altgen, dessen Visionen und Motivation, sei die VR-Bank Nordeifel nur eine kleine Regionalbank geblieben. Stattdessen sei sie jetzt eine gestalterische Kraft in der Region. Dabei habe nie der Erfolg im Mittelpunkt von Altgens Handeln gestanden, das sei nur die Konsequenz seines Handelns gewesen.

„Deine Bürotür stand für jeden offen, du hast dir immer Zeit genommen. Wir alle fühlen uns aufgenommen in die VR-Bank-Nordeifel-Familie“, sprach Merten auch für die Mitarbeiter, die Altgen noch eine Freude machten. Sie überreichten ihm eine mit Geld gefüllte Yacht, denn der ehemalige Chef plant als eines der wenigen Projekte für 2018, den Bootsführerschein zu erwerben.

Rund 250 Gäste waren in den Gemünder Kursaal gekommen, um Bernd Altgen zu verabschieden. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Denken Sie dran: Es muss immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel sein“, sagte Dieter Benning, der das Präsent stellvertretend für die Kollegen überreichte. Und dann trat doch noch das Naturgesetz der VR-Bank Nordeifel in Kraft. Zwar moderierte Mark Heiter die Veranstaltung ab. Doch im Gedächtnis bleiben die letzten Worte von Bernd Altgen: „Mein Herz bleibt immer bei euch.“

Nach dem offiziellen Teil gab es ein Buffet, bestehend aus gutbürgerlichen Gerichten mit – wie sollte es anders sein – Eifeler Einschlag. Für die musikalische Untermalung des Abends sorgte ein Ensemble der Bigband der Musikschule Schleiden, bestehend aus Nina Griebel, Markus Lorse und Engelbert Schneider.

pp/Agentur ProfiPress

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