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GAT von UN ausgezeichnet

Vereinte Nationen zeichnen Mechernicher Schule für ihr außergewöhnliches Engagement zur „Biologischen Vielfalt“ aus  – Im artenreichen Naturgarten wird Wissen über Fauna und Flora hautnah vermittelt

Mechernich – Es gibt sie, diese kleinen Oasen, wo die Natur noch Natur sein darf und sogar gemeinhin als Unkräuter diffamierte Pflanzen ungehindert sprießen dürfen. Die Rede ist vom Naturgarten des Mechernicher Gymnasiums Am Turmhof (GAT). Das mit großem Engagement geführte Projekt von den beiden GAT-Lehrerinnen Heidrun Schwarthoff und Maria Abschlag wurde jüngst von der UN-Dekade für Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Das Gymnasium Am Turmhof wurde jüngst von den Vereinten Nationen für seinen Naturgarten ausgezeichnet. Darüber freuen sich besonders: Micha Kreitz (Schulleiter), Andreas Maikranz (MINT-Koordinator) und Heidrun Schwarthoff (Leiterin des Naturgartens). Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Unser Ziel ist, möglichst viele und vor allem junge Menschen für den Schutz der Biodiversität, also den Artenreichtum von Tieren und Pflanzen zu begeistern“, erklärt Andreas Maikranz, der MINT-Koordinator der Schule, in dessen Bereich auch der Naturgarten und damit auch die nachhaltige und naturnahe Bildung am GAT fällt.

Fünf Bienenvölker hat das GAT im Garten. Die Schüler, die sich um die Insekten kümmern, erklärten, was sie schon über die fleißigen Bienen gelernt haben. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

In dem Garten, in den die Schüler sogar von manchen Klassenzimmern aus, einen direkten Blick hineinwerfen könne, sieht es tatsächlich ein bisschen wild aus. Das besagte (Un)-Kraut ist umgeben von blühenden Wiesenblumen und Wildstauden. Alte Apfelbaumsorten wachsen und gedeihen in direkter Nachbarschaft. Bienen summen zu später Herbststunde noch herum. Von dem Design eines englischen Rasens, von streng angelegten Beeten oder Ziersträuchern ist dieses Areal weit entfernt.

„Ein Garten muss nicht ordentlich sein“

Ganz bewusst, so Schwarthoff: „Wir wollten mit dem Projekt den Kindern zeigen, dass ein Garten nicht so ordentlich sein muss.“ Denn im GAT-Garten setzt man andere, wichtigere Prioritäten. „Mut zur Wildnis“, lautet das Credo, dass man sich als Nationalparkschule vom nahegelegenen Nationalpark Eifel zu Herzen genommen hat und umsetzt, damit sich möglichst viel Fauna und Flora angezogen und wohl fühlt.

MINT-Koordinator Andreas Maikranz (vorne) und Schulleiter Micha Kreitz freuen sich über die Auszeichnung der UN. Maikranz mahnte an, dass das Wissen um Fauna und Flora vom Lehrplan verschwindet. Dem wolle das GAT mit seiner AG entgegenwirken. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Wir lassen zum Beispiel in bestimmten Ecken Brennesseln und Disteln stehen, weil sie für verschiedene Insekten sehr wichtig sind“, erklärt Heidrun Schwarthoff und Maria Abschlag ergänzt: „Wir mähen die Wiese höchstens zweimal im Jahr, weil eine Mahd immer eine Katastrophe für den Insektenbestand ist.“ Außerdem bleibe immer ein Teil der Wiese stehen, damit die Insekten einen Rückzugsort haben. Verblühte Blumen bleiben im Winter stehen.

Lehrerinnen haben Imkerausbildung absolviert

Die AG, in der sich die Schüler um den Naturgarten kümmern, erfreut sich großer Beliebtheit. Aktuell zählen die Verantwortlichen rund 20 Kinder, die sich engagieren. Seit zwei Jahren kümmert sich die AG auch um Bienenvölker. Beide Lehrerinnen haben dazu eigens eine Imkerinnen-Ausbildung absolviert und hoffen, die Schüler für diese für das Ökosystem wichtigen Tiere zu begeistern.

Wissen hautnah vermittelt: Die Bienen können über diesen Schaukasten gut von den GAT-Schülern beobachtet werden. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Zusammen mit den Schülern ernten wir den Honig und pflegen die Bienen“, so Schwarthoff. In einem extra hergestellten Schaukasten können die Schüler die fleißigen Völker genau beobachten und auch, was die Königin so macht. Fünf Honig-Bienenvölker hat die Schule bereits. Doch auch die Wildbienen werden nicht vergessen, denn für sie haben die Schüler eine ganze Reihe Insektenhotels aufgestellt. Eine weitere Sandkiste bietet Heimat für Sandbienen.

Engagieren sich gemeinsam für den Naturgarten, v.l.: Micha Kreitz, Andreas Maikranz, Heidrun Schwarthoff, Agnes Walldorf und Maria Abschlag. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die vorhandene bunte Pflanzenvielfalt will man mit der Zeit noch weiter ausbauen. „Man muss auch Geduld haben, wenn man einen Naturgarten aufbauen will“, so Abschlag.

Jennifer Thelen von der biologischen Station lobt den Naturgarten am Rande der Verleihung der Auszeichnung als „sehr unterstützenswertes Projekt“. Es sei „unglaublich wichtig“, dass Lehrerinnen und Lehrer das Wissen an die Kinder weitergeben. Die Biologische Station hatte die Schule auch beraten bei der Auswahl alter Apfelbaumsorten und der Anlage einer Streuobstwiese.

Keine Eintagsfliege

Andreas Maikranz hob in seiner Ansprache aber auch hervor, wie wichtig ein solches Naturschutz-Engagement der Schule sei. Als Biologie-Lehrer habe er leider feststellen müssen, dass das Wissen über Tier und Pflanzenarten in den vergangenen Jahren enorm zurückgegangen sei, weil die Themen immer mehr von den Lehrplänen verschwinden. „Viele wissen gar nicht mehr wie der Baum heißt, der vor der Türe steht“, warnt er und fügt hinzu: „So soll unser Projekt vor allem dazu beitragen, dass dieses Wissen über die Biodiversität zunimmt – in allen Generationen.“ Die Auszeichnung freue ihn daher ganz besonders

Sie unterstützen das Projekt finanziell: Der GAT-Förderverein mit der Vorsitzenden Marion Berend (l.), sowie die Kreissparkasse Euskirchen hier mit Alexandra Neamtu. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Schulleiter Micha Kreitz verwies, dass der Naturgarten keine Eintagsfliege sei. „Nachhaltigkeit sollte eigentlich unser Jahresthema sein.“ Mit dem Zülpicher Franken-Gymnasium sei dazu bereits eine Kooperation vereinbart gewesen, die man dann Corona-bedingt habe absagen müssen. Außerdem bestehe schon lange eine enge Zusammenarbeit mit dem Kölner Zoo und dem Nationalpark Eifel, damit die Schüler in weiteren Projekten mehr über Artenvielfalt erfahren können.

pp/Agentur ProfiPress