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„Flipper“ macht Schluss

Hermann Nöthen geht zum zweiten Mal in Rente – Sein Name ist untrennbar mit dem ehemaligen Mechernicher Gartenhallenbad verbunden – Der 80-Jährige hält sich im Fitnessstudio und mit Radtouren fit

Mechernich – Zu seiner typischen Berufsbekleidung gehört ein weißes T-Shirt und Shorts, aber vor allem Badeschlappen. Hermann Nöthen ist staatlich geprüfter Schwimmmeister und sein Name untrennbar mit dem ehemaligen Gartenhallenbad in Mechernich verbunden.

Mehr als 3000 Kinder hat er in seinem Leben das Schwimmen beigebracht und vielen Menschen mit seinem Einsatz sogar das Leben gerettet. Doch jetzt ist endgültig Schluss.

 

Mit dem einstigen Gartenhallenbad in Mechernich ist der Name Hermann Nöthen eng verbunden. 28 Jahre war er dort als leitender Schwimmmeister im Auftrag der Stadt Mechernich tätig. Seine Frau Franzi hielt dort als DLRG-Geschäftsführerin auch Schwimmkurse. Mit 80 Jahren geht Nöthen nun endgültig in den Ruhestand. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Ich gehe jetzt das zweite Mal in Rente“, sagt Nöthen schmunzelnd: „1998, also mit 60, beruflich und jetzt mit 80 hobbymäßig.“

Dass ihn Badegäste immer „Flipper“ nannten, kam nicht von ungefähr, denn im Wasser ist Hermann Nöthen in seinem Element. 1970 hatte er als Leitender Schwimmmeister das Bad übernommen. Er war damals vom kreisweit größten Schwimmbad, an der Erft in Euskirchen, nach Mechernich gekommen – und blieb dort 28 Jahre.

Schwimmeister-Kollegen Kurt Schlimper und Günter Miehseler

Im Gespann mit den Schwimmmeister-Kollegen Kurt Schlimper und Günter Miehseler führte er Regie. 16 Jahre dort mit von der Partie war auch seine Frau Franzi, als DLRG-Geschäftsführerin. „Das war wie eine richtig große Familie“, denken beide gerne an die Zeit zurück.

Nach der Schließung und dem endgültigen Abriss 2004 des einstigen Aushängeschilds der Stadt Mechernich hätte Nöthen eigentlich ruhiger treten können – doch das war nichts für ihn. Viel zu sehr hängt er an dieser Lebensaufgabe.

Statt zu Hause der Ruhe zu frönen, wechselte der Schwimmmeister viel lieber mit in die neu errichtete, moderne Eifel-Therme Zikkurat nach Firmenich/Obergartzem und gab dort weiter Einzel- und Gruppenschwimmstunden für Groß wie Klein.

Der heute 80-jährige Hermann Nöthen (r.) wachte über die Schwimmer und Taucher im früheren Mechernicher Gartenhallenbad und dessen Freigelände wie später auch in der Eifel-Therme Zikkurat in Firmenich/Obergartzem. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Omas und Opas bringen ihre Enkel zum Unterricht, die selbst bei mir das Schwimmen gelernt haben. Das ist doch unglaublich, oder?“, freute er sich.

Für die Senioren stieg er jede Woche ins kühle Nass, um sie mit Aqua-Gymnastik fit zu halten. Zwischendurch genoss er weiter den Plausch mit den Badegästen.

„Seitdem ich in Rente gegangen bin, ging regelmäßig das Telefon“, sagt er. Die Anrufer fragten: „Kannst Du nicht…?“ Daher half der Ruheständler sogar über den Kreis hinaus im Monte Mare in Kreuzau aus.

Sein Alltag ist bis heute prall gefüllt

Sein Alltag ist aber nicht nur wegen dieser „Einsätze“ prall gefüllt. Mit regelmäßigen Sporteinheiten hält er sich gemeinsam mit seiner Frau Franzi fit. Gemeinsam radeln sie quer durch die Eifel, zweimal die Woche trainiert er im Fitnessstudio. „Ich bin jede Woche meine 1000 Meter geschwommen, ich muss mich ja auch ein bisschen fit halten“, erklärt der 80-Jährige.

Medaillen in Gold, Silber und Bronze, die er bei den Vereins- und Kreismeisterschaften der DLRG seinerzeit gewann und sorgfältig aufbewahrte, zeugen von erfolgreichen Wettbewerben.

Die Crew von 1987: (v.l.) Nordika Schöning, Claudia Syndikus, Günter Miehseler, Hermann Nöthen, Ann-Susann Lanz, Kurt Schlimper, Anneliese Lipus. Foto: Archiv Stadt Mechernich/pp/Agentur ProfiPress

Doch es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, denn zu seinen Aufgaben als Bademeister gehörte auch Tote zu bergen, so in der Steinbach: Das war für ihn das Schlimmste: „Nur mit der Taucherbrille im Matschwasser suchen und plötzlich fühlt man einen toten kalten Körper.“

Einmal kam er in dem Freibad des Sees sogar selbst in Gefahr als er Leben retten wollte. Ein junger Mann, der drohte zu ertrinken, hatte ihn reflexartig am Hals gepackt. „Ich habe nach Luft gerungen und gekämpft bis ich den Matsch unter den Füßen am Boden spürte. Da erst habe ich mich mit dem Kopf-Dreh-Griff befreien können“, so Nöthen. Und auch der Mann konnte gerettet werden.

Über 50 Jahre hat er sich in der DLRG ehrenamtlich engagiert. Als Dank hat er alle Ehren- und Rettungsteller, die möglich waren, überreicht bekommen.

Die Aqua-Gymnastik von Hermann Nöthen in der Eifel-Therme Zikkurat war immer gut besucht. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress

Herzensgut wie er ist, setzt er sich gerne für andere ein. „Piraten“-Essen für die Kinder im Zeltlager oder Erbsensuppe für die Oldtimerfreunde Nordeifel kochen? Kein Problem! Kinder aus dem Ort bringen dann auch schonmal die defekten Fahrräder zu ihm, damit er sie repariert.

Im Strempter Karneval ist er auch schon aufgetreten. „Als Amanda Lear“, gibt der 80-Jährige lachend zu. Für die Bühnenpremiere mit einem Potpourri der Disco Queen der 70er Jahre hat er sich den Bart abrasiert, geschminkt wie ein Mädchen, eine blonde Perücke und rotes Kleid mit langem Schlitz übergezogen. Singen kann er. „Insgesamt 60 Jahre singe ich im Chor, davon etwa die Hälfte beim MGV Kommern“, verrät Nöthen.

Die Malkunst autodidaktisch angeeignet

Doch das ist nicht die einzige Muse, die ihn geküsst hat. „Beim Malen kann ich mich fallen lassen“, offenbart er. Seine Öl- und Aquarellbilder stellt er regelmäßig etwa in einer Ausstellung im Gymnasium Am Turmhof in Mechernich und bald auch in der Kreisverwaltung Euskirchen aus. Wie man malt, hat er sich als Autodidakt beigebracht.  Seine Frau malt mittlerweile auch. „Aber jeder total anders, jeder hat einen anderen Stil“, verrät er. Er mag das Gegenständliche, wagt aber mittlerweile auch die abstrakte Kunst. Sie wandelt Gedichte, die sie geschrieben hat, in kreative Bilder um.

Gemeinsam haben sie drei Kinder und sechs Enkelkinder. Mit Erinnerungen an die Kriegsjahre und ihr Heranwachsen in der Nachkriegszeit haben sie sogar zusammen ein Buch gefüllt. Denn, obwohl sie nur wenige Jahre auseinander in Euskirchen geboren wurden (er 1938, sie 1946), unterscheiden sich die Kindheitserinnerungen gewaltig.

Gemeinsam haben Franzi und Hermann Nöthen ein Buch herausgegeben – mit Erinnerungen an die Kriegsjahre und ihr Heranwachsen in der Nachkriegszeit. Foto: Archiv/pp/Agentur ProfiPress

Für zehn Pfennige gabs zwar für beide eine Handvoll Krümel – aber Hermann Nöthen erhielt als Gegenwert „nur“ Brotkrümel, die auf den Backblechen beim Bäcker am Gansweider Bahnhof in Euskirchen übriggeblieben waren, für Franzi Nöthen gab’s Krümel der abgebröckelten Reste süßer Bonbons aus den bunten Gläsern von Ippendorfs Süßwarenladen.

Nöthen hatte ursprünglich den Beruf des Töpfers gelernt, bei den Westdeutschen Steinzeugwerken in Euskirchen. Nach Schließung des Werkes zog es ihn nach Köln zu Ford. 1964 absolvierte er die staatliche Prüfung als Schwimmmeister an der Sporthochschule in Köln.

Er habe ein vielseitiges Leben geführt, zieht er glücklich ein Fazit. „Das war auf keinen Fall langweilig. Ich hoffe, das wird es uns auch jetzt nicht.“

pp/Agentur ProfiPress

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