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Erst allein, dann gemeinsam unterwegs

Schreibwerkstatt der Lit.Eifel im Gymnasium Kreuzau – 21 Schülerinnen und Schüler widmen sich dem europäischen Gedanken – Buchveröffentlichung mit allen Geschichten geplant

Kreuzau – Manchmal müssen Dinge ausprobiert werden, um sie zu verifizieren. Und sei es nur, um der Frage nachzugehen, ob es möglich ist, sich hinzuhocken, ohne dass die Fersen sich automatisch heben. Die vier Teilnehmerinnen der Schreibwerkstatt der Lit.Eifel am Gymnasium in Kreuzau kommen schließlich zu dem Schluss: Es ist möglich – und damit können sie es in ihrer Geschichte auch so schildern.

17 Nachwuchsautoren der Jahrgangsstufen neun bis elf (oder 9, EF und Q1, wie es unter G8 heißt) verfassen an drei fünfstündigen Schultagen ihren ganz persönlichen Road Trip aus der Heimat über Berlin ins finnische Rovaniemi. Angeleitet werden sie von der Journalistin Claudia Hoffmann. Angereichert werden diese Geschichten mit Illustrationen, die vier Mitschüler und der Künstler Jan Hillen anfertigen.

Konzentriert arbeiten die 17 Autoren und vier Zeichner im Gymnasium in Kreuzau an den Road-Trip-Geschichten. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

„Road Trip – Europa entdecken!“ heißt das Motto der Schreibwerkstätten in diesem Jahr (im Herbst finden noch Veranstaltungen in Blankenheim und Monschau statt). In dem Thema stecken gleich zwei Ideen, die Hoffmann und Hillen vorgaben: Zum einen ist 2018 das Jahr des Europäischen Kulturerbes. Also sollte der Roadtrip auch zu einem solchen Kulturerbe führen.

Dann gibt es derzeit den Wettbewerb „European Road Trip“. Für den können sich junge Leute bewerben. Insgesamt gibt es vier Strecken durch Europa, wer ausgewählt wird, muss aber auch ein Reisetagebuch verfassen.

17 unterschiedliche Protagonisten

„In der Schreibwerkstatt kombinieren wir beides“, sagt Hoffmann. Ausgangspunkt der Geschichte ist, dass der Protagonist besagten Wettbewerb gewonnen hat und nun auf dem Weg zum Startpunkt der Tour in Berlin ist. Diesen Tag der Abreise schildern die 17 Autoren so, wie sie wollen. Manche entwickeln wie bei einem Rollenspiel einen bestimmten Charakter, andere machen sich selbst zur Hauptfigur.

Das, was Claudia Hoffmann schon gelesen hat, hat sie beeindruckt: „Die Figuren erreichen bereits im ersten Kapitel eine besondere Tiefe.“ Da ist das Mädchen, das eigentlich gar nicht am Wettbewerb teilnehmen wollte, deren Helikoptereltern aber die Bewerbung eingereicht hatten. Nun fährt es lustlos nach Berlin. Eine andere Figur wurde morgens von einer Katze geweckt, wozu Jan Hillen und sein Team eine wundervolle Illustration erstellt haben.

Am zentralen Tisch der Schreibwerkstatt sitzen die Illustratoren. Jan Hillen und Claudia Hoffmann (stehend) begutachten die Kunstwerke, mit denen die Geschichten angereichert werden. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Dass Schreiben nicht immer einfach und vor allen Dingen keine Fließbandarbeit ist, erfahren die Schüler am eigenen Leib. „Eine Schülerin hatte einfach zu viele Ideen im Kopf. Ich habe ihr geraten, an der frischen Luft ein paar Meter zu gehen. Das hilft meist. Gemeinsam haben wir anschließend die noch bestehenden Ideen analysiert“, erzählt Claudia Hoffmann.

Im zweiten Kapitel ändert sich die Vorgabe. Ab jetzt sind die Figuren zu zweit unterwegs nach Rovaniemi, aus dem „Ich“ wird ein „Wir“. „Uns ist egal, wie die Zweiergruppen dorthin gelangen, ob über Dänemark oder die Ostroute. Wichtig ist: Sie müssen auf dem Weg ein Weltkulturerbe besuchen und sie müssen mit einem Vorurteil aufräumen“, erklärt Hoffmann. So, wie in Europa fast keine Grenzen existieren, soll es auch in den Köpfen der Schüler keine Grenzen geben.

Die Schreibwerkstatt soll Spaß machen. Hier prüfen die Schülerinnen, ob man in die Hocke gehen kann, ohne dass die Fersen den Boden verlassen. Wie Tueminh Bue im Hintergrund beweist: Man kann! Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Für die Schüler beginnt spätestens jetzt neben der Schreib- auch noch die Recherchearbeit. Denn wie kommt man eigentlich von Berlin nach Lappland? Welche Weltkulturerbestätten liegen auf dem Weg? Das muss sauber nachvollziehbar sein. „Wenn jemand schon zu Beginn mit dem Flieger von Köln nach Berlin fliegt, dabei aber eine Airline nimmt, die den Flug gar nicht anbietet, wird es Leser geben, die das herausfinden“, sagt Hoffmann mahnt deshalb zu Sorgfalt. Dabei lernen die Kinder viel über Europa.

An der Weltkulturerbestätte angekommen, nimmt die Geschichte eine weitere Wendung. Denn dort treffen – so eine weitere Vorgabe – zwei Duos zusammen, aus denen ein Quartett wird. Den Rest der Reise unternehmen die Schüler schließlich zu viert, aus dem Wir geht es in die auktoriale Perspektive.

Europäischen Gedanken verfolgt

Das Spannende an dieser Schreibwerkstatt: Weil drei Jahrgangsstufen involviert sind, kennen sich einige der Gruppenteilnehmer nicht. „Damit verfolgen sie zutiefst den europäischen Gedanken, dass man zusammenfinden und etwas gemeinsam zu Ende bringen muss“, sagte Hoffmann, die als parlamentarische Assistentin des brandenburgischen Europaabgeordneten Dr. Christian Ehler in Brüssel tätig ist.

Aus Brüssel hatte sie auch eine Überraschung mitgebracht. Die Aachener Europaabgeordnete Sabine Verheyen lädt alle Teilnehmer der Lit.Eifel-Schreibwerkstätten aus Kreuzau, Monschau und Blankenheim im kommenden Jahr nach Brüssel ein.

Zunächst alleine, später zu viert unterwegs: Tueminh Bue (v.l.), Celina Hirthe, Julia Cremer und Laura Fuß entwickeln mit Workshop-Leiterin Claudia Hoffmann gemeinsam ihre Geschichte. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Reise wollen die Schüler nicht mit leeren Händen antreten. Aus diesem Grund planen die beiden „Werkstattleiter“, aus den Geschichten aus jeder Schule ein eigenes Buch zu erstellen. „Der Druck eines 80 bis 120 Seiten starken Buches wird gut 1000 Euro kosten“, weiß Hoffmann, die dankbar ist, wenn sich noch Sponsoren melden, die das Projekt unterstützen wollen.

Angereichert werden die Bücher aus den Schreibwerkstätten jeweils durch die Illustrationen von Jan Hillen und den jeweiligen Zeichnern. Den vier Künstlern in Kreuzau wurde auf jeden Fall nicht langweilig, ständig hatten die Autoren Ideen, die mit ihren Mitschülern am Zeichenpult ausgearbeitet wurden. So entstand ein Miteinander, eine Gemeinschaftsarbeit, auf die die Schüler stolz sein dürfen.

pp/Agentur ProfiPress

 

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