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„Eltern“ von 54 Kindern

Gabi und Hubert Lorbach gaben jungen Menschen ein Gefühl von Familie

Mechernich-Firmenich/Urft – Gabi und Hubert Lorbach haben sich fast 30 Jahre einer großen und nicht leichten Aufgabe angenommen. Das Ehepaar aus Firmenich bot heimatlosen Kindern das Gefühl von Familie.

Wenn sie ihr Familienleben Revue passieren lassen wollen, dann brauchen sie nicht weit zu gehen – ein Blick auf ihre Gartenterrasse genügt. Denn dort liegen 42 Steine mit Namen von nun erwachsen gewordenen Menschen, die als Kinder bei ihnen gelebt haben. 42 von insgesamt 54 Kindern, die in der Hofanlage in Firmenich ab 1991 einen Platz in der Familienintensivgruppe gehabt haben.

Gabi (Mitte) und Hubert Lorbach boten 54 Kindern ein Zuhause, hier mit Susanne Beckschwarte, der Leiterin des Hermann-Josef-Hauses in Urft. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

„Die Steine haben wir, als wir das Ehepaar Lorbach in die Rente verabschiedet haben, als Gruß der Menschen ausgelegt, die hier als Kinder gelebt haben“, erläutert Susanne Beckschwarte, Leiterin des Hermann-Josef-Hauses in Urft. Ihr Vorgänger Gerd Schöneborn hatte mit dem Ehepaar Lorbach die Gruppe ins Leben gerufen.

„Die Idee kam, als ich im Rahmen meiner Ausbildung als Erzieher mein Anerkennungsjahr in der Familiengruppe in Steinfeld bei dem Ehepaar Joisten machte“, erinnert sich Hubert Lorbach an die Anfänge. Damals sei klar gewesen: „Das können wir auch.“

Das Grundkonzept einer Familienintensivgruppe besteht aus einem Erzieherehepaar, das in seinem eigenen Haus Kinder betreut, unter der Aufsicht des Landesjugendamtes und des Trägervereins. Auch die leiblichen Kinder des Ehepaares Lorbach, damals 8 und 13 Jahre alt, mussten zustimmen. Bis ins vergangene Jahr hinein arbeiteten eine der Töchter, mittlerweile auch ausgebildete Erzieherin, in der Gruppe mit, genauso wie über viele Jahre die Mutter von Gabi Lorbach.

Alles begann mit zwei Pflegekindern

„Die Idee war, den Kindern ein Leben in der Familie auf Zeit zu geben“, beschreibt Hubert Lorbach den Ansatz. Mit zwei Pflegekindern begannen die Lorbachs ihre Tätigkeit, später waren es bis zu sechs. „Der erste ist zwölf Jahre bei uns geblieben und lebt jetzt hier im Ort“, sagt Gabi Lorbach.

Die Namen „ihrer“ Kinder wurden auf Steinen verewigt, die rund um die Gartenterrasse des Ehepaares liegen. Foto: Stephan Everling/pp/Agentur ProfiPress

Doch so erfolgreich sei es nicht immer gewesen. „Man denkt immer, eine Familie sei perfekt für kleine Kinder“, so Beckschwarte. „Doch für manche ist sie zuviel“, ergänzt Hubert Lorbach. So hätten einige Kinder die Gruppe wieder verlassen müssen, weil diese für sie nicht das richtige Umfeld gewesen sei. „Das mussten wir in den ersten zwei Jahren mit psychologischer Hilfe lernen“, beschreibt Gabi Lorbach. Sie hätten gedacht, lasst die Kindlein zu uns kommen, doch dann hätten sie feststellen müssen, dass die Wirklichkeit anders aussieht.

Manche machten auch Probleme

Manche Kinder hätten auch Probleme gemacht, seien abgehauen oder hätten Zerstörungen produziert. „Es ist keine Regelbetreuung, es ist Intensivbetreuung“, betont Beckschwarte. Damit sei es auch immer ein Experiment, das aber nicht tragbar sei, wenn die Situation eskaliert. „Zusammenleben heißt auch aushalten und dem Jugendlichen den nächsten Schritt zu ermöglichen“, beschreibt es Gabi Lorbach.

Doch für viele sei die Familie der richtige Ort gewesen. „Mama“ und „Papa“ seien sie heute noch für manche ihrer Ehemaligen. Mit gemeinsamem Kochen und Backen, Projekten und nicht zuletzt gemeinsamen Urlaubsfahrten nach Spanien, Ungarn oder Langeoog erlebten die Pflegekinder das Leben im Familienverbund. 2015 habe dann die Belegung gewechselt. Mit der Flüchtlingswelle kamen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in das Haus in Firmenich.

Normalität sei immer oberstes Gebot gewesen, erzählt Hubert Lorbach. Die Kinder hätten ihren festen Plan gehabt, was sie tun konnten. Auch im Dorf seien sie integriert gewesen, fügt seine Frau hinzu, in Feuerwehr oder Musikverein.

Besonders sei bei Lorbachs die tiergestützte Pädagogik gewesen, erläutert Beckschwarte. „Sie haben das gemacht, da wusste noch keiner, dass das so heißt“, scherzt sie. Immer seien Hunde, Ponys, Schafe oder Ziegen, Enten, Gänse und Hühner auf dem Hof in Firmenich mit dabei gewesen. „Wir haben festgestellt, wie gut das für die Kinder ist“, erzählt Hubert. „Die Tiere schaffen einen ganz anderen Zugang zu Gefühlen“, erläutert Beckschwarte. Auch im Hermann-Josef-Haus in Urft werde erfolgreich mit Tieren gearbeitet. „Die Kinder gehen dann weg von ihren Belastungen“, sagt sie.

Die Familienintensivgruppe Lorbach war eingegliedert in das Hermann-Josef-Haus Urft. Mit der Familienintensivgruppe geht ein wichtiger Teil der Jugendbetreuung im Kreis. „Es gibt wenige, die sich darauf einlassen“, bedauert Susanne Beckschwarte. Eine Gruppe gebe es zurzeit noch in Marmagen. Wenn man aber junge Erzieher frage, wollten die auch das eigene Leben.

Denn das, so bestätigt das Ehepaar Lorbach, sei schon eingeschränkt. Der Freundes- und Bekanntenkreis habe ihr Engagement mitgetragen und in Kauf genommen, dass bei Terminen plötzlich ein Kind Probleme haben könnte. „Es ist eine Berufung“, sagt Hubert Lorbach. Bereut hätten sie es jedoch nie. „Es war immer wieder schön, jemanden aufwachsen zu sehen, zu beobachten, was man gegeben hat, und die, die es genommen haben“, sagt Gabi Lorbach.

pp/Agentur ProfiPress

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