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„Einer muss ja vorangehen“

Zum 31. Dezember hat Toni Mießeler nach 18 Jahren den Vorsitz der CDU-Fraktion und nach 28 Jahren die Mitgliedschaft im Kaller Gemeinderat niedergelegt. Die Agentur ProfiPress hat ihn in seinem Haus in Sötenich gesprochen

Herr Mießeler, wie war der erste Monat „in Freiheit“?

Es ist ein bisschen komisch, denn es fehlt einem einiges. Aber die Zeit ist hochwichtig, gerade die Abendstunden waren oft vollgepackt. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und es passte nun mit dem Bürgermeisterwechsel. Der Abschied tut mir keinen Augenblick leid, es waren schöne Zeiten.

Wieviel Zeit geht denn pro Woche drauf?

Ich habe die Zeit nie gestoppt. Wir waren 18 bis 20 Leute in der Fraktion, da konnte man auch Aufgaben abgeben. Mir ist nur aufgefallen, dass es früher alles etwas gelassener war. Da wurde Politik am Kartentisch gemacht.

Sie waren beim Eintritt in die CDU schon über 40 Jahre alt. Waren Sie vorher schon politisch?

Nein, ich war vor dem Eintritt nicht öffentlich politisch. Ich war hier in Sötenich mit dem Hausbau fertig. Ortsvorsteher Robert Lütgen suchte mithilfe von Bürgermeister Werner Schumacher seinen Nachfolger, da sprachen mich die beiden an. Ich trat bei der Wahl 1989 an und gewann. Dabei hatte sich mein SPD-Konkurrent Chancen ausgerechnet. Als Ortsvorsteher und dann als Ratsmitglied wollte ich etwas für die Allgemeinheit bewegen.

Haben Sie ein Beispiel?

Wir haben auf dem kleinen Dienstweg unser Bürgerhaus erhalten. Hellenthals Gemeindedirektor Herr Robert Zawada erkannte bei einem Gespräch unsere Not, in die wir durch den Verkauf unserer Gaststätte mit Saal gekommen waren, und bot uns unter der Bedingung, dass das komplette Gebäude des dortigen alten Kindergartens besenrein in den Sommerferien abgebaut und abtransportiert sei, die kostenfreie Überlassung an. Auch der Hellenthaler Gemeinderat stimmte dem Vorhaben zu. Wir haben an drei Wochenenden in Hellenthal abgebaut und dann an weiteren Wochenenden in Sötenich wieder mit den Handwerkern und den vielen Helfern unseres Ortes aufgebaut. Doch weil ich neben der Arbeit und der Politik nicht alles stemmen konnte, haben wir auch noch den Bürgerverein gegründet, der den Aufbau dann organisierte.

Bei Ihrer Verabschiedung kam Bürgermeister Hermann-Josef Esser auf Ihre Treue zu sprechen: Sie waren ein Leben lang bei der Post, sind seit vielen Jahren Mitglied in zahlreichen Vereinen. Wie kommt das?

Nach 28 Jahren im Gemeinderat, davon 18 Jahre als Vorsitzender der CDU-Fraktion, ist Toni Mießeler zum Jahreswechsel ausgeschieden. Foto: Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Schon bevor ich in die Politik gegangen bin war ich im Karnevalsverein, Männergesangverein, Musikverein und Eifelverein – und da hänge ich dran. Ich habe mich gerne engagiert, einer muss ja vorangehen

Sie haben ein halbes Dutzend Bürgermeister und Gemeindedirektoren erlebt. Wie haben die sich unterschieden?

(lacht) Dazu will ich nur so viel sagen: Wir hatten immer gute Bürgermeister in Kall. Natürlich hat mich persönlich Hans Kaiser geprägt. Als er Fraktionsvorsitzender war, war ich Geschäftsführer. Als er Bürgermeister wurde, hat er sich für mich als sein Nachfolger stark gemacht. Das hatte damals alles Hand und Fuß. Wir hatten gute Leute in Kall, die einen mitreißen konnten. Bei wichtigen Entscheidungen, etwa für Schulen und Kindergärten, haben wir für die Gemeinde das Beste rausgeholt. Das war auch unter Herbert Radermacher so und gilt bis heute. Was uns leider nicht gelungen ist, ist die Gesamtschule. Dabei waren wir so zuversichtlich.

War das Ihre größte politische Enttäuschung?

Ja, das war die größte Enttäuschung in meiner politischen Karriere. Wir hatten viel Geld aus dem Konjunkturpaket in die Hauptschule gesteckt. Besonders groß war die Enttäuschung, weil wir es nicht beeinflussen konnten.

Bei Ihrer Verabschiedung hat sich SPD-Fraktionschef Erhard Sohn bei Ihnen für so manche Auseinandersetzung entschuldigt. Hatte er einen Grund dafür?

(lacht) Ich hatte mich auch gewundert, denn einen Grund gibt es nicht, ich bin aber auch nicht nachtragend. Und ich kann auch explodieren. Bei mir müssen Sachen raus, dann sind sie weg. Wichtig ist, dass man über alles reden kann. Politik machen hört sich nämlich so einfach an. Aber dann kommen die Probleme – und mit denen muss man sich beschäftigen.

Ihre größte Enttäuschung haben Sie schon geschildert. An was erinnern Sie sich denn am liebsten zurück?

Es gibt viele schöne Dinge. Hier im Ort beispielsweise, dass wir den richtigen Kindergartenstandort gesucht haben. Für mich sind strahlende Kinderaugen einfach das Schönste. Auch in Kall haben wir einige Pflöcke eingeschlagen, nicht zuletzt mit dem Integrierten Handlungskonzept. Jetzt kommt uns alles zugute. Lange Zeit haben wir am Hungertuch genagt, damit wir nicht in den Ausgleichsstock kommen. Und man muss ja auch sehen: Alles Große, das heute diskutiert wird, stand schon einmal zur Debatte.

Wie kam es denn zur Listengemeinschaft mit den Grünen? Als Sie angefangen haben im Rat war das eine undenkbare Konstellation…

In früheren Legislaturperioden war es wirklich so: Ekkehard Fiebrich wollte noch nicht mal mit uns sprechen und wir haben uns immer gefragt: „Wie kann jemand so gegen etwas sein?“ Doch wir sind beide älter geworden und haben uns dann doch gefragt, ob wir es mal versuchen sollten mit der Gemeinschaft. Und wir haben einiges erreicht. Ein Beispiel: Als die Verwaltung die Hebesätze angehoben hat, haben wir gemeinsam überlegt, wie man zwar die Hebesätze anhebt, aber gleichzeitig andere Dinge für die Bürger von den Kosten her abschwächt, etwa die Müllgebühren.

Wie sehen Sie die Zukunft von Kall?

Positiv! Die Infrastruktur zieht an, die Schulen und Kindergärten sind gut aufgestellt, wir sind mit dem Bahnhof und dem Taxibus gut angebunden. Das sind kleine Dinge, aber die bestimmen das Leben. Und auch mit dem Integrierten Handlungskonzept wird einiges passieren. Da gilt wie immer, wenn man etwas macht: Wenn es gut ist, spricht man nicht übers Geld.

Und was machen Sie jetzt?

Maximal bis zur Wahl 2020 bleibe ich noch Ortsvorsteher. Und ich würde gerne mal wieder Radfahren und in die Natur gehen. Das ist lange zu kurz gekommen.

pp/Agentur ProfiPress

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