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Eine neue Arche für Noah

Die ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner unterhielt mit spannenden Inneneinsichten in die Arbeit am Dom – Aufgabenspektrum von Restauration über technische Installationen bis zum Entwurf von Souvenirs – Anekdoten vom Trubel in der Dombauhütte begeisterten die Besucher in der „Mottenburg“

Euskirchen-Kuchenheim – „Die Liebe der Rheinländer zu ihrem Dom ist etwas Einmaliges. Ich kenne kein einziges Gebäude auf der Welt, zu dem die Bevölkerung eine derart emotionale Bindung hat.“ Als ehemalige Dombaumeisterin muss Barbara Schock-Werner es wissen. Am Donnerstagabend gestaltete sie mit ihrem Vortrag über den „Kölner Dom als spannende Lebensaufgabe“ einen kurzweiligen Abend mit überraschenden Innenansichten.

Die Architektin, Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin und Hochschullehrerin war mit ihrem Vortrag in der „Mottenburg“ einer Einladung der Freunde und Förderer des LVR-Industriemuseums gefolgt. Mit Schwung und Sinn für Humor erzählte die langjährige Dombaumeisterin von ihren Aufgaben und unterhielt die rund 150 Gäste mit allerlei Anekdoten rund um den Erhalt des Kölner Wahrzeichens.

Vor vollem Haus hielt Barbara Schock-Werner ihren Vortrag in der „Mottenburg“ auf Einladung der Freunde und Förderer des LVR-Industriemuseums. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Vor vollem Haus hielt Barbara Schock-Werner ihren Vortrag in der „Mottenburg“ auf Einladung der Freunde und Förderer des LVR-Industriemuseums. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Der Weg zur Dombaumeisterin war für Barbara Schock-Werner ein verschlungener Weg zum Ziel. Mathematik und Kunst treffen sich in der Architektur – so traf sie als Schülerin die Entscheidung für ihren zukünftigen Berufsweg. Als Architektin beschäftigte sie sich zunächst vor allem mit denkmalpflegerischen Aufgaben, während sie nach Feierabend ein Studium der Kunstgeschichte begann.

Es folgten Promotion, Lehrzeit und Habilitation, bis sie Ende der 1990er Jahre ein Anruf aus Köln erreichte. Dombaumeister Arnold Wolff wolle sich zur Ruhe setzen, ob sie sich nicht auf den Posten als Dombaumeisterin bewerben wolle. „Das kam vollkommen überraschend, Arnold Wolff war schon so lange im Amt, dass er eigentlich schon damit identisch war“, erzählt sie. „Nach dem Anruf habe ich 20 Minuten überlegt um zu dem Schluss zu kommen: »Das ist genau das, was du immer machen wolltest! «“

Von 1999 bis 2012 widmete sich Barbara Schock-Werner dem Kölner Dom, bemüht ihn zu erhalten, zu erforschen und zu betreuen. Bis zu 100 Mitarbeiter gehören zum Team des Doms, darunter allein 30 Steinmetze. 8000 Quadratmeter Glasfenster sind in der Kathedrale verbaut, eigene Schreiner kümmern sich um Erhalt und Funktion der insgesamt 400 Türen. Auch als Ausbildungsbetrieb ist der Dom eine beliebte Anlaufstelle, nur Maler und Anstreicher würde man nicht mehr ausbilden, denn „tapezieren kommt im Dom nicht in Frage.“

Dreizehneinhalb Jahre lang hatte Barbara Schock-Werner als Dombaumeisterin das Wahrzeichen Kölns erhalten, erforscht und betreut. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

Dreizehneinhalb Jahre lang hatte Barbara Schock-Werner als Dombaumeisterin das Wahrzeichen Kölns erhalten, erforscht und betreut. Foto: Steffi Tucholke/pp/Agentur ProfiPress

„Meistens geht es in der Dombauhütte vollkommen irre zu, weil sich der allgemeine Trubel auf das Gebäude und seinen Inhalt auswirkt. Womit ich nicht gerechnet hatte, war der hohe Anteil an Wahnsinn, mit dem man als Dombaumeister zu tun hat“, erzählt die 67-jährige gebürtige Schwäbin augenzwinkernd.

Für die Euskirchener Besucher hatte Barbara Schock-Werner einen spannenden Ausflug in die Geschichte des Kölner Doms vorbereitet. Im Jahr 870 war zunächst der „Alte Dom“ geweiht worden, der später durch die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu einer der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Europas wurde. Für tausende Pilger musste natürlich eine neue Kirche her und so wurde 1248 mit dem Bau des Kölner Doms begonnen.

Als die lutherische Reformation zu schweren Einbrüchen in den Einnahmen des Domkapitels führte, wurde der Bau unterbrochen und erst mehrere hundert Jahre später um 1880 wieder aufgenommen. „Aber die Kölner können mit einem Provisorium gut leben“, glaubt die ehemalige Dombaumeisterin. Heute besteht der Dom aus zwei Teilen: einem mittelalterlichen Teil und einem nach den mittelalterlichen Plänen gebauten Teil aus dem 19. Jahrhundert.

Die kleinteiligen Verzierungen und Figuren der Gotik machen den Erhalt der Bauwerke heute ungeheuer aufwändig. So fehlte etwa der Figur von Noah sein Arm, in dem er die Arche hielt. Als die Dombaumeisterin den Restaurator zu ihm schickte, kam er wenig später mit dem Kopf von Moses zurück. Die Figuren wurden daraufhin per Laser gereinigt, wiederhergestellt und erhielten anhand der überlieferten dreidimensionalen Skizzen auch ihre Attribute wieder zurück.

Zu schaffen machten dem Dom-Team auch allerlei Verwitterungsschäden, die dem alten Denkfehler „harter Stein hält auch länger“ geschuldet waren. Kopien wurden aus einem eigens ausgewählten Sandstein aus Tschechien hergestellt, der unter anderem auch in Teilen der Prager Karlsbrücke zum Einsatz kam. Die restaurierten Teile mussten dann in 40 Metern Höhe wieder angebracht werden – wenig überraschend, dass der Mitarbeiter in seiner Freizeit ein leidenschaftlicher Fallschirmspringer ist.

Viele der Heiligenfiguren sind in sich wahre Kunstwerke mit ihren Gewändern, die an original italienische Stoffe angelehnt sind, mit eingelassenen Glassteinen und Goldborten und reichhaltigen Verzierungen, deren rote Farbe aus getrockneten Läusen aus Indien gewonnen wird. „Bis in das 14. Jahrhundert hinein kann Geld beim Bau keine Rolle gespielt haben“, so Barbara Schock-Werner.

Eines ihrer ersten Projekte war 1999 die Idee, die Drehtüren am Hauptportal gegen seitliche Türen und einen dahinter gelagerten Windfang auszutauschen. Inspiriert wurde sie dazu beim Empfang der Sternsinger, nach dem die zahlreichen als die Heiligen Drei Könige verkleideten Kinder allesamt mit ihren Stangen in der Hand versuchten, durch das Drehkarussell nach draußen zu gelangen.

Als Dombaumeisterin hatte Barbara Schock-Werner es auch mit allerlei technischen Erfordernissen zu tun. 1000 Leuchten sorgen heute in 72 Beleuchtungsszenarien für das richtige Licht – gesteuert über einen hochmodernen Touchscreen. Und dann wären da noch die Souvenirs – ein eigens designter Domschirm für die regnerischen Tage oder ein Dom aus Filz als Schlüsselanhänger. Ein Souvenir für den täglichen Gebrauch hat die ehemalige Dombaumeisterin sogar selbst entworfen: Büroklammern in Domform.

Eine Spielregel musste Barbara Schock-Werner während der dreizehneinhalb Jahre in ihrem Amt beachten: „In den Dom wird kein Loch gebohrt!“ Was beim Aufhängen von Leuchten und Lautsprechern schon als Herausforderung erscheint, konnte vom Dom-Team letztendlich sogar bei den riesigen Hängegerüsten für die Arbeiten in luftiger Höhe umgesetzt werden. Die Gerüste, die ursprünglich aus dem Showbusiness stammen, haben eine Aufbauzeit von zwei Jahren – können dafür aber abgebaut werden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Für viel Aufsehen sorgte schließlich 2007 das von dem Künstler Gerhard Richter entworfene bunte Glasfenster am Südquerhaus des Kölner Doms. Fünf Jahre Arbeit waren der Einweihung des Fensters vorhergegangen – „auf das Fenster bin ich bis heute stolz“, erklärt Barbara Schock-Werner. „An manchen Tagen sieht es schön aus, an manchen sogar wunderschön“, lächelt sie.

pp/Agentur ProfiPress

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