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Eine Bergpredigt der besonderen Art

Gipfelerlebnisse und Talsohlen, beschwerliche Aufstiege und noch schwierigere Abstiege. Darum ging es gestern Abend, beim achten Vortrag von Pater Anselm Grün in der Stadthalle Bitburg

Bitburg – Der Benediktinerpater Anselm Grün referierte zum achten Mal beim Eifel-Literatur-Festival. In der Stadthalle Bitburg hielt er den Vortrag „Von Gipfeln und Tälern des Lebens“, der über 800 Besucher anzog. Sie kamen aus ganz Deutschland angereist, 50 sogar aus Belgien, um die Ohren zu spitzen und sich vom Pater inspirieren zu lassen.

„Vor einem Berg fühlt man sich machtlos und hilflos, die Wege aber führen zum Gipfel, solange man nur weitergeht“, sagte Grün. Er erhebt die Wanderung, Berge und Täler zu einem Gleichnis des Lebens. Sie seien ein Sinnbild dafür, sich neuen Herausforderungen zu stellen und, viel wichtiger, daran zu wachsen, seine Kräfte zu erproben und neue Ziele in den Blick zu nehmen.

Im Saal herrschte gespannte Stille, die Zuhörer hingen dem Pater an den Lippen. Vom Nimbus der Demut umflort, stand er, in schlichter schwarzer Kutte gekleidet, in dem ausverkauften Saal und referierte frei, die Augen zum Publikum gewandt. Grün wusste seinen Zuhörern das Gefühl zu vermitteln, dass es im Augenblick nichts Wichtigeres gab, als sie. Viele Menschen fühlten sich direkt angesprochen. „Was er sagt geht mir durch Herz und Nieren“, sagte eine Frau zu ihrer Nachbarin nach dem Vortrag.

Anselm Grün referierte in der ausverkauften Stadthalle Bitburg beim Eifel-Literatur-Festival. Foto: Harald Tittel/Eifel-Literatur-Festival/pp/Agentur ProfiPress

„Vielleicht kennt man den Weg zum Gipfel noch nicht“, führte Grün aus, aber man müsse sich für einen Weg entscheiden und den dann auch gehen. Manchmal komme die Frage auf, wieso man sich diese beschwerliche Reise angetan habe. Dabei stehe das Weitergehen als Bild fürs Leben. „Auch die schwierigen Wege müssen gegangen werden, wenn man sein Ziel erreichen möchte. Gegebenenfalls gehört es auch dazu, irgendwann zu merken, dass es nicht mehr weitergeht.“ Manchmal müsse man umkehren, wenn man keinen Weg gefunden hat.

Wer sein Ziel erreicht habe, der könne das Genießen. Ein Gipfel verspreche Erlebnisse, Erfahrungen, Faszination und Befriedigung. Aber ebenso verspreche er etwas anderes: einen schwierigen Abstieg ins Tal. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal“, so heißt es im berühmten Psalm 23, „Der gute Hirte“.

Als Theologe und Gottesmann ist Grün davon überzeugt: Wohin du auch gehst oder im Leben stehst, du musst dich nie alleine fühlen, weil Gott bei dir ist. Allerdings muss man auch die Kraft besitzen die schwierigen Abschnitte des Lebens zu meistern.

Vom Benediktinerpater Anselm Grün darf man sich keine simple Anleitung zur Kunst des Lebens erwarten, tut man es doch, wird man enttäuscht. Viel mehr möchte er mit seinen Vorträgen und Büchern zeigen, dass alle Versuche, seinem Leben einen Sinn zu geben, fehlschlagen müssen, sofern man nicht an seiner Persönlichkeit arbeitet und sie entwickelt.

Ist das Leben gewissermaßen eine Kunst? Wenn es das ist, dann wird von dem, der der diese Kunst beherrschen will, verlangt, dass er etwas über diese Kunst weiß. Grün zeigt in seinen Vorträgen stets, dass es überhaupt keine Erfüllung geben kann ohne wahre Demut, ohne Mut, Glaube und Disziplin. Und er zeigt auch, dass man keine Mühe scheuen soll. So, wie bei einer Bergwanderung.

pp/Agentur ProfiPress

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