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Eifeler Hilfe kam in größter Not

Tsunami-Projekt in Sri Lanka endet nach elf Jahren – Freundschaften mit den Menschen in „Batti“ bleiben bestehen

Kreis Euskirchen – Am 26. Dezember 2004 verwandelte ein Tsunami die Küsten des Indischen Ozeans in ein Katastrophengebiet. Auf Sri Lanka kam noch eine weitere tragische Komponente hinzu: Hier fielen dem verheerenden Tsunami nicht nur rund 35.000 Menschen zum Opfer, sondern das Land war zu diesem Zeitpunkt bereits von bewaffneten Auseinandersetzungen schwer gezeichnet.

Groß war die Freude bei Kindern und Erziehern, wenn die Eifel-Aid-Mitarbeiter ihnen einen Besuch abstatteten. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Groß war die Freude bei Kindern und Erziehern, wenn die Eifel-Aid-Mitarbeiter ihnen einen Besuch abstatteten. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

„Batti“, wie die Einheimischen die Stadt Batticaloa nennen, nur wenige Kilometer von den Surfer-Paradiesen und Traumständen der Ostküste Sri Lankas entfernt, war nicht nur Hochburg der Rebellenorganisation Tamil Tigers während des Bürgerkriegs, sondern wurde beim Tsunami komplett verwüstet. Seitdem floss dank der Kreis Euskirchener Hilfsorganisation „Eifel-Aid“, zu deren Unterstützer das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen, die Caritas, die Diakonie, die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das Technische Hilfswerk (THW), die Feuerwehr und der Malteser Hilfsdienst sowie zahlreiche private Spender zählen, Hilfe im Wert rund 120.000 Euro in die bettelarme Region. Jährliche Besuche garantieren, dass die Spenden dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Wenn es sein musste, stieg Winfried Dedrichs auch schon einmal selbst in einen der Brunnen, die mit der Unterstützung von Eifel-Aid auf Sri Lanka gebaut wurden. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Wenn es sein musste, stieg Winfried Dedrichs auch schon einmal selbst in einen der Brunnen, die mit der Unterstützung von Eifel-Aid auf Sri Lanka gebaut wurden. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Die Initialzündung für dieses Engagement gaben seinerzeit zwei junge, freiwillige Feuerwehrleute, die sich mit einem Hilfeersuchen an den Kreisfeuerwehrverband gewandt hatten: Krisantini Balasundaram und ihr Cousin Suthan Thiruchelvam, deren Familienangehörige alles Hab und Gut verloren hatten und einige auch ums Leben gekommen waren. Für den damaligen DRK-Geschäftsführer Rolf Zimmermann und seine Mitstreiter war schnell klar: Wir wollen was tun! Ein Spendenaufruf wurde gestartet und in der Bevölkerung setzte eine überwältigende Hilfsbereitschaft ein. Insgesamt 110.000 Euro kamen innerhalb weniger Wochen zusammen, die nachhaltig auf zehn Jahre für die Hilfe vor Ort eingesetzt werden sollte.

Ein Arzt und zwei Mitarbeiter kümmern sich im „Eifel-Dispensary-Medical Center“ die halbe Woche um 80 Patienten täglich. An den anderen Tagen dient die Krankenstation der Gesundheitsvorsorge, indem die Menschen dort in Hygiene, Zahnpflege und Schwangerschaftsvorsorge geschult werden. Außerdem ist in dem Gebäude auch eine Apotheke eingerichtet. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Ein Arzt und zwei Mitarbeiter kümmern sich im „Eifel-Dispensary-Medical Center“ die halbe Woche um 80 Patienten täglich. An den anderen Tagen dient die Krankenstation der Gesundheitsvorsorge, indem die Menschen dort in Hygiene, Zahnpflege und Schwangerschaftsvorsorge geschult werden. Außerdem ist in dem Gebäude auch eine Apotheke eingerichtet. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Doch wie und in welchem Rahmen genau? „Das war am Anfang noch nicht ganz klar“, erzählt Rolf Zimmermann, der jetzt zum Abschluss des mehr als zehnjährigen Hilfsprojektes Bilanz zog. Im März 2005 machte sich eine vierköpfige Delegation, neben Zimmermann bestehend aus Feuerwehrmann Rolf Stubb, dem Vater Krisantis und dem Euskirchener Kinderarzt Dr. Joachim Rechmann, als Erkundungstruppe „FACT“ (= Field Assessment and Coordination Team) via Flieger auf den Weg nach Colombo, der Hauptstadt von Sri Lanka. „Wir übernachteten bei Freunden der Familie Balasunderam im Wohnzimmer unter einem Moskitozelt. Am nächsten Tag ging es dann in einem uralt-klapprigen Bus in achtstündiger Fahrt über holprige Fernstraßen, die hier allenfalls als Feldwege durchgehen würden“, erinnert sich Zimmermann.

Überall boten sich ihnen beklemmende Bilder der Verwüstung, eine Landschaft voller Trümmer und Ruinen. Bei ihrer Ankunft in Batticaloa das gleiche Bild: Die ersten Aufräumarbeiten waren gemacht, die Schäden aber noch unübersehbar. Es mangelte vor allem an Wasser, denn die Brunnen waren durch Salzwasser und Fäkalerreger auf Monate hin verseucht. Die Not war groß: Zu essen gab es pro Kopf täglich zwei Handvoll Reis. Die Menschen waren von der Mangelernährung schon stark gezeichnet. Trost und Halt fanden sie vor allem in der Kirche im Ortskern, die von der Flut verschont geblieben war. Frater J. Joseph Mary, Pastor der St. Ignatius Church, half der deutschen Delegation, Prioritäten zu setzen und das Hilfsangebot auf den Punkt zu bringen. Das Projekt: Der Bau einer Ambulanzstation in einer unterversorgten Grenzregion.

Mit reichlich Spiel- und Lernmaterial statteten Thomas Schwarzer (r.) und Winfried Dederichs (l.) die Kindergärten in der Region aus. Wo die Kinder früher mit dem Finger Schriftzeichen in den Sand malten, lernen sie dank der Hilfe aus dem Kreis Euskirchen heute mit Büchern, Heften und Stiften. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Mit reichlich Spiel- und Lernmaterial statteten Thomas Schwarzer (r.) und Winfried Dederichs (l.) die Kindergärten in der Region aus. Wo die Kinder früher mit dem Finger Schriftzeichen in den Sand malten, lernen sie dank der Hilfe aus dem Kreis Euskirchen heute mit Büchern, Heften und Stiften. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Mit der Koordination vor Ort wurde ein junger, engagierter ehemaliger Zivildienstleitendes des DRK-Kreisverbandes Euskirchen betraut: René Böhmer aus Mechernich. Nicht nur als gelernter Dachdecker ein Glücksgriff. „Ihm ist es zu verdanken, dass unser Vorhaben nicht, wie so manches andere, im Chaos gutgemeinter Aktionen gestrandet ist.“ Sein Rat: „Es nützt nichts, wenn wir hier von irgendwoher Sachen ankarren lassen, wir müssen sie hier vor Ort bauen lassen. Und es bringt auch nichts nach westlichen Architektur-Standards zu planen, sondern wir müssen die Gebäude hier bauen, wie sie den Gegebenheiten vor Ort entsprechen.“

Nach seiner Maxime brachte „Eifel-Aid“ nicht nur einheimische Handwerker in Lohn und Brot, sondern realisierte den Bau für einen Bruchteil der ursprünglich kalkulierten Kosten.

Die Kontrolle der oft verdreckten Brunnen gehörte zu den Aufgaben der Helfer. Hier inspiziert Thomas Schwarzer (r.) zusammen mit Einheimischen einen Brunnen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Die Kontrolle der oft verdreckten Brunnen gehörte zu den Aufgaben der Helfer. Hier inspiziert Thomas Schwarzer (r.) zusammen mit Einheimischen einen Brunnen. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Viel Gutes ist in den vergangenen elf Jahren passiert: Brunnen sind gebaut worden, Kindergartenpatenschaften zwischen Sri Lanka und dem Kreis Euskirchen entstanden, viele bunte Kinderzeichnungen um die Welt verschickt, Mobiliar und Arbeitsmaterialien für den Schulunterricht beschafft worden. Die Dankbarkeit in den Augen der Menschen war riesengroß, und das Projekt wurde für die beiden „Eifel-Aid“-Mitstreiter Thomas Schwarzer, ehemaliger „Zivi“ beim Roten Kreuz in Euskirchen, und Winfried Dederichs, pensionierter Nettersheimer Gemeindebrandmeister, zu einer Herzensangelegenheit.

Dass das Projekt jetzt ausläuft, betrachten sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Hilfe ist angekommen und hat vielen Menschen Glück gebracht, eine hoffnungsvolle und nachhaltige Zukunft gegeben. Die Freundschaften werden in jedem Fall bleiben, ist man sich sicher. Und auch die Erinnerungen an kleine Anekdoten, die die Helfer ein ums andere Mal zum Schmunzeln gebracht haben.

Die von Eifel-Aid betreuten Kindergärten und Schulen für behinderte Kinder wurden regelmäßig mit Material versorgt. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Die von Eifel-Aid betreuten Kindergärten und Schulen für behinderte Kinder wurden regelmäßig mit Material versorgt. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Wie die von der englischsprachigen Liste mit „Musikinstrumenten“, die sich die Kinder von Batticaloa vor einigen Jahren gewünscht hatten. Dieser Wunsch wurde ihnen natürlich erfüllt. Mit einem Auto voller Trommeln, Triangeln, Flöten und Co. reisten Dederichs und Schwarzer damals an. Die Überraschung war groß, denn „mit der Übersetzung ins Deutsche hatte es nicht so ganz geklappt“, lacht Dederichs: Eigentlich hatten sich die Kinder nur einen CD-Player gewünscht.

pp/Agentur ProfiPress

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