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Eifel, Energieregion der Zukunft

Eifel-Bürgermeister aus NRW, Rheinland-Pfalz und Belgien berieten sich grenzübergreifend in Rurberg – Zweite Konferenz dieser Art der Zukunftsinitiative Eifel – Themen waren Fachkräftemangel und Energiewende – Gerolsteins Bürgermeister Matthias Pauly: „Eifeler sollen sich nicht schamhaft verstecken, sondern stolz Flagge zeigen“ 

Während der zweiten grenzüberschreitenden Bürgermeisterkonferenz der Zukunftsinitiative Eifel wurde der bereits als gedruckte Version vorliegende Technologieatlas Eifel auch online freigeschaltet. Den entsprechenden Druckknopf bedienten frei nach dem Solidaritätsmotto "Einer für alle, alle für einen" (von links) die Initiatoren Städteregionsrat Helmut Etschenberg (Aachen), Marc Langohr (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens), Landrat Dr. Joachim Streit (Bitburg-Prüm), Dr. Matthias Schwallbach (Handwerkskammer Trier) und Michael Esser (Wirtschaftsförderung der Städteregion Aachen). Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Rurberg/Eifel – Die Eifel soll Flagge zeigen und die Eifeler Stolz auf ihre Heimat entwickeln, forderte der Gerolsteiner Bürgermeister Matthias Pauly auf der zweiten Bürgermeisterkonferenz der Zukunftsinitiative Eifel (ZIE) im Antoniushof Rurberg. Dass Ruth Roelen vom Planungsstab des amtierenden ZIE-Vorsitzenden Helmut Etschenberg die Tagesordnung neben Hochdeutsch auch in Nordeifeler Mundart vorgelegt hatte, imponierte Pauly: „Das ist es, was wir brauchen in der Zukunftsinitiative Eifel: Mehr Identität, mehr Emotionen!“

In der Zukunftsinitiative Eifel, einer eifelweiten föderalistischen Austausch- und Beratungsebene, haben sich ursprünglich zehn Eifelkreise mit 63 Kommunen sowie acht Kammern (Handwerks-, Landwirtschafts- und Industrie- und Handelskammern) sowie die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens (DG) vor zehn Jahren zusammengeschlossen.

www.technologieatlas-eifel.de live aus Rurberg freigeschaltet

Ihre Handlungsfelder sind Kultur & Tourismus, Technologie & Innovation, Wald & Holz, Landwirtschaft und Handwerk & Gewerbe. Die Eifeltourismus (ET) GmbH, die Regionalmarke Eifel, die Eifelkonferenz mit wechselnden Themen, der Technologieatlas Eifel und der „Eifel-Award“ genannte regionale „Oscar“ sind die berühmtesten „Kinder“ der  mit zehn Jahren noch jungen Zukunftsinitiative.

Themen der zweiten eifelweiten Bürgermeisterkonferenz überhaupt waren Fachkräftemangel, Energiewende und die Online-Schaltung des Technologieatlas Eifel (www.technologieatlas-eifel.de) am Schluss. In einer denkwürdigen Zeremonie, in der die Beteiligten ihre Hände übereinander auf den Start-Button legten, signalisierten Städteregionsrat Helmut Etschenberg (Aachen), Landrat Dr. Joachim Streit (Bitburg-Prüm), Marc Langohr (DG), Dr. Matthias Schwallbach (Handwerkskammer Trier) und Michael Esser (Wirtschaftsförderung der Städteregion Aachen) den festen Schulterschluss eifelweit. Die „Motoren“ des nach der gedruckten Version jetzt auch im Internet abrufbaren Technologieatlas Eifel agierten auch optisch nach dem Solidaritäts-Motto: „Einer für alle, alle für einen“.

Bereits zu Beginn der zweiten Bürgermeisterkonferenz war Kuratoriumsvorsitzender Helmut Etschenberg in Rheinland-Pfalz publizistisch gestreuten Falschinformationen entgegen getreten, die ZIE stecke in der Krise oder es gebe Rivalitäten zwischen den Eifelteilen beider beteiligter Bundesländer.

Die bewährte eifelweite und grenzenlose Philosophie der ZIE werde unter seiner Ägide fortgesetzt, konstatierte Etschenberg, auch wenn  Budgets notwendigerweise geschmälert wurden, es herrsche weitgehende Solidarität und die Zukunftsinitiative Eifel lasse sich nicht  auch nicht auseinanderdividieren.

Dann rief Etschenberg, dessen Mutter in Miescheid (Gemeinde Hellenthal) geboren wurde, dessen Familie im ostbelgischen Möderscheid evakuiert war und der heute selbst im Eifelstädtchen  Monschau lebt, den Bürgermeistern und Vertretern in Nordeifeler Mundart zu: „Watt oss all am Häzze litt, datt öss de Eefel!“

Moderator des Tages war Geschäftsführer Fritz Rötting von der Industrie- und Handelskammer zu Aachen. Als er nach Interviews, Vorträgen und insgesamt sieben Diskussionszirkeln ein Fazit zog, war klar: Die Eifel-Bürgermeister wollen den Fachkräftemangel bei den Hörnern packen und die Energiewende für die Eifel nutzen. Und zwar nicht nur ideologisch, sondern mit klingender Münze.

„Für die Eifel“ heißt für die Eifel-Bürgermeister auch „für die Eifeler“ oder, wie es der St. Vither Bürgermeister Christian Krings als Kampfansage an die europäischen Energiekonzerne formulierte: „Lassen Sie uns eifelweit mit dem Slogan »Grüne Energie in Bürgerhand und Grüne Energie in kommunaler Hand“ Furore machen“.

Etschenberg: „Wertschöpfung in der Region behalten“

Diane Schmitz, Verbandsbürgermeisterin an der Oberen Kyll, kreierte dazu ein neues Schlagwort für die Eifel als „Null-Co2-Region“. Der Aachener Städteregionsrat Helmut Etschenberg, amtierender Kuratoriumspräsident der Zukunftsinitiative Eifel, hatte bereits zur Konferenzeröffnung preisgegeben, dass die ländlichen Räume für die Zukunft die erforderlichen Freiräume zur Nutzung regenerativer Energien besäßen. Die Eifel solle mit diesem Pfund wuchern und die Wertschöpfung nicht an Großkonzerne abgeben, sondern in der Region halten.

Friedhelm Wirtz, der Bürgermeister der grenznahen belgischen Gemeinde Büllingen, bat die Zukunftsinitiative Eifel um die Unterstützung  internationaler Zusammenarbeit, zum Beispiel bei der Einspeisung von belgischem Windstrom ins deutsche Netz. Wirtz: „Unser zweite Windpark ist nur zweieinhalb Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, auf belgischem Territorium müssten wir viel längere und teurere Leitungen bauen, um unseren Strom einzuspeisen.“

Der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns war als Hausherr des Rurberger Antoniushofs nicht nur Gastgeber der zweiten Bürgermeister-Konferenz der Zukunftsinitiative Eifel (ZIE), er hatte auch als Belegenheits-Bürgermeister eines geplanten Pumpspeicherkraftwerks seine Sicht auf die energetische Zukunft der Eifel beizutragen.

Man müsse energiepolitische Fragen immer kommunal-, kreis- und länderübergreifend diskutieren und in Angriff nehmen, appellierte Hermanns. Vom Simmerather Kraftwerk profitiere nicht nur seine Kommune, sondern auch die Nachbarstädte Heimbach und Nideggen, imagemäßig als Lieferant regenerativer Energie für die Zukunft partizipiere die ganze Eifel von dem Projekt, so Hermanns.

Kommune ist Stromerzeuger und will auch Netzbetreiber werden

Der Mechernicher Erste Beigeordnete Thomas Hambach, der Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick bei der zweiten Bürgermeister-Konferenz der Zukunftsinitiative Eifel vertrat , gab in seiner Arbeitsgruppe zu erkennen, dass die Stadt Mechernich im Begriff steht, ihr Stromleitungsnetz zu „re-kommunalisieren“ und sich in die Phalanx der Stromversorger einzureihen. Stromerzeuger ist die Kommune bereits als Mitbetreiber des Solarparks Kalenberg, in dessen Nachbarschaft der Kreis Euskirchen ein Gasmotorenkraftwerk mit Deponieabgasen betreibt.   

Das zweite Schwerpunktthema Fachkräftemangel wurde von der energisch vorgetragenen Energieinitiative der Bürgermeister-Konferenz etwas überlagert. Zudem hatte bereits die Eifelkonferenz 2011 zu dem Thema in St. Vith getagt und daraus eine Zukunftswerkstatt und Workshops entwickelt, in denen weiter gemeinsam beraten wird. Man ist sich einig, dass die Kommunen ihre Betriebe verstärkt mit den Schulen in Verbindung bringen müssen, um Fachkräfte zu begeistern, auszubilden und zu halten.

Ziel ist es, künftige Fachkräfte für die Eifel aus der Eifel zu rekrutieren und die Abwanderung junger Eifeler auf die attraktive Rheinschiene oder nach Luxemburg zu verhindern. Die Bürgermeisterin Diane Schmitz verband die Themenfelder Energie und Fachkräfte mit einem kühnen Vorschlag: „Bislang haben wir bis auf die Holzfachhochschulklasse am Holzkompetenzzentrum Nettersheim Universitäten nur an der Peripherie der Eifel. Wenn wir ein bedeutender Standort für regenerative Energie werden, dann könnte man auch in der Eifel einen Studiengang »Regenerative Energie« in der Eifel ansiedeln.“

Eifel-Tournee der EU-Abgeordneten und ein „Eifel-Tag“ zur Selbstdarstellung

Weitere Vorschläge der zweiten Bürgermeister-Konferenz der Zukunftsinitiative Eifel (ZIE), die den Eifel-Ardennen-Raum weiter nach vorne bringen sollen: Klaus Schäfer (Eifeltourismus ET GmbH) empfahl aus seiner Arbeitsgruppe heraus eine Eifel-Tour der Europa-Abgeordneten, damit sie die Eifel in den Blick nehmen und ihre Interessen in Brüssel und Straßburg entsprechend motiviert vertreten.

Die Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter plädierte für einen „Eifel-Tag“ mit Musik, Folklore, Selbstdarstellung der Wirtschaft, des Tourismus und der Kulturlandschaft. Ein anderes Team empfahl eine Art Unternehmer- und Talentepool, in dem Eifeler Nachwuchskräfte an das für sie passende Unternehmen vermittelt werden, das seinerseits Bewerber mit genau diesem Anforderungsprofil sucht.

Der Nettersheimer Bürgermeister Winfried Pracht drang darauf, dass die Eifel eine besonders arbeitnehmerfreundliche Region werden muss, um junge Familien zu halten. Aber auch Fachkräfte von außen für die Eifel zu begeistern und anzuwerben. Das im Kreis Euskirchen unter Federführung der VR-Bank Nordeifel betriebene Netzwerk „Familie & Beruf“ sei ein vorbildlicher Schritt in die richtige Richtung.

Hilfreich könnte es auch sein, wie die deutschsprachigen Belgier es bereits tun, den Kontakt mit Landsleuten zu halten, die sich beruflich von zu Hause wegbegeben. So bleibe man mit Exil-Eifelern im Gespräch und könne sie im Neigungs- und Bedarfsfall wieder zurückgewinnen.

„Gäbe es die Zukunftsinitiative Eifel nicht, müsste man sie erfinden“

Auch unbedarften Zaungästen  am Pressetisch drängte sich angesichts dieser zweiten Bürgermeister-Konferenz nicht der Eindruck auf, dass sich diese Zukunftsinitiative Eifel in einer Krise befinden könnte. Ganz im Gegenteil, so attestierte Oliver Lühr von der Prognos AG: „Gäbe es sie nicht, müsste man sie für die Eifel erfinden!“

Andere Regionen, vor allem im Alpenraum, aber auch das Münsterland, hätten über solche lockeren, aber mit Herzblut und Engagement betriebenen lockeren Zusammenschlüsse ihre regionale und auf dieser Schiene schließlich auch wirtschaftliche Identität gefunden. Landrat Dr. Joachim Streit (Bitburg-Prüm) hätte sich lediglich mehr Präsenz der Bürgermeister selbst bei „ihrer“ Eifelkonferenz gewünscht.  

pp/Agentur ProfiPress

 

 

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