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Die Menschen hinter den Fakten wahrnehmen

In der Eifel engagieren sich Christen mit viel Herzblut für Flüchtlinge – Flüchtlingsseelsorge leistet konkrete Hilfe

Schleiden/Region Eifel – „Es gibt in der Eifel viel positiven Willen, auf Flüchtlinge zuzugehen.“ Dieses Fazit ziehen Andreas Funke, Flüchtlingsseelsorger für die Region Eifel und der pensionierte katholische Pfarrer und Friedensaktivist Dr. Herbert Kaefer aus Gemünd. Gepaart sei dieser gute Wille aber mitunter mit Unsicherheit, Unwissen und Ängsten.

Hier sorgt die Flüchtlingsseelsorge des Bistums Aachen in der Region Eifel mit vielen Angeboten dafür, dass den Geflohenen der Neubeginn in der Eifel gelingt und unterstützt gleichermaßen die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Dieser Arbeit der Haupt- und Ehrenamtler liegt die Fürsorge für die Fremden zugrunde, die sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht.

„Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst.“ Unter dieses biblische Schutzgebot, nachzulesen im dritten Buch Mose, 19. Kapitel, Vers 33, stellt die Flüchtlingsseelsorge in der Region Eifel ihr Tun. Doch der Gedanke der Gleichbehandlung stoße vor allem immer wieder bei Flüchtlingen christlichen Glaubens auf Unverständnis.

„Sie denken, wenn sie in ein christliches Land kommen, werden sie bevorzugt behandelt. Stattdessen erleben sie hier, dass sie als Geflüchtete nicht anders behandelt werden wie Flüchtlinge moslemischen Glaubens“, erklärt Andreas Funke. Diese auf Gleichbehandlung basierende Wertegemeinschaft sei für viele Flüchtlinge nur schwer zu verstehen. Dass sie sich darin zurechtfinden, ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Flüchtlingshelfer- und seelsorger.

Der pensionierte Pfarrer und Friedensaktivist Dr. Herbert Kaefer (l.) und Andreas Funke, Flüchtlingsseelsorger in der Region Eifel, kennen die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge und ihrer Helfer. Foto: Renate Hotse/pp/Agentur ProfiPress

„Die Ehrenamtler sind eine wichtige Stütze der Kommunen, sie opfern ihre Freizeit für diese Aufgabe, in die sie viel Herzblut investieren“, berichtet Funke. Das Verständnis für die Not der Neuankömmlinge bewahrt hingegen nicht vor Enttäuschungen, Missverständnissen und Konflikten zwischen Helfern und Flüchtlingen. Als einseitige Hilfeleistung begonnen, fällt es dem ein oder anderen Freiwilligen schwer, Flüchtlinge als selbständige Menschen mit eigenen Wünschen anzuerkennen.

„So kommt es schon einmal vor, dass manche Reaktionen als Undankbarkeit interpretiert werden“, so Andreas Funke weiter. Gleichzeitig sehen sich die Helfer nicht selten mit Stammtischparolen konfrontiert – im Vorfeld der Bundestagswahl im September mehr denn je. Funke: „Die lassen einen schon einmal sprachlos, ohnmächtig oder ärgerlich zurück.“

Andererseits gebe es auch die händeringend Mitarbeiter suchenden Eifeler Handwerksbetriebe, die Flüchtlinge dankend aufnehmen würden. Manchmal seien Ehrenamtler froh, „einfach einmal Dampf ablassen zu können“. Die Möglichkeit dazu besteht etwa bei den monatlichen offenen Gesprächsrunden, die die Flüchtlingsseelsorge in Mechernich, Schleiden, Bad Münstereifel und Monschau anbietet.

Zu den Aufgaben von Andreas Funke zählen aber auch Einzelgespräche und die Unterstützung in Konfliktsituationen. Eine Hilfe ist ihm dabei Dr. Herbert Kaefer, der sich seit über 30 Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert, Mitbegründer des Aachener „Cafés Zuflucht“ ist – heute eine der größten Beratungsstellen für Flüchtlinge in NRW –, und für sein Engagement 1991 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet wurde.

„Die Menschen hinter den Zahlen sind wichtig“: Dr. Herbert Kaefer inmitten von in die Eifel geflohenen Eritreern. Foto: Privat/pp/Agentur ProfiPress

Seit 1983 die ersten Flüchtlinge nach Aachen kamen, habe ihn das nicht mehr losgelassen, „obwohl es mich auch belastet, aber man kann sich ja nicht zurückziehen“, erklärt der Pfarrer im „Unruhestand“ sein Engagement. Als Papst Franziskus eine syrische Flüchtlingsfamilie im Vatikan aufnahm, appellierte er an alle Pfarrstellen und Klöster, ebenfalls Flüchtlingsfamilien aufzunehmen. Auch bei Dr. Herbert Kaefer lebt ein geflüchteter Eritreer im Haus.

Was Kaefer immer wieder zusetzt, ist die Tatsache, dass hinter den Zahlen und Fakten der Mensch selbst nicht mehr wahrgenommen werde. „Dabei ist es wichtig, von der Situation des einzelnen Flüchtlings auszugehen.“ In einem Fall wurde der Asylantrag eines Eritreers abgelehnt, weil er nicht zur persönlichen Anhörung erschienen war. Kaefers Recherche ergab, dass der Behördenbrief falsch zugestellt worden war. Für den Flüchtling, der panisch vor Angst vor einer Abschiebung war, begann eine regelrechte Odyssee, die ihn nach Norwegen, von dort zurück nach Deutschland und dann nach Schweden führte.

„Man wird den Ängsten dieser Menschen nicht gerecht, wenn man von sicheren Herkunftsländern ausgeht“, sagt Kaefer. In einzelnen Notfällen gewähre die Flüchtlingsseelsorge in der Eifel Kirchenasyl, eine Form des zivilen Ungehorsams. „Da muss der ganze Ort hinter stehen“, fügt Andreas Funke an und verweist auf ein Beispiel in Blankenheim, wo die Pfarrgemeinde mit großem persönlichen Aufwand ihrer Mitglieder mit Hilfe des gewährten Kirchenasyls bewirken konnte, dass der Fall erneut geprüft wurde.

Flüchtlingsseelsorge Region Eifel
Andreas Funke, Franziskushaus, Klosterplatz 1, 53937 Schleiden, Tel. 0 24 45/05 01 55
E-Mail: andreas.funke@bistum-aachen.de
www.facebook.com/proFluechtlingeEifel

pp/Agentur ProfiPress

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