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Der „Mark Twain der Eifel“

Der Schriftsteller und Mundart-Kolumnist Fritz Koenn (93) hat seinen imaginären Briefwechsel zwischen „Ferkes Wellem“ und „Tant Dresje“ in der Tageszeitung „Kölnische Rundschau“ eingestellt – Filmkünstler Rolf A. Kluenter dreht zurzeit mit Unterstützung der VR-Bank Nordeifel, Koenns Heimatgemeinde Hellenthal und der Agentur ProfiPress einen Kunstfilm über Fritz Koenn und sein Werk

Kall/Hellenthal/Mechernich – Mit zunehmendem Alter nähert sich der in Hellenthal geborene Schriftsteller Fritz Koenn auch optisch dem amerikanischen Autor Samuel Langhorne Clemens (1835 – 1910), der es unter dem Namen „Mark Twain“ zu einiger Berühmtheit brachte. In Eifeler Gefilden ist Mundart-Autor Koenn nicht minder bekannt als sein amerikanisches Pendant. Zurzeit dreht der in Bürvenich geborene und in der Hauptsache in Shanghai lebende Beuys-Schüler und Filmkünstler Rolf A. Kluenter einen Kunstfilm über Koenn und sein Werk.

Koenns Geburtsgemeinde Hellenthal und die VR-Bank Nordeifel, deren Unternehmensphilosophie der Autor komplett ins Eifeler Platt übersetzte, unterstützen das Projekt ebenso wie die Mechernicher Agentur ProfiPress, deren Geschäftsführer Manfred Lang ein bekannter Interpret von Fritz Koenns Gedichten und Erzählungen ist.

Maria und Fritz Koenn mit Bürgermeister Rudolf Westerburg vor einigen Jahren bei der großen Gala „Ne Ovend für Fritz Koenn“, den die Gemeinde Hellenthal mit Unterstützung zahlreicher Künstlerkollegen und Freunde Koenns organisiert hatte. Der Theaterverein Wolfert spielte Einakter aus der Feder des „Mark Twains der Eifel“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Auch der Eifel-Troubadour Günter Hochgürtel und Liedermacher Erich Hermes, der einige Gedichte Koenns vertont hat, wirken in dem Streifen mit. Er soll noch dieses Jahr im Paket mit einer Neuauflage von Fritz Koenns Erstlingswerk „Eefeler Stöckelcher“ in die Buchhandlungen kommen. Der bekannte Kriminalautor und Herausgeber Ralf Kramp verlegt das Doppelwerk.

Kein Briefwechsel mehr

zwischen „Ferkes Wellem“ und „Tant Dresje“

Ende Juli widmete die „Kölnische Rundschau“, deren Mundart-Kolumnist Fritz Koenn seit den 60er Jahren ist, dem 93-Jährigen und seiner geliebten Frau Maria eine ganze Lokalseite. Und zwar, weil sich das in Königswinter lebende Paar entschlossen hat, den imaginären Briefwechsel zwischen „Ferkes Wellem“ und „Tant Dresje“ einzustellen, den „Ghostwriter“ Koenn seit Jahrzehnten in der Tageszeitung führt. Und zwar aus Altersgründen.

Unlängst beim Hausbesuch in Königswinter am Rande von Dreharbeiten für das Kunstfilmprojekt Rolf A. Kluenters über Fritz Koenn und sein Werk. Das Bild zeigt Fritz Koenn (Mitte) mit Ehefrau Maria (rechts) sowie dem Autor und Mundart-Schriftstellerkollegen, Freund und Rezitator Manni Lang. Foto: Rolf A. Kluenter/pp/Agentur ProfiPress

„In seinen Augen blitzt es, wenn er in »sein« Hellenthaler Platt wechselt und sich aus seinem schier unerschöpflichen Fundus bedient“, schreibt die leitende Rundschau-Redakteurin Ramona Hammes in dem Bericht: „Weit in die Tausende geht die Zahl seiner Gedichte und Geschichten in Eifeler Platt, dazu kommen Theaterstücke und fünf Messen, auf die er besonders stolz ist.“

Sehr bekannt und in mehreren Auflagen erschienen ist Koenns Mundart-Idiotikon „Von Abelong bos Zau dich Jong“, eine heute nur noch antiquarisch erhältliche Sammlung Eifeler Wörter, Redensarten und Weisheiten, die 1995 erstmals bei „Helios“ in Aachen erschien. Für Koenn bedeute dieses Buch „eine Art Krönung meiner mundartlichen Bemühungen“, so schreibt Ramona Hammes.

„Für die phonetische Treue, damit das Gesprochene erkennbar bleibt, muss man mit Tricks arbeiten“, verrät Koenn mit verschmitztem Lächeln. Ein Beispiel gefällig? Nehmen wir das Schwein – op Platt: Sou. Und der Plural? Söj – Ö und J eignen sich prima für die Koennschen Tricks, für die ihm kein Vorbild zur Verfügung gestanden hat.

Ideen von lebendigen Vorbildern

„Woher nimmt der Mann die ganzen Ideen?“, fragt die „Rundschau“. „Aus dem richtigen Leben“, antwortet Koenn und schildert das lebendige Vorbild von „Tant Dresje“: „Die kam immer am Elternhaus meiner Frau in Paulushof auf den Hof gewackelt und hat so viele alte Gegebenheiten erzählt. Die musste ich einfach festhalten.“ Das „Aufschreiben-Müssen“ hat ihn stets angetrieben.

Seit 1952 veröffentlichte Fritz Koenn bereits Mundartgedichte und „Briefe“ in Tageszeitungen. 1959 erschien seine erste Prosa- und Lyrik-Sammlung „Eefeler Stöckelcher“. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Koenns Stöckelcher sind natürlich keine Dokumentationen, sondern ein Mix aus Erinnerungen, Zugetragenem und Ausgedachtem. Mehr als nur mit Leben gefüllt hat Fritz Koenn allerdings die Figur des zweiten Briefwechselpartners, „Ferkes Wellem“, ein gutmütiger, verlässlicher und hilfsbereiter Dörpspuersch.

Sein fiktiver Briefwechsel mit „Tant Dresje“ erschien übrigens bereits ab 1952 in der Eifeler Volkszeitung. Längere Briefwechsel sind Koenn auch in der Realität nicht fremd. Mit seiner älteren Schwester, die während der Evakuierung in Werningerode „kleben“ blieb, korrespondierte Koenn auch auf Platt. Sie habe ihre Muttersprache nie verlernt, weil sie stets auf Platt dachte.

Viele seiner Stöckelcher sind humorvoll. Doch das ist nicht Koenns Hauptanliegen. „Ein humoriger Hintergrund ist schön, aber es muss nicht immer zum Kaputtlachen sein“, sagte Koenn in der „Kölnischen Rundschau“. Es gebe nicht nur Krätzjer, sondern auch durchaus ernste Hintergründe.

Fünf Messen ins Eifeler Platt gebracht

Einen sprachlichen Drahtseilakt hatte Koenn in seinen fünf Messen zu vollbringen – Respekt sei gefragt, behutsames Vorgehen. Einige Punkte der Liturgie – die Wandlung etwa – hat er nicht ins Platt gebracht: „Wegen der Würde des Wortes ist das in Hochdeutsch geblieben.“ Seine zwischen 1995 und 2001 geschriebenen Messen, etwa die „Eefeler Kirmes-Mess“ oder die „Eefeler Fastelovends-Mess“, werden zu gegebenen Anlässen auch heute noch gefeiert.

Ein wenig wehmütig ist Koenn, wenn er von den Freunden erzählt, die nicht mehr da sind – fast keiner aus seinen 20er Jahrgängen in Hellenthal lebe noch. Doch einer ist da: Hubert Hilgers. Mit dem telefoniert Koenn regelmäßig. Da Koenn inzwischen nicht mehr Auto fährt und seine Eifeler Heimat nur noch selten sieht, machen er und Hilgers sich in ihren Telefonaten auf virtuelle Spaziergänge durchs alte Hellenthal.

Fritz Koenn bei einer Lesung im Bergbaumuseum Rescheid, wo er aus „Hunger“ vorlas, einem seiner drei Romane, die KBV-Verleger Ralf Kramp in den 2010er Jahren neu herausbrachte. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Nach dem „Sonderlehrgangs“-Abitur 1947 steigt Fritz Koenn in den Postdienst ein, leitet die Post in Hellenthal und zeitweise das zentrale Postamt in Kall. 1968 wechselt Fritz Koenn ins Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und zieht mit Maria 1970 nach Königswinter.

1947 hatte er die damals knapp 16-Jährige aus Paulushof kennengelernt: Sie war mit dem Fahrrad aus ihrem Heimatdorf nach Hellenthal gekommen, um Maisbrot zu kaufen. Er humpelte mit einem Gipsbein, das er einem Skiunfall „verdankte“, auf sie zu. In der „Verwirrung der ersten Gefühle“, wie er es heute ausdrückt, hat er ihr einen kaputten, alten Panzerwagen, der auf der Wiese seiner Familie stand, zum Kauf angeboten. Die doch eher ungewöhnliche Offerte hat sie nicht abgeschreckt. 67 Jahre ist das Paar verheiratet, vor zwei Jahren haben Maria und Fritz Koenn eiserne Hochzeit gefeiert.

pp/Agentur ProfiPress

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