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„Christus nachfolgen“

Anlässlich der 60. Wiederkehr des Weihetages von Generalsuperior Karl-Heinz Haus Auszüge aus einem Interview, das Diakon Manfred Lang im Vorfeld des Goldenen Priesterjubiläums mit ihm führte

Wie war das damals?

Generalsuperior Haus: Wir waren fünf Diakone, die am 25. Juli 1961 in St. Anna in Düren (Diözese Aachen) von Bischof Johannes Pohlschneider zu Priestern geweiht worden sind. Es war die erste Priesterweihe im Bistum außerhalb des Aachener Doms.

Ein großer Tag?

GS Haus: Natürlich! Der „schönste Tag im Leben“ schreibt man normalerweise Kommunionkindern auf die Tafeln über dem Hauseingang. Das Einswerden mit Jesus in der Eucharistie mag einem noch nicht so bewusst sein in dem Alter, aber bei der Weihe spürt man das sakramentale Handeln Gottes an sich selbst. Es ist umwälzend, es verändert Dein Leben. Für immer . . .

In aller Konsequenz?

GS Haus: Ich habe die Nachfolge ernst genommen. So ernst, dass ich sie auch gegen alle Widerstände befolgt habe, die mir im Zusammenhang mit der Leidens- und Gründungsgeschichte von Mutter Marie Therese und der Communio in Christo widerfuhren.

Generalsuperior Karl-Heinz Haus und Mutter Marie Therese. Foto: Archiv ProfiPress/pp

In der Gründungsgeschichte der Communio in Christo (von 1977-1981) gab es heftige Widerstände und böswillige Intrigen und Verleumdungen. Wollen Sie deshalb auf größere Feierlichkeiten verzichten?

GS Haus: Ja, ich werde diesen Tag in aller Stille und Besinnung und im Gebet in unserer Kommunität in Mechernich verbringen. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass angesichts der dramatischen Entwicklung in Kirche und Welt mit einer nie da gewesenen Krise des sakramentalen Priestertums kein Anlass ist zum Feiern und öffentlicher Bestätigung.

Man merkt Ihnen an, dass Sie traurig sind wegen des Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlustes der Kirche.

GS Haus: Ja, ich bin traurig über den schlimmen Zustand in unserer Kirche. Aber noch trauriger, dass man die Hilfe und den Beistand und das Wirken des Geistes in einem außerordentlichen Charisma, das Gott dieser Kirche und ihren Verantwortlichen in einer Ordensgründung geschenkt hat, nicht sieht. Das ist umso bedauerlicher, weil der von Mutter Marie Therese gegründete Ordo Communionis in Christo ein Zeugnis des Heiligen Geistes ist für die Größe und Wahrheit des Zweiten  Vatikanischen Konzils.

Wer waren Ihre Vorbilder auf dem Weg zu Gott?

GS Haus: Meine Mutter und mein Vater! Er war ein gläubiger Mann, hat keine Sonntagsmesse ausgelassen, auch im Krieg nicht, als das in Nazideutschland verpönt war. Mein Vater ist nie in die NSDAP eingetreten, obwohl man das damals als so genannter „guter Deutscher“ musste, zumal, wenn man, wie er, als Gastwirt auf Zuspruch und Kundschaft aus allen Kreisen angewiesen war. Und obwohl er von Spitzeln observiert wurde in der eigenen Gaststätte. Dafür habe ich meinen Vater sehr bewundert. Auch dafür, dass er uns den Rücken gestärkt hat, in dieser in Deutschland sehr kirchenfeindlichen Zeit Messdiener zu werden. Auch meine Mutter war eine sehr gläubige Frau, die es verstand, uns drei Kinder beiseite zu nehmen und etwas ethisch und christlich Wichtiges mit auf den Weg zu geben.

Weggefährten (v.l.): Generalsuperior Karl-Heinz Haus, Spiritual Hermann Walch und Geschäftsführer Helmut Weber. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Sie kommen aus einer ziemlich „katholischen Gegend“ in Deutschland?

GS Haus: Mein Vater war mit elf Kindern auf einem Rittergut in Nettetal-Kaldenkirchen aufgewachsen, das er später in Pacht übernehmen sollte, was jedoch nicht zum Tragen kam. Auch meine Mutter stammte aus einer Landwirtsfamilie in dieser Ecke. Diese Gegend am Niederrhein gehörte ursprünglich zu Münster und war eine der katholischen Hochburgen Deutschlands.

Sie sind zwischen Menschen aufgewachsen, die das Evangelium in ihrem Alltag zu leben versuchten. Aber Sie hatten auch Kleriker zum Vorbild?

GS Haus: Es gab in der Pfarrei einen sehr bekannten Dechanten, und es waren immer drei Kapläne da, zu denen ich Verbindung hatte. Das war für die eigene Berufung wichtig und zukunftsweisend. Einer der drei hat mich in meiner Berufungsgeschichte als Priester weitergebracht.

Diese Kapläne haben vermutlich auch eine gute Jugendarbeit gemacht?

GS Haus: Das war wirklich so. Die haben sich sehr mit uns befasst und waren an unserer Entwicklung beteiligt. Aber mein Weg ging zu Schülerzeiten zunächst in eine völlig andere Richtung. Ich wurde Sportler, war zeitweise im Leichtathletikverein, der sehr bekannt war und die besten Trainer hatte, sogar einen Bundestrainer für die deutsche Sprinterstaffel. Das war die Alternative, also kein katholisches, sondern ein sehr freies Milieu und ich glaube im Nachhinein, war es ganz gut, dass ich beide Seiten kennengelernt habe.

Bei der Vorstellung der Biographie /Hagiographie „Weit über alle Grenzen“ über Mutter Marie Therese (v.l.) Pater Rudolf Ammann ISch, der Verlagsleiter, Geschäftsführer Norbert Arnold, Generalsuperior Karl-Heinz Haus und Manfred Lang, Diakon und einer der Autoren. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Aber Sie sind nicht Sportler geblieben, sondern Priester geworden?

GS Haus: Ich wundere mich im Nachhinein selbst immer wieder, wie alles gekommen ist… Manchmal scheint es mir, als sei ich irgendwie auf Theologie programmiert gewesen… Im letzten Jahr vor dem Abitur wusste ich dann, dass ich Theologie studieren und Priester werden wollte.

Und die Konsequenz?

GS Haus: … hieß Bonn, Konvikt, Albertinum vier Jahre lang, und Studium: Philosophie, Theologie. Ich habe es als sehr befreiend empfunden, diese Zeit des Theologiestudiums in einem frei gestalteten Konvikt. Also nicht in dieser geschlossenen Atmosphäre eines Seminars

Sie haben das Studium genossen?

GS Haus: Ich war glücklich, lernen zu dürfen. Die Universität war wie eine neue Welt, und viele Professoren haben sich nachhaltig eingeprägt, auch Fächer. Ich erinnere mich an einen Experten für Konzilsgeschichte, aber auch die Dogmatik und sogar die Philosophie hatten es mir besonders angetan.

Generalsuperior Karl-Heinz Haus eröffnet in der Unterkirche in Steyl den Gründungsdenktag der dort von Mutter Marie Therese in Leben gerufenen Kollektiven Gemeinschaft Effata. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Wie hat Ihre Umgebung darauf reagiert, dass Sie Priester werden wollten?

GS Haus: Überrascht, jedenfalls taten Sie alle so, weil ich vorher  behauptet hatte, ich wolle Sportlehrer werden. Andererseits hatten meine Eltern eine Ahnung – und auch Verständnis für meinen Weg zu Christus und mit Christus. Meine Berufung und mein Weg zum Priesteramt waren nie ein Problem in der Familie, im Gegenteil.

Gab es so etwas wie eine innere Stimme, die Sie bewogen hat, diesen Weg zu gehen?

GS Haus: Was mich antrieb und was mir am meisten imponierte, war die konkrete Umsetzung des Evangeliums in Taten des Alltags, wie ich sie in meinem jungen Leben vor allem in der Familie, aber auch bei den Messdienern kennenlernen durfte – und in den bei uns überaus aktiven katholischen Jugendverbänden. Ich war bei den St.-Georgs-Pfadfindern. „Allzeit bereit“ lautete unser Wahlspruch. Der hat mich geprägt. „Hier bin ich“ heißt es ja auch im Weiheritus… Bei den Pfadfindern fand ich übrigens auch die Messen im Zeltlager draußen unter freiem Himmel sehr ergreifend und prägend. Da wurde spürbar, dass Christi Zusage kein leeres Versprechen, sondern spirituelle Realität ist: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Diese Eucharistiefeiern haben mir dabei geholfen, in eine Vorstellung hineinzuwachsen, was das Priestertum für mich einmal bedeuten könnte.

Gruppenbild der Mechernicher Kommunität des Ordo Communionis in Christo beim Besuch des Aachener Bischofs Dr. Helmut Dieser. Foto: CIC/pp/Agentur ProfiPress

Wie verlief die Vorbereitung zum Priestertum?

GS Haus: Es gab in Bonn zwei Konvikte, die für Aachener Priesteramtskandidaten in Frage kamen. Ich entschied mich für das Albertinum, in diesem Konvikt trafen sich die Theologiestudenten des Bistums Aachen und die der Erzdiözese Köln. Für mich war dieser Übergang – Sie werden lachen, aber ich sage das ohne Übertreibung – wie ein „Aufstieg in den Himmel“.

Wieso?

GS Haus: Ich habe mich dort wohl gefühlt: Es gab eine klare Tagesordnung, für mich war alles von Vorteil. Auch das Theologiestudium fand ja nicht allein im kirchlichen Rahmen statt, sondern an der staatlichen Universität.

Eine typische Szene aus der Erinnerung?

GS Haus: Morgens um 8 Uhr haben wir das Konvikt verlassen, sind dann durch den Hofgarten in Bonn, diesen bekannten Hofgarten, wo es später die großen Studentendemonstrationen gab, zur Universität gegangen. Es war der Anhauch einer völlig anderen Welt, wie ich sie bis dahin nicht gekannt hatte. Und doch gab es auch ein großes Kontinuum: Meinen Glauben, mein daheim eingeübtes spirituelles Rüstzeug, meine Gebete.

2011 im Vatikan beim Neuevangelisierungskongress: Erzbischof Rino Fisichella und Generalsuperior Karl-Heinz Haus. Foto: Norbert Arnold/pp/Agentur ProfiPress

Sie haben auch das Priesterseminar besucht?

GS Haus: Aber erst nach den vier Jahren in Bonn sind wir nach Aachen ins Seminar gegangen. Es war ein Priesterseminar im klassischen Sinne, wir waren ganz verwiesen auf das Seminar, den Regens, den Spiritual, die Ausbildung, die Übungen, die Mitbrüder. Aber es war für mich bei aller damaligen Enge und Strenge dieselbe Erfahrung wie an der Universität und am Albertinum: Ich habe mich sehr, sehr wohl gefühlt, auch wie im Himmel…

Hatten Sie auch Berührungspunkte mit dem späteren Papst Benedikt XVI, der ja auch Theologie in Bonn gelehrt hat?

GS Haus: Ja, allerdings nach meiner Studienzeit, da kam ein gewisser Professor Joseph Ratzinger als Privatdozent nach Bonn. Mein Dogmatik-Professor Johann Auer, der mich so sehr beeindruckt hat, das habe ich aber erst Jahrzehnte später erfahren, war sein Beichtvater. Die beiden haben zusammen die zehnbändige „Kleine Katholische Dogmatik“ herausgegeben. Professor Ratzinger hat mit ganz großer Hochachtung von Auer als Professor gesprochen.

Mutter Marie Therese mit ihrem Halbbruder Pfarrer Wim Robben. Foto: CIC/pp/Agentur ProfiPress

Das, was Sie bei ihm gelernt haben, die katholische Dogmatik, war prägend für Ihr ganzes priesterliches Leben?

GS Haus: Mehr noch als „nur“ für meine priesterliche Existenz! Die intensive Beschäftigung mit der katholischen Dogmatik, wie auch mit den Mystikern Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz, gaben mir später in der Begegnung und noch später in der geistlichen Begleitung von Mutter Marie Therese die Gewissheit, dass wir es bei ihr mit einem außerordentlichen Charisma und einer Mystikerin zu tun hatten.

Sie sind davon überzeugt?

GS Haus: So sehr, dass ich es jederzeit auch vor meinen geistlichen Lehrern und Universitätsprofessoren verteidigen würde! Alles, was Mutter Marie Therese aus ihrer mystischen Begegnung schöpfte und uns mitteilte, ist nie auch nur ein Jota von der reinen katholischen Dogmatik abgewichen. Nicht einmal!

Wie ging es nach Studium und Seminar weiter?

GS Haus: Wir sind zwei Jahre im Priesterseminar gewesen, das macht

mit vier Jahren Studium vorher insgesamt sechs Jahre. Zwischen Uni und Seminar habe ich aber noch ein halbes Jahr Praktikum in der Arbeiterseelsorge gemacht. Es gab damals die CAJ (Christliche Arbeiterjugend) in Deutschland, die hatte Joseph Cardijn gegründet, ein belgischer Priester. Auf dem Diözesantag 1961 im Bistum Münster, das er oft besuchte, wurde Cardijn – Paul VI. hat ihn später sogar zum Kardinaldiakon erhoben – von 13.000 jungen Menschen stürmisch gefeiert. Auch mich hat er fasziniert! Ich habe Cardijn gehört in München beim Eucharistischen Weltkongress, zusammen mit 40.000 in seinen Bann gezogenen Jugendlichen. Und er hatte eigentlich nur eine Botschaft: „Ihr seid mehr wert als alles Gold der Erde.“ Es war damals auch mein Impuls, mein Leben hinzugeben für diese Arbeiterjugend! Ich habe während des Praktikums beim Aachener Diözesanseelsorger für die Arbeiterjugend gewohnt. Und ich habe die Arbeit an der Basis erlebt. Das war ein ganz missionarischer Ansatz, der gerade in die Milieus hineinging, wo die Kirche sonst nicht präsent war. Ich glaube, ich habe meine diesbezüglichen Erfahrungen auch dem Bischof mal so als Notiz weitergegeben.

Familie Linssen 1927, Josephine Theresia, die spätere Mutter Marie Therese, auf dem Arm ihrer Mutter. Repro: Tilj Puutenveethil/CIC/pp/Agentur ProfiPress

Wie verliefen Priesterweihe und Primiz?

GS Haus: Auf meinem Primizbild sehen Sie den Heiligen Christopherus, den „Christusträger“ mit dem Jesuskind auf den Schultern. Das war das Bild der Arbeiterjugend damals. Drüber stand: „Ihr seid alle Christusträger“. Und darunter mein Wahlspruch: „Christus allein!“ Und ein Stoßgebet: „Heilige Maria, bete für junge Arbeiterapostel.“

Ich hatte vor der Primiz in meine Einladungskarte geschrieben, dass ich keine Geschenke haben möchte. Wer mir etwas Gutes tun wolle, solle für diese internationale Arbeitermission der Arbeiterjugend CAJ spenden, für junge Arbeiterapostel, die sich damals ausbilden ließen, um nach Afrika zu gehen und dort den Gedanken der CAJ weiterzugeben.

Tatsächlich bekam ich kaum Geschenke, aber eine ordentliche Summe Geld, mehrere Tausend Mark, das war damals ein Riesenbetrag, mit der ich die jungen Arbeiterapostel unterstützen durfte. Auf meiner ersten Kaplanstelle bekam ich spontan Besuch von ihnen, von ihrer Essener Ausbildungsstätte – sie kamen, um sich herzlich für „mein“ Primizgeschenk zu bedanken . . .

Die junge Josephine Theresia Linden mit 14. Repro: Tilj Puutenveethil/CIC/pp/Agentur ProfiPress

Und die Weihe?

GS Haus: Wir waren ein Zwischensemester und daher nur fünf Priesterkandidaten. Man entschloss sich damals zum ersten Mal, uns nicht im Hohen Dom zu Aachen, sondern in einer anderen Kirche des Bistums zu weihen, in St. Anna in Düren.

Eine Vorwegnahme der Dinge, die sich dort, in Düren, noch anbahnen sollten?

GS Haus: Ende der 60er Jahre bin ich als Pfarrer nach Düren zurückgekehrt, ich bin dort Regionalpfarrer für elf Dekanate geworden – und ich bin dort mit Mutter Marie Therese zusammengetroffen. Das heißt, sie ist 1965 als Niederländerin in das aus niederländischer Sicht verfemte und mit Kriegsverbrechen beladene Deutschland gekommen, um von Gott getrieben gerade dort Versöhnung und Liebe für alle, aber auch wirklich für jeden Menschen zu verkünden.

Im Nachhinein scheint es, als sei es kein Zufall gewesen, dass Düren unvermittelt Ort der Priesterweihe ausgerechnet jenes Priesters wurde, der dort viel später einer Mystikerin und Charismatikerin als geistlicher Begleiter an die Seite gegeben werden sollte. Ich hoffe, ich habe mich in dem Punkt klar und nachvollziehbar ausgedrückt. Es ist mir nämlich sehr wichtig. Und ich glaube, das war kein Zufall, sondern Vorsehung.

Mutter Marie Therese, hier auf einer Zeichnung ihres Bruders Jo Linssen, brachte die entscheidende Wende in das Leben des Jubelpriesters Karl-Heinz Haus. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Ihre Seminaristenzeit und die ersten Jahre Ihres Priestertums waren die Jahre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Wie haben Sie es erlebt?

GS Haus: Am 11. Oktober 1962 hat Papst Johannes XXIII. das Konzil eröffnet, ich war damals Kaplan. Lassen Sie es mich Ihnen ohne Umschweife sagen: Theologisch und pastoral bin ich ein Kind dieses Konzils. Ich habe noch die Messe nach dem tridentinischen Ritus gelernt und „gelesen“. Alle Reformen seither habe ich in der Praxis miterlebt. Ich war von Anfang an sehr beeindruckt. Johannes XXIII. war uns jungen Christen damals ganz präsent und lebendig und nah. Ebenso das Konzil. Und das ist auch zeitlebens so geblieben.

Es hat sich bei mir noch erheblich verstärkt, weil ich Mutter Marie Therese begegnet bin, die gekommen ist, um mit ihrem Leben und ihrer Gründung der Communio in Christo Zeugnis abzulegen für die geistgewirkte Wahrhaftigkeit der von vielen im Nachhinein angegriffenen und bezweifelten dogmatischen Dimension des Zweiten Vatikanischen Konzils.

1988 auf der Baustelle des Priesterseminars im polnischen Radom (v.l.): Bischof Edward Materski, Mutter Marie Therese, Schwester Dorothea, Leni Kluger, Helmut Weber und Generalsuperior Karl-Heinz Haus. Repro: Tilj Puutenveethil/CIC/pp/Agentur ProfiPress

Sie hatten als junger Priester Ziele oder Ideen, die Sie verwirklichen wollten?

GS Haus: Das war bei mir in allererster Linie die Idee der Arbeiterpastoral, insbesondere die der Arbeiterjugend. Es ging und geht darum, Christus wieder präsent zu machen: Am Arbeitsplatz, aber auch überall anders, wo jeder einzelne lebt. Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner, seinerzeit Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat das Wort von der „Geh-hin-Kirche“ geprägt. Genau das ist es.

Als Priester bin ich dann auch in Nachbarländer gefahren, nach Belgien, um die CAJ-Bewegung zu studieren, aber auch nach Holland, wo es einen wahren nach-konziliaren Aufbruch gab. Man berief ein Pastoralkonzil ein und versuchte, dieses Konzil zu realisieren, umzusetzen in die Praxis und in die Strukturen der Kirche. Die Niederlande waren übersät mit Gesprächsgruppen. Auch wenn vieles davon später in Frage gestellt worden ist: Mich persönlich hat damals sehr beeindruckt, wie man dort nach dem Konzil versucht hat, „gelebtes Christsein“ in die Tat umzusetzen.

Generalsuperior Karl-Heinz Haus beim Gründungsgedenktag in Holzheim, im Hintergrund der evangelische Pfarrer Dr. Michael Stöhr. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Vieles hat sich totgelaufen, einiges ist ausgebremst und mundtot gemacht worden. Was hat der Ordo Communionis in Christo aus dem Konzil gemacht?

GS Haus: Die Communio in Christo ist nicht nur dem Namen nach „Gemeinschaft in Christus“, sondern auch entsprechend der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils das Bild der Kirche der Zukunft. Die Gründerin umschreibt dieses Kirchenbild der Zukunft mit einer „Gemeinschaft von Liebenden“, in der alle Berufungen einen gleichberechtigten Platz haben in einem neuen Miteinander von Priestern, Ordensleuten und Laien.

Wir berücksichtigen in unserer Pastoral und in unserem Ordensleben zu wenig, dass es vor allem dieser neuen Gemeinsamkeit aller Berufungen bedarf, um die Beschlüsse und Dekrete des II. Vatikanischen Konzils in die Tat umzusetzen. Es bedarf der Zeugnisse und der Taten der Nächstenliebe unter den Christen und gegenüber allen anderen Menschen, um das Konzil zu verwirklichen.

Aus diesem Grunde hat sich Mutter Marie Therese mit ihren Pflegeeinrichtungen am Mutterhaus in Mechernich auch Aidskranken und hochinfektiösen Patienten und anderen zugewandt, die in Deutschland zu der Zeit niemand aufnehmen und pflegen wollte?

GS Haus: So ist es. Sie gab ein Zeugnis dafür ab, dass das Konzil mit Hilfe des Heiligen Geistes den Weg der Kirche Christi ins 3. Jahrtausend aufgestoßen hat – und dass es jetzt praktischer Werke der Nächstenliebe bedarf, um diesen Weg zu beschreiten. Mit anderen Worten: Die Worte des Konzils sind wahr. Was fehlt, um sie zu realisieren, ist die Liebe in der gelebten Einheit von Gottesliebe und Nächstenliebe.

Die Pfarrer Hermann Walch (r.) und Karl-Heinz Haus mit Schwester Helene in der Bibliothek. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Der Wendepunkt in Ihrem Leben war die Begegnung mit Mutter Marie Therese. Wie und wo war das? Wie haben Ihr Umfeld und Ihre Vorgesetzten reagiert?

GS Haus: Sie lebte mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Wim Robben in

einem unserer Pfarrhäuser der Region Düren. Wim war Pfarrer in einer unserer Pfarreien. Ich kam ins Pfarrhaus, um ihm bei einem Problem mit einigen seiner Gemeindemitglieder zu helfen. Ich konnte den Zwist neutralisieren. Pfarrer Robben und ich wurden Freunde, so lernte ich auch seine Schwester kennen, zunächst ohne zu ahnen, dass sie mit besonderen Gaben gesegnet war  . . . So sagte ich auch spontan und bedenkenlos zu, als Mutter Marie Therese mich später bat, ihr Beichtvater und Seelenführer zu werden.

Das war ein Einschnitt?

GS Haus: Und wie! Von dem Augenblick an war in meinem Leben nichts mehr wie vorher. Meine Lebensumstände änderten sich radikal, meine Arbeit und meine Sichtweise änderten sich ebenfalls. In den Gesprächen mit ihr entdeckte ich immer mehr, dass das, was ich arbeitete und wie ich es tat, nicht die Lösung war. Mir wurde klar, dass eine Reform der Kirche über Strukturveränderung alleine nicht möglich ist. Dazu müssten sich die Herzen verändern – und dieser Prozess, so erkannte ich, würde sich nicht akademisch begleiten lassen. Das fing bei mir an! Mein Herz musste sich ändern! Ich war zutiefst berührt!

Was hat Sie Mutter Marie Therese als damals noch junger Priester gelehrt und was kann sie die Priester heute immer noch lehren?

GS Haus: Dass die Spiritualität mit dem Leben übereinstimmen muss. Und dass es auf die gelebte Liebe ankommt.

Sie waren damals in der Priestergemeinschaft von Charles des Foucauld aktiv, sogar in verantwortlicher Position?

GS Haus: Ich war damals Diözesanverantwortlicher in Aachen. Zu einer Bruderschaft gehörten fünf bis sieben Priester. Wir trafen uns einmal im Monat den ganzen Tag, immer mit einer Stunde Anbetung und anschließend bei einem gemeinsamen Essen und, von Frankreich inspiriert, „Revision de vie“, das ist eine Lebensbetrachtung im Licht des Evangeliums, wo wir also unser Leben voreinander ausbreiteten. Als ich Mutter Marie Therese erzählte, wie unsere Treffen abliefen, schlug sie bildlich die Hände über dem Kopf zusammen. Unsere gegenseitige Kritik und negative Beurteilung von anderen gefiel ihr überhaupt nicht. Das habe ich nie vergessen, mit welcher Schärfe sie das verurteilt hat.

Sie sagte, wenn ihr dann anschließend negativ über eure Mitbrüder herhaltet, dann nützt euch die ganze Anbetung nichts. Ich glaube, diese Sichtweise kann uns Priestern auch heute eine Hilfe sein, vor allem vor dem Hintergrund, dass es Mutter Marie Thereses Berufung war, ihr Leben für die Heiligung der Priester hinzugeben. Ich habe nirgendwo so eine Achtung und Ehrfurcht vor den Priestern gefunden wie bei Mutter Marie Therese.

In der Hauskapelle die Mitbrüder und Freunde Karl-Heinz Haus (v.l.) und Hermann Walch. Foto: Archiv ProfiPress/pp

Was ist die Bilanz Ihrer Arbeit und Ihres Dienstes für die Kirche? Was würden Sie jungen Priestern oder jungen Menschen sagen, die sich auf den Weg zum Priestertum machen?

GS Haus: Ich habe einen von Gott berufenen Menschen kennenlernen und begleiten dürfen, der mit einer mystischen und charismatischen Gabe des Heiligen Geistes beschenkt war. Das ist etwas Wunderbares. Der Preis dafür ist allerdings hoch, Zweifel, Ablehnung, Ende der Karriere, Verurteilung, Verleumdung, Intrigen. Viele sind an mich herangetreten und haben mich gewarnt, bis in die Beichte hinein, und sie wollten mich wegziehen von ihr, von ihrem angeblich so schädlichen Einfluss.

Dabei stand „sie“, Mutter Marie Therese, wie ich als ihr geistlicher Begleiter wusste, in mystischer Begegnung mit dem Allmächtigen, der sich ihr auf vielfältige Weise offenbarte und mitteilte, wie ihre Schriften bezeugen. Ihrem außerordentlichen Gründungscharisma folgend hat sie dem Papst und der Kirche Gewissheit über die Wahrhaftigkeit jener Aussagen verschaffen sollen, die das Zweite Vatikanische Konzil mit Hilfe des Geistes getroffen hat.

Ich habe das nie in Frage gestellt, ich bin mir dessen ganz sicher. Und das unbedingt gute und wichtige Priesterbild, das die Gründerin uns hinterlassen und vermittelt hat, stimmt mich zuversichtlich und glücklich in Hinblick auf das Priesteramt. Auch oder gerade, weil der Priester in Westeuropa nichts mehr gilt und sich Massen von der Kirche entfernen – und selbst dann noch, wenn die Ablehnung weltweit in Christenverfolgung umschlagen sollte.

Ich glaube, dass der einzige Rückzug für uns Priester und für uns aufrechte „Christusträger“ der Rückzug auf Christus mit seinem Kreuz selbst ist, so, wie ich ihn eben in meinem Primiz-Bild beschrieben habe, dass er alleine die einzige Stütze sein kann und die einzige Hilfe und die einzige Ermutigung. Unser ganzes Glück besteht darin, diese Liebe zu

erkennen, die er zu uns gehabt hat, indem er für jeden einzelnen von uns sein Leben hingab. Das ist für mich eine der erschütterndsten Begegnungen mit Christus, dass er das für mich getan hat. Und er hat es für mich getan aus Liebe. Ich kann nur zu ihm sagen: Danke!

Auch nach all den Jahren nur Danke sagen für das, was Gott mir an Hilfe auf den Weg gegeben hat und vor allem, dass er mir einen Menschen wie Mutter Marie Therese auf den Weg geschickt hat.

pp/Agentur ProfiPress

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