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Brillanter Erzähler

Lit.Eifel-Lesung im Hillesheimer Kulturkino: Norbert Scheuer öffnete eine neue Schublade seines schriftstellerischen Handwerkskastens – Roman „Am Grund des Universums“ vorgestellt mit Musik des Duos Susanne Riemer/Wilhelm Geschwind und mit Mundartrezitation von Manni Lang

Hillesheim/Eifel – Norbert Scheuers neuen brillant erzählten Roman „Am Grund des Universums“ stellte die Lit.Eifel 2017 am Mittwochabend im passenden Ambiente der Eifel-Film-Bühne Hillesheim vor. Eine Besucherin schwärmte nachher: „Es war tatsächlich wie im Kino. Scheuer las und man hatte die Bilder, die er mit seiner Sprache malte, lebhaft vor Augen.“

Norbert Scheuer las am Mittwochabend im Rahmen der „Lit.Eifel 2017“ in der Eifel-Film-Bühne Hillesheim aus seinem jüngsten Roman „Am Grund des Universums“. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Am Gelingen des atmosphärisch wunderschönen Abends hatte das Duo Susanne Riemer/Wilhelm Geschwind mit seinen Eigenkompositionen – zum Teil Vertonungen von Scheuers Gedichten – lebhaften Anteil. Moderator Manfred Lang, der den Abend als Programmbeiratsmitglied für die Lit.Eifel 2017 eröffnete, erwies sich als hervorragender Rezitator der Eifeler Mundartpassagen in Scheuers Roman und als gut aufgelegter Interviewpartner.

Eine gelungene Mischung aus Lesung, Musik und Gespräch an diesem Lit.Eifel-Abend in der Eifel-Film-Bühne Hillesheim mit Susanne Riemer und Wilhelm Geschwind (Musik), Autor Norbert Scheuer und Journalist und Mundart-Spezialist Manfred Lang (von links). Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Er verglich den mehrfach mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichneten Autor aus Kall-Keldenich mit dem amerikanischen Literaturnobelpreisträger William Faulkner. Dessen berühmter Satz „Das Vergangene ist nie tot – es ist nicht einmal vergangen . . .“ sei wie eine Kurzcharakteristik von Scheuers neuem Roman.

Beziehungsgeflecht zieht sich durch mehrere Romane

Der schreibe nicht ein Buch nach dem anderen, sondern stelle Beziehungsgeflechte her, die sich in Echtzeit durch die bislang letzten 20 Jahre und schriftstellerisch durch Scheuers jüngste Romane „Überm Rauschen“, „Peehs Liebe“, „Die Sprache der Vögel“ und jetzt „Am Grund des Universums“ ziehen, hieß es in der Gesprächsrunde im Hillesheimer Kulturkino mit rund 30 erkennbar stark interessierten und auch faszinierten Besuchern.

Wenn der eher stille zurückhaltende Scheuer las, war es, als hielten die Leute den Atem an. Höhepunkt der Lit.Eifel-Dichterlesung war seine von Susanne Riemer und Wilhelm Geschwind improvisatorisch musikalisch untermalte Aufzählung jener Gegenstände, die auf dem Grund des abgelassenen Stausees gefunden werden und die sich wie Mosaiksteine zu einem Bild verflossener Ereignisse, Menschen und Mythen formen.

Sichtlich gut gelaunt stand der Autor Norbert Scheuer (links) dem Journalisten Manfred Lang im Gespräch Rede und Antwort und gab dem Publikum gerne Einblick in den Entstehungsprozess seines Romans. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Im neuen Roman geht es um Träume und Legenden und ebenso um die Realität des Kaller Supermarktcafés wie der philosophischen Erkenntnis, dass sich die Wahrheit dieser Welt nicht unbedingt in der unendlichen Weite des Alls, sondern ganz nah, in uns selbst, in Kall, auf dem Grund eines abgelassenen Eifelstausees finden lässt.

Eine Talsperre soll saniert werden, der Tourismus in Kall und Umgebung angekurbelt, was beides misslingt. Das ist die offenkundige Rahmenhandlung. Um sie herum ranken sich viele andere Lebenslinien und Geschichten: eine zentrale, zwei romantische und mehrere erotische Liebesgeschichten, die Erzählung vom legendären Lohngeldraub im Bleibergwerk, dem Betrug zweier potenzieller Baulöwen und Spekulanten, einem unterirdisch vermuteten Silberschatz, einer Reise mit dem Faltboot über den Atlantik oder in einem selbstgebauten Raumschiff ans Ende des Universums.

„Grauköpfe“ tun nichts und wissen alles (besser)

Der vielfach ausgezeichnete und diesmal mit „Am Grund des Universums“ für den renommierten Wilhelm-Raabe-Literaturpreis nominierte Romancier aus Keldenich schaltet mit erzählerischer Leichtigkeit zwischen allen Akteuren, Wirrungen und Irrungen, auch von der ganz konkreten in die Phantasie- und Traumwelt.

Umschaltebene zwischen den einzelnen Kapiteln ist jeweils die Cafeteria am Kaller Supermarkt, in der der Schriftsteller auch im richtigen Leben öfter anzutreffen ist und wo er sich offensichtlich Inspiration und Tipps aus dem so genannten richtigen Leben raus hört und anguckt.

Gebannt lauschte das Publikum den bildreichen Erzählungen, die Scheuer im schummrigen Kino in Hillesheim vortrug. Manch einer mochte sie förmlich vor dem geistigen Auge sehen. Foto: Sarah Winter/pp/Agentur ProfiPress

Scheuers Informanten sind Männer seines Alters und älter, die als „Grauköpfe“ im Roman ständig präsent sind, allerdings selbst kaum agieren, scheinbar nicht mehr am richtigen Leben teilnehmen, aber über alles und jedes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Bescheid zu wissen glauben. Sie geben gleichsam Zwischengas, wenn Scheuer zwischen den jeweils nur wenige Seiten langen Kapiteln der literarischen Erzählebenen umschaltet.

„Scheuer schreibt diesmal mit dem ungeheuren Tempo großer Erzähler, seine Sprache und seine Akteure sind ständig in Bewegung, auch wenn scheinbar »nichts« passiert in der Rahmenhandlung“, so der Moderator. Norbert Scheuer komme aus der Lyrik, sei beim Roman hängen geblieben, allerdings mit einer sehr lyrischen Denk- und Ausdruckswelt, habe er bis jetzt gedacht, nun öffne der „Eifel-Faulkner“ eine neue Schublade in seinem schriftstellerischen Werkzeugschrank.

Unsentimental, ohne Klischees, so wie im richtigen Leben

Das sei keine „hingetupfte Prosa“, wie ein Kritiker schrieb, sondern nicht knallhart und nicht weichgespült erzählte Wirklichkeit des wirklichen Lebens, frei von jeglichen Sentimentalitäten und Klischees des so genannten Landlebens. Lang: „Norbert Scheuer schreibt, wie et öss…“ Was immer und überall auf der Welt passiert, sei auch in Kall passiert.

Offen gab Norbert Scheuer dem Publikum Einblick in seine Denk- und Schaffensweise, die Absichtslosigkeit seiner gleichwohl auf vielen Ebenen parallel fließenden Erzählstränge und seine weitgehende Nichtbeteiligung an Interpretationsversuchen. So wie der Autor verschiedenes und sehr unterschiedliches in den Roman einfließen lasse, lese der Leser sehr individuell seine Sichtweisen heraus. Ein in beiden Richtungen stattfindender kreativer Prozess.

Norbert Scheuer ließ es sich am Ende des Abends nicht nehmen, die Bücher der teilweise weit angereisten Gäste zu signieren. Foto: Manfred Lang/pp/Agentur ProfiPress

Norbert Scheuer beschreibt es so: „Es wäre schwer, einen Roman als Konzept vorzulegen, es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, die man verfolgen könnte. Da baut sich ein Stück auf dem anderen auf und verzahnt sich, das lässt sich nicht konstruieren. Dass am Ende etwas rauskommt, was rund und stimmig ist, ist das Glück des Schreibenden, vielleicht vergleichbar mit Musik oder Gedichten.“ Somit gestattet sich Scheuer in dieser Zeit eine „Phase des hemmungslosen «Drauflos Schreibens»“, um zum Ende hin den Inhalt von 1000 Seiten auf überschaubare und verkäufliche 250 Seiten zu bringen.

Lang nannte Scheuers neuen Roman ein Plädoyer für das Unvollkommene und Unvollendete. Er habe sich in Scheuers Roman und seinen zum Teil ja aus den vorangegangenen Büchern Bekannten gut aufgehoben und geborgen gefühlt. Ein Zeichen, dass der Autor auch auf der emotionalen Ebene ein sehr realistisches Bild von dem entworfen habe, was dem Wort „Heimat“ nahekomme. Scheuers neuer Roman sei ein „spannender Versuch, die Entzauberung der Welt rückgängig zu machen.“

pp/Agentur ProfiPress

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