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Bilder vergangener Zeiten

Vor 50 Jahren wurde wegen einer Schulreform in NRW die Volksschule in Dottel geschlossen – Verborgene Erinnerungen wurden wach beim Ehemaligentreffen – Lehrer Dietrich Glauner zum Ehrenmitglied des Bürgervereins Dottel ernannt

Dottel – Verborgene Erinnerungen werden wach, als der Lehrer Dias aus „seiner“ Zeit an der Dotteler Schule zeigt. „Dann musste ich als letzter die Tür abschließen. Dann war hier Feierabend“, erinnert sich Lehrer Dietrich Glauner.

50 Jahre ist es her, dass an der ehemaligen Volksschule unterrichtet wurde. 1968 wurde die einklassige Einrichtung für immer geschlossen. Grund war eine Schulreform in Nordrhein-Westfalen.

Jetzt sind die ehemaligen Schüler noch einmal in ihrem alten Klassenzimmer zusammen gekommen. Der Bürgerverein Dottel, allen voran Friede Röcher als Erste Vorsitzende, hatten zum Sommerfest eingeladen. 15 Ehemalige und deren Angehörige sind der Einladung gefolgt.

Das 1792 erbaute Gebäude war einst das zentrale Pastorat des Dorfes. und wurde erst 1921 zur Volksschule umfunktioniert. Nach der Schließung der Schule stand es vier Jahre leer. Seit 1972 bis heute ist es das Bürgerhaus des 200-Seelen-Ortes. Repro: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

„Da ist doch et Anneliese“, ruft eine Dorfbewohnerin juchzend in die gemütlich sitzende Gästeschar als das Dia von einer Prozession auf dem großen Bildschirm auftaucht. Manche erkennen sich selbst wieder, nur jünger, andere entdecken Familienmitglieder, Vorfahren oder Dorfbewohner.

Es wird gelacht, geschmunzelt und gekichert. Man taucht ab in die Zeit der 60er-Jahre rund um die dicke Dotteler Kirchenmauer, zwischen Cowboys- und Indianer-Kostüme im Karneval, der vollen Ginsterblüte oder enormen Schneehöhen. Aber auch Bilder von Theateraufführungen, Altentagen und einer Glockenweihe sind zu entdecken.

„Junge, Junge, das waren noch Zeiten“, stellt Glauner fröhlich fest. Der Pädagoge ist in guter Erinnerung bei seinen Schülern geblieben. „Wir haben ihn sehr gemocht. Er war ein Lehrer wie man ihn sich wünscht“, lobt ihn „Schüler“ Wolfgang Feder.

Dietrich Glauner (Mitte) wurde im Kreis seiner ehemaligen Schüler zum Ehrenmitglied des Bürgervereins ernannt. Überreicht wurde die Urkunde von Friede Röcher (r.), Vorsitzende des Bürgervereins Dottel, im Beisein der Dotteler Blütenfee. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Dietrich Glauner war mit Ehefrau Maria und Tochter Martina angereist. Der 82-Jährige war drei Jahre – von 1965 bis 1968 – als Lehrer an der Schule tätig. Glauner war zunächst als sogenannter Junglehrer in Sötenich angestellt, nach der Dotteler Zeit ging er an die Kaller Hauptschule und später an eine Schule in Bonn – bis zur Pensionierung 1993.

Glauner berichtet: „Das Verhalten von Eltern und Kindern war anders. Da musste man keinem sagen, heb‘ das Papier auf.“

In der Eifel hatte er – wie es damals durchaus Tradition war – eine Bleibe in der Lehrerwohnung im Obergeschoss der Schule mit der Familie gefunden. „Das war praktisch, so hatte man es nicht weit bis ins Klassenzimmer“, stellt Röcher fest.

50 Jahre ist es her, dass an der ehemaligen Volksschule unterrichtet wurde. 1968 wurde die einklassige Einrichtung für immer geschlossen. Jetzt kamen die ehemaligen Schüler noch einmal in ihrem alten Klassenzimmer zusammen. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Er habe sich im Ort sehr wohl gefühlt, wollte wie die Schüler eigentlich auch gar nicht weg. „So wie wir ausgestattet waren von der Gemeinde, das habe ich nie wieder erlebt“, erinnert sich Glauner. Der Raum habe das Ambiente eines Wohnzimmers gehabt, gemütlich dekoriert mit Karten und diversen Bildern als auch Buchstaben an der Wand. Trotz seiner Anstellung in Bonn blieb er bis 1975 noch Einwohner des Eifeldörfchens. Er pendelte nach eigenem Bekunden lieber.

Das Gebäude, erbaut 1792, war einst das zentrale Pastorat des Dorfes und wurde erst 1921 zur Volksschule umfunktioniert. 1936 kam der erste Anbau hinzu, 1959 wurde das Gebäude dann erneut erweitert. Nach der Schließung der Schule stand es vier Jahre ungenutzt leer. Seit 1972 bis heute ist es das Bürgerhaus des 175-Seelen-Ortes.

Dass das Haus überhaupt als Bürgerhaus genutzt werden konnte, daran hatte Glauner einen nicht unerheblichen Anteil. Er habe die Voraussetzungen dafür geschaffen, sagt Röcher.

Anna Trenker (94, l.) und Billa Hardt (93): Die beiden Schwestern waren 1933 eingeschult worden. Sie genossen es sichtlich, in der alten Schulchronik von anno dazumal zu blättern. Foto: Kirsten Röder/pp/Agentur ProfiPress

Die Vorsitzende hat dann auch noch eine Überraschung für den Pädagogen parat. Der Ex-Lehrer wird im Kreis seiner ehemaligen Schüler zum Ehrenmitglied des Bürgervereins ernannt. Die Urkunde überreicht die erste Vorsitzende im Beisein der Dotteler „Blütenfee“. Farbenprächtig „schwebt“ sie durch den Saal zum Würdenträger.

Glauner schaut glücklich in die Runde und macht noch einmal deutlich: „Das lag mir besonders am Herzen. Die Dorfbewohner brauchten einen Ort, wo sich treffen konnten.“

Ein paar Tage zuvor hatten Billa Hardt (93) und Anna Trenker (94) nebenan in einem früheren, kleineren Klassenraum auf einem Sofa gesessen und sich an länger zurückliegende Schulzeiten erinnert. Die beiden Schwestern waren 1933 eingeschult worden.  Mit 37 Mitschülern im Alter von 6 bis 14 Jahren wurden sie in dem 25 Quadratmeter großen Raum unterrichtet.

„Weißt Du noch? Da müssen die Tische gestanden haben…“, erinnert sich Trenker. Die beiden Schwestern genossen es sichtlich, in einer alten Schulchronik von anno dazumal zu blättern. Sie entzifferten die Einträge ihres Lehrers, die noch in der Sütterlin-Schrift verewigt worden waren, und lachten bei der Erinnerung an Sport im Schnee und ihre Zöpfe mit Schleifchen. Billa Hardt meint: „Es war eine schöne Zeit!“

pp/Agentur ProfiPress

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